DFB-Team in WM-Qualifikation Neue Gesichter, altes System

Lukas Podolski auf die Bank, ein Startplatz für Mario Götze und Marco Reus: Im Spiel gegen die Färöer Inseln präsentiert Bundestrainer Joachim Löw einige personelle Änderungen. Das klingt nach Innovation. Tatsächlich jedoch fällt die DFB-Elf bei der Taktik in der Weltspitze zurück.

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Von , Hannover


Wer sich beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) auf die Suche nach dem Modewort des Spätsommers macht, wird schnell fündig: Details. Egal ob Spieler, Trainer, Funktionäre - jeder spricht davon, dass der deutschen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine nur Details gefehlt hätten, um nach 16 Jahren endlich wieder einen Titel zu holen.

Jene fehlenden Details, die das DFB-Team in seiner Fehleranalyse ausgemacht hat, sind überschaubar: früheres Pressing, aktiveres Arbeiten ohne Ball, besserer Torabschluss. Das soll die Formel sein, um die Italiener und Spanier künftig zu besiegen. Im besten Fall soll so der WM-Titel 2014 herausspringen.

Dabei wird das, was Bundestrainer Joachim Löw und sein Assistent Hansi Flick jetzt als Erfolgsmodell verkaufen, von zahlreichen (Vereins-)Mannschaften bereits seit Jahren praktiziert. Der FC Barcelona und die spanische Nationalelf zeigen seit einer gefühlten Ewigkeit, welche Wucht das schwarmhafte Pressing erzeugt, wenn der Gegner in Ballbesitz ist. Flick hingegen sagte am Donnerstag: "Wir müssen lernen, dass wir uns nicht ausruhen dürfen, wenn der Gegner den Ball hat."

Borussia Dortmund spielt seit drei Jahren ein sehr effektives Gegenpressing im ersten Drittel des Spielfeldes, also 18 bis 20 Meter vor dem gegnerischen Tor. BVB-Trainer Jürgen Klopp sagt dazu: "Je früher wir dem Gegner den Ball wegnehmen, desto schneller kommen wir zum eigenen Torabschluss." Dortmund ist mit dieser Spielanlage stilprägend für die Bundesliga und wurde zuletzt zweimal Deutscher Meister. Der FC Bayern München hat dieses System an den ersten beiden Spieltagen der Saison sehr effektiv kopiert. Löw sagte am Mittwoch: "Wir müssen lernen, noch früher den Gegner zu attackieren. Bei der EM standen wir teilweise zu weit entfernt vom gegnerischen Tor."

Die Trendsetter sind schon weiter

Löws und Flicks Plan für die Zukunft entspricht also dem, was anderswo längst existiert. Und nicht nur das: Während der DFB versucht, den Ist-Zustand aufzuholen, sind die Trendsetter im Weltfußball schon dabei, neue Systeme zu erschaffen. Barcelona spielt bereits seit einiger Zeit mit einer Dreierkette in der Abwehr und erzeugt so ein Übergewicht im Mittelfeld. In Dortmund ist mit Mats Hummels ein Innenverteidiger zum Spielmacher umfunktioniert worden, um die erste Angriffswelle mit langen Pässen noch schneller einzuleiten.

Italiens Nationalmannschaft wich zuletzt vom Ein-Mann-Sturm-System ab und spielte mit einem Doppelangriff. Der FC Chelsea ist Champions League-Sieger geworden mit einer fatalen Mauertaktik, schlimmer als jedes Catenaccio. Doch unabhängig vom ästhetischen Empfinden präsentierten die Engländer sowohl im Halbfinale als auch im Finale der Königklasse einen Plan, eine Idee.

Beim DFB wirkt es derzeit dagegen eher so, als hätten Löw und Co. Schwierigkeiten, eine neue Vision des Fußballs zu entwickeln. Sie haben zwar eine Ansammlung von hochbegabten Spielern wie Marco Reus, Mesut Özil oder Mario Götze um sich geschart; aber sie schaffen es nicht, diesem Team eine neue, eigene Identität mitzugeben.

"Den roten Faden gnadenlos weiterverfolgen"

Derzeit wirkt es eher so, als wolle der DFB-Tross seine 2006 erfundene Spielphilosophie allen Widerständen und Misserfolgen zum Trotz bis zum ersehnten nächsten Titelgewinn durchhalten. "Wir haben einen roten Faden in der Entwicklung dieser Mannschaft. Diesen roten Faden werden wir gnadenlos weiterverfolgen", sagt Löw.

Taktisch wird es deshalb künftig nur wenige Veränderungen geben, beim Personal nimmt der Bundestrainer aber bereits im ersten WM-Qualifikationsspiel gegen die Färöer (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) einige Umstellungen vor. Der Wechsel von Philipp Lahm von der linken auf die rechte Abwehrseite und die damit verbundene Startelfaufstellung von Marcel Schmelzer gilt bereits als zukunftsorientierter Schritt. Genau wie die Verbannung von Lukas Podolski auf die Ersatzbank.

Die Hereinnahme von Götze als Achter, also etwas hinter Mesut Özil aber deutlich offensiver als der einzige defensive Mittelfeldspieler Sami Khedira, lässt ein wenig aufhorchen. Damit unterstreicht Löw seine Forderung nach offensiverem Pressing. Das letzte Mal, als er ein solch offensiv ausgerichtetes Mittelfeld wählte, verlor Deutschland 3:5 im Testspiel gegen die Schweiz.

Aber auch das ist wahrscheinlich nur ein Detail im Gesamtgefüge der deutschen Nationalmannschaft.

insgesamt 35 Beiträge
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Seite 1
Nonvaio01 07.09.2012
1. naja
Zitat von sysopGetty ImagesPhilipp Lahm nach rechts, Lukas Podolski auf die Bank: Im Spiel gegen die Färöer Inseln präsentiert Bundestrainer Joachim Löw einige personelle Änderungen. Das klingt nach Innovation. Tatsächlich jedoch fällt die DFB-Elf bei der Taktik hinter der Weltspitze zurück. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,854439,00.html
wer ist denn bitte die Weltspitze? das ist doch nur Spanien.
hannohonk 07.09.2012
2.
Zitat von sysopGetty ImagesPhilipp Lahm nach rechts, Lukas Podolski auf die Bank: Im Spiel gegen die Färöer Inseln präsentiert Bundestrainer Joachim Löw einige personelle Änderungen. Das klingt nach Innovation. Tatsächlich jedoch fällt die DFB-Elf bei der Taktik hinter der Weltspitze zurück. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,854439,00.html
Dies zu beurteilen traue ich einem SPON-Redaktuer nicht zu.
grundkurs 07.09.2012
3. Ich auch nicht
Ja, die Presse weiß es immer besser als die richtigen Profis, das kennen wir ja schon.
CompressorBoy 07.09.2012
4.
Zitat von sysopGetty ImagesPhilipp Lahm nach rechts, Lukas Podolski auf die Bank: Im Spiel gegen die Färöer Inseln präsentiert Bundestrainer Joachim Löw einige personelle Änderungen. Das klingt nach Innovation. Tatsächlich jedoch fällt die DFB-Elf bei der Taktik hinter der Weltspitze zurück. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,854439,00.html
Das halt ich ja für einen Scherz...
Mitch 07.09.2012
5. Schwacher Bericht
Also wenn wir gegen die Färinger nicht mal mit Götze und Özil gemeinsam etwas offensiver spielen könnten, dann ist alles zu spät. Insofert ist das kein Fingerzeig für die künftige taktische Ausrichtung. Genauso wenige, dass Podolski dieses mal auf der Bank sitzt. So einen oberflächlichen Artikel hab ich auch selten gelesen auf spOn.
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