Kampf gegen Doping während Coronakrise Nada sieht Kontrollen bei Bundesliga-Neustart gewährleistet

Mit der Bundesliga-Rückkehr würden auch die zuletzt ausgesetzten Dopingkontrollen wieder aufgenommen. Die Nada hat für potenzielle Betrüger schlechte Nachrichten - sie will die verpassten Wochen mit Nachtests aufholen.
Ein Vertreter der Dopingkontrolle steht bei Spielschluss auf dem Rasen.

Ein Vertreter der Dopingkontrolle steht bei Spielschluss auf dem Rasen.

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Friso Gentsch/ picture alliance / dpa

Die Nationale Antidopingagentur (Nada) sähe die Durchführung von Dopingkontrollen bei einer Wiederaufnahme der Fußball-Bundesliga im Mai trotz der Corona-Pandemie gewährleistet. "Die Nada hat dafür alle Vorkehrungen getroffen und kann eine Umsetzung von Dopingkontrollen bei Wiederaufnahme des Spielbetriebs durchführen", teilte die Nada auf Anfrage des SPIEGEL mit.

Die Nada stehe mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) bezüglicher der Wiederaufnahme von Urin- und Blutkontrollen im Austausch - "unter Berücksichtigung entsprechender Sicherheitsvorkehrungen zur Infektionsverhütung", wie es hieß. Dazu zählten etwa der nötige Sicherheitsabstand, aber auch Schutzvorkehrungen wie Mundschutz und Desinfektionsmittel.

Neben dem Spielbetrieb sollen perspektivisch auch wieder unangekündigte Kontrollen ermöglicht werden. "Auch dafür hat die Nada bereits Konzepte entwickelt, um nach und nach auch im Trainingskontrollbereich wieder klassische Dopingkontrollen durchführen zu können", hieß es. Wie aktuell diesbezüglich der Stand ist und ob die Kontrolleure uneingeschränkt Zugang zu den Spielern erhalten, ließ die Nada allerdings offen.

Die Bundesligaklubs trainieren zurzeit trotz Kontaktverbot mit Ausnahmegenehmigungen in Kleingruppen und unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit. Zur Dopingprävention sind normalerweise neben Wettkampfkontrollen auch unangekündigte Trainingskontrollen und Tests zu Hause üblich.

Experten fürchten Betrug in testfreier Phase

Der Antidopingkampf ist wegen der Ausbreitung des Coronavirus weltweit größtenteils zum Erliegen gekommen. Die meisten Länder haben ihre Tests auf ein Minimum reduziert oder ganz eingestellt. Auch die Nada hatte die klassischen Dopingkontrollen (Blut- und Urinabgabe) in den vergangenen Wochen in allen Sportarten ausgesetzt. Stattdessen kamen "bei einer Auswahl von Athletinnen und Athleten des höchsten Testpools und bei potenziellen Olympia-Kandidaten" alternative Testmethoden wie zum Einsatz. In welchem Umfang das auch für den Fußball galt, sagte die Nada in der Antwort nicht.

Zu den alternativen Testmethoden gehört der sogenannte Dried Blood Spot, der bislang bei der Krankheitserkennung von Neugeborenen zum Einsatz kommt und bei dem statt einer Blutkanüle lediglich ein Tropfen ausreicht.

Wegen der in der Corona-Pandemie ausgesetzten Kontrollen hatten verschiedene Experten international zuletzt ein Einfallstor für Dopingbetrüger befürchtet. Die Nada teilt diese Einschätzung nach offizieller Darstellung nicht. "Vereinzelt kann es vielleicht zur Versuchung kommen, in dieser Zeit zu manipulieren." Eine pauschale Dopingverdächtigung aller Athletinnen und Athleten halte man jedoch für falsch.

Nada will Analytik zur Nachkontrolle ausschöpfen

Dennoch kündigte die Nada bereits an, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um auch den Zeitraum ohne klassische Dopingkontrollen nachträglich "genau zu untersuchen. Die Analytik bietet hier verschiedene Möglichkeiten, unter anderem im Rahmen der biologischen Athletenpässe, die Wochen ohne klassische Dopingkontrollen nachzuverfolgen, aber auch die intensive Re-Analyse langzeit gelagerter Proben."

Am Dienstag hatte der SPIEGEL ein Konzeptpapier von DFB und DFL veröffentlicht, in dem die sportmedizinischen Rahmenbedingungen für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs während der Pandemie erläutert werden. Ein weiteres DFL-Papier zum Thema liegt dem SPIEGEL vor. In beiden Papieren sind auch regelmäßige Tests von Spielern und Betreuern auf das Coronavirus vorgesehen.

Das Thema Dopingkontrollen wird in den Papieren, die dem SPIEGEL vorliegen, allerdings nur nachrangig behandelt. Es findet im Zusammenhang mit einer möglichen Einrichtung eines zweiten Kontrollraums, um die Mannschaften trennen zu können, und bei der Benennung eines Hygienebeauftragten durch die Vereine Erwähnung. 

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