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Fußball-Nationalmannschaft Adler wird Nummer eins bei der WM

Die Entscheidung ist gefallen: René Adler wird bei der WM in Südafrika im Tor der Deutschen Nationalmannschaft stehen - sofern er sich bis dahin keine größeren Patzer leistet. Auch die Torhüterpositionen zwei und drei sind endgültig vergeben.

Hamburg - Bundestrainer Joachim Löw plant mit René Adler als Nummer eins bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika. "René hat es selbst in der Hand, ob er bei der WM spielt", sagte Bundestorwarttrainer Andreas Köpke am Montag. Der Keeper vom Bundesligisten Bayer Leverkusen wird auch beim Test gegen Argentinien am Mittwoch in München (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) im Tor stehen.

Köpke sagte, er habe am Vormittag zunächst Schalkes Keeper Manuel Neuer informiert und erst dann Adler, der nach dem Frühstück von der Entscheidung erfuhr. Mit dem derzeit verletzten Tim Wiese (Werder Bremen) habe er noch nicht telefoniert. Zwar betonte Köpke: "Wir sind von den Torhütern, die wir haben, überzeugt." Es könne aber nur einer im Tor stehen.

"Rene hat sich diese Stellung in den WM-Qualifikationsspielen erarbeitet, vor allem seine beiden herausragenden Leistungen in den beiden Spielen gegen Russland haben den Ausschlag gegeben", sagte Köpke.

Adler zuversichtlich und selbstbewusst

Nur noch ein heftiges Formtief oder eine Verletzung könnte verhindern, dass Adler, der bislang acht Länderspiele bestritten hat, bei der WM die Nummer eins im deutschen Tor ist. "Man weiß ja, was alles passieren kann", sagte Adler, der aber fest davon überzeugt ist, dass er seinen Status bis zum Saisonende mit guten Leistungen für Leverkusen untermauern wird. "Da bin ich zuversichtlich und auch selbstbewusst, dass mir das gelingt. Ab Mitte Mai lenke ich dann den Fokus auf die WM."

Für ihn persönlich sei es gut, frühzeitig zu wissen, woran er ist: "Ich kann mich dann besser auf eine Situation einstellen." Dabei hatte Bundestrainer Löw noch Ende Januar am Rande des Fitnesstests in Sindelfingen und Stuttgart gesagt: "Eine aktuelle Rangfolge gibt es nicht. Der Torhüter, der gegen Argentinien spielt, hat einen kleinen Vorteil."

Neuer Nummer zwei, Wiese dritter Torwart

Auch mit Blick auf die beiden anderen Torhüterpositionen äußerte sich Köpke klar. So werden neben Adler auch Neuer, der am Mittwoch als Ersatztorwart auf der Bank sitzen wird, und Wiese als Torleute Nummer zwei und drei mit nach Südafrika reisen. "Es gibt keinen Grund, derzeit noch einen anderen Torhüter ins Gespräch zu bringen", sagte Köpke.

Adler zeigte sich froh über das Vertrauen des Trainerteams. "Es ist eine sehr, sehr große Herausforderung", so der 25-Jährige. Schließlich sei die Torhüterposition "eine ganz besondere. Ich versuche dazu beizutragen, dass wir ein großes Turnier spielen", sagte Adler mit Blick auf die WM, die vom 11. Juni bis 11. Juli in Südafrika stattfindet.

Mit seiner Nominierung als Nummer eins wird sich Adler in Südafrika wohl in die große Reihe der WM-Torhüter von Toni Turek, der beim Titelgewinn 1954 in der Schweiz zwischen den Pfosten stand, über Sepp Maier (Weltmeister-Torhüter 1974) und Harald Schumacher (1982 und 1986) bis hin zu Oliver Kahn (2002) und Jens Lehmann (2006) einreihen. "Es ist für mich keine Bürde, dass ich so große Vorgänger habe. Es ist in erster Linie eine Herausforderung für mich, für ein Land zu spielen, in dem es seit Generationen herausragende Torhüter gibt. Ich arbeite daran, selbst ein großer Name zu werden", so Adler.

Von allen deutschen Torhütern hat Sepp Maier die meisten WM-Spiele absolviert. Der Bayer bestritt 18 Spiele bei drei Weltmeisterschaften (1970, 1974 und 1978). Auf den Plätzen folgen Harald Schumacher (14 Spiele; 1982 und 1986), Bodo Illgner (12; 1990 und 1994), Oliver Kahn (8; 2002 und 2006) Hans Tilkowski (6; 1962 und 1966) und Jens Lehmann (6; 2006).

Feilschen um die Prämien

Während die Entscheidung in Sachen Torhüterposition gefallen ist, steht eine andere noch aus: die Höhe der WM-Prämien. Vor dem Spiel gegen Argentinien sollen Kapitän Michael Ballack und der Mannschaftsrat mit der DFB-Spitze die Erfolgsprämien für die Weltmeisterschaft aushandeln.

DFB-Präsident Theo Zwanziger kündigte bereits an, dass es für die 23 WM-Fahrer und den Trainerstab wie bei den vergangenen Turnieren stark leistungsbezogene Prämien geben soll. So könnten bei der WM erst ab dem Viertelfinale Prämien ausgeschüttet werden. Erstmals hatte es bei der EM 2008 in der Schweiz und Österreich diese Regelung gegeben.

Für einen EM-Titelgewinn 2008 hatte der DFB für jeden beteiligten Spieler 250.000 Euro ausgesetzt, nach dem 0:1 im Finale gegen Spanien kassierte jeder Akteur noch 150.000 Euro. Die insgesamt 3,45 Millionen Euro waren die höchste Prämie, die der DFB jemals an seine Spieler ausgeschüttet hat. Für einen Titel bei der Heim-WM 2006 hätte jeder Spieler unter dem damaligen Bundestrainer Jürgen Klinsmann sogar die Rekordsumme von 300.000 Euro erhalten. Der Vorstoß bis ins Halbfinale und Rang drei brachten damals je 100.000 Euro ein. Diese hohen Summen waren vor allem mit der hohen Bedeutung des Turniers im eigenen Land begründet worden. Die Prämien für die WM 2010 könnten sich daher eher an den Summen der EM 2008 orientieren.

ham/sid/dpa