3:3 gegen Paraguay Deutschland wackelt in die WM-Saison

Drei Gegentore zu Hause gegen Paraguay: Der Start der Fußball-Nationalmannschaft in die WM-Saison ist misslungen. Besonders in der Abwehr hatte Joachim Löws Team große Probleme. Der Bundestrainer sprach von "krassen Fehlern".

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Hamburg - Die Zuschauer auf dem Betzenberg von Kaiserslautern sahen beim ersten Testspiel der deutschen Nationalmannschaft nach der Sommerpause viele Chancen, sechs Tore - aber keinen Sieger. Denn gegen Paraguay, den 49. der Fifa-Weltrangliste, kam das Team nur zu einem 3:3 (2:3).

"Fahrig und unkonzentriert" sei die Defensive seiner Mannschaft mitunter gewesen, sagte Joachim Löw nach der Partie, "krasse Fehler" habe sie sich geleistet. Vor der Partie hatte der Bundestrainer klargemacht, dass er nicht viel experimentieren wolle, das "Einspielen von Automatismen" stehe von nun an im Mittelpunkt.

Dementsprechend las sich die Start-Aufstellung, in der man erwartungsgemäß Neulinge oder Ergänzungsspieler vergeblich suchte: Neuer - Lahm, Mertesacker, Hummels, Schmelzer - Khedira, Gündogan - T. Müller, Özil, Reus - Klose. Nur der noch nicht ganz fitte Bastian Schweinsteiger sowie der gerade Vater gewordene Toni Kroos fehlten Löw.

Doch so routiniert diese Startelf auch war, so chaotisch agierte sie mitunter.

Schon die erste Halbzeit stand für alles, was die deutsche Nationalmannschaft derzeit zu leisten im Stande ist - positiv wie negativ. Es vergingen keine fünf Minuten ohne deutsche Chance: Marco Reus (4./27. Minute), Miroslav Klose (8./11./38.) und Mesut Özil (16.) hatten beste Gelegenheiten, scheiterten aber entweder an Paraguays Keeper Justo Villar oder schossen neben das Tor. Besonders Sami Khedira glänzte mehrfach als genialer Passgeber, die schlecht funktionierende Abwehrfalle der Südamerikaner tat ihr übriges.

Abwehrfehler führen zu einem 0:2-Rückstand

Noch auffälliger aber war die dauerhaft anfällige, mitunter völlig unorganisierte Abwehr um Per Mertesacker und Mats Hummels. In der 5. Minute wurden beide von einem langen Ball der Paraguayer überrascht, Manuel Neuer musste 25 Meter aus seinem Tor eilen, um per Kopf vor José Ariel Nunez zu klären.

Vor der Partie hatte Hummels auf der Homepage des DFB noch gesagt: "Eine gute Defensive ist vielleicht sogar wichtiger als die Offensive. Das kann bei uns sicher noch besser werden, aber ich bin da sehr optimistisch."

Dass "es" tatsächlich noch besser werden muss, um bei der WM zum erweiterten Favoritenkreis zu gehören, oder gar die Qualifikation für das Turnier nicht doch noch zu gefährden, zeigte sich erneut in der neunten Minute: Erneut Nunez entwischte der deutschen Abwehr und ließ Neuer mit seinem Schuss unter die Latte keine Chance.

Beim 0:2 spielte Khedira erst unbedrängt einen Fehlpass und vertändelte dann am eigenen Strafraum den Ball an Wilson Pittoni, der direkt abschloss und Neuer überraschte. Beim dritten Treffer Paraguays in der Nachspielzeit der ersten Hälfte nahm Victor Ayala Hummels mit einem starken Pass auf Roque Santa Cruz aus dem Spiel, der Ex-Bayern-Profi legte quer auf Miguel Samudio - und Neuer winkte nur noch ab, nachdem der Ball zum 2:3 im Netz gelandet war.

Dass die Mannschaft des sichtlich erzürnten Bundestrainers zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch im Spiel war, lag an den Toren von Ilkay Gündogan und Thomas Müller. Der Dortmunder, der schon nach 27 Minuten mit Beschwerden gegen Lars Bender ausgetauscht werden musste, hatte aus 18 Metern platziert vollendet (18.), Müller nach einem Khedira-Pass überlegt eingeschoben (31.).

Paraguay erspielt sich nach der Pause kaum noch Chancen

Zur zweiten Halbzeit begann dann das große Auswechseln, als Erster musste Per Mertesacker seinen Platz in der Innenverteidigung für Jérôme Boateng räumen. Zudem brachte Löw Lukas Podolski für Reus und Mario Gomez für Klose. Der Neu-Florenzer hatte nach Özil (47.) die zweite Chance für Deutschland nach der Pause (58.).

Paraguay kam nun gar nicht mehr zur Entfaltung, die DFB-Elf behielt die hohe Chancen-Taktung der ersten Halbzeit fast bei. Nachdem Boateng (71.) und Müller (74.) noch vorbeischossen, gelang Bender der 3:3-Ausgleich (75.).

Deutschland hielt den Druck auch in der Folge hoch (9:1 Torschüsse in Halbzeit zwei), gute Chancen konnte sich die Mannschaft aber nicht mehr erspielen. Auch, weil Paraguay oft mit elf Mann im eigenen Strafraum verteidigte. André Schürrle jagte mit der letzten Aktion der Partie den Ball weit über das Tor des Gegners.

Als nächster Gegner wartet auf Löws Team nun Österreich in der WM-Qualifikation (6. September, Liveticker SPIEGEL ONLINE). In der Quali-Gruppe C führt Deutschland mit 16 Punkten aus sechs Spielen vor Österreich (elf).

Deutschland - Paraguay 3:3 (2:3)
0:1 Nunez (9.)
0:2 Pittoni (13.)
1:2 Gündogan (18.)
2:2 Müller (31.)
2:3 Samudio (45.+1)
3:3 Lars Bender (75.)
Deutschland: Neuer - Lahm, Mertesacker (ab 46. Boateng), Hummels, Schmelzer (ab 81. Jansen) - Khedira, Gündogan (ab 27. Lars Bender) - Müller (ab 81. Schürrle), Özil, Reus (ab 62. Podolski) - Klose (ab 54. Gomez)
Paraguay: Villar (ab 46. Fernandez) - Candia, da Silva, Aguilar, Samudio (ab 54. Melgarejo) - Ayala, Pittoni (ab 62. Romero), Ortiz, Fabbro (ab 62. Rojas) - Nunez (ab 46. Riveros), Santa Cruz (ab 81. Sanabria)
Schiedsrichter: Ivan Bebek (Kroatien)
Zuschauer: 47.522 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Lars Bender - da Silva, Ayala, Romero



insgesamt 46 Beiträge
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Seite 1
wurstwilli 14.08.2013
1.
kann der loew sich mal 90 minuten lang nicht unter die achseln packen und dann an den fingern riechen, mit seiner zunge im gesicht rumlutschen oder seine popel fressen?
WhereIsMyMoney 14.08.2013
2.
So, tritt Löw jetzt zurück? Wohl eher nicht. Der DFB müsste handeln, doch das werden sie mit Sicherheit nicht vor der WM tun. Vielleicht sollte man Leute eine Petition unterschreiben lassen. Wir haben die besten Spieler der Welt, also mehr als eine reelle Chance au den Titel. Lasst diese Trainer diese Chance nicht kaputt machen. Löw hat sehr gute Arbeit von 2006 bis 2010 geleitet. Hat uns in die Weltspitze geführt. Doch seit Deutschland diese Vielzahl an grandiosen Spielern zur Verfügung stehen, erkennen wir leider dass Löw kein Trainer ist der mit guten Spielern umgehen kann.
MHB, 14.08.2013
3. Nach der WM 2014
die wieder auf Platz 3 oder 4 enden wird (mit Glück) bekommen wir dann hoffentlich nen ordentlichen Trainer... schade, dass es noch so lange dauert.
dürrjähs 14.08.2013
4. Yogi
Haha,wie bereits erwähnt,solange dieser Gelbfüssler Trainer ist,wird es nie einen Titel geben,wann begreift man das endlich beim DFB.
tim11q 14.08.2013
5. Mit der Abwehr...
...wird's nun ganz sicher nichts. Hummels spielt tolle Paesse nach vorn, steht aber in der Abwehr viel zu oft schlecht. Mertesacker ist ein Relikt aus Mitte 2000 als wir kaum vernuenftige Spieler hatten. Beide zusammen gehen gar nicht. Beide sind weder schnell noch beweglich. Dazu kommt dann noch Oezil, der grundsaetzlich kein richtiges Pressing mitmacht. Der Mesut wirkt immer wie ein kleines Maedchen, wenn er einen Gegner angreifen muss... Bis heute dachte ich wirklich wir koennten Weltmeister werden. Jetzt nicht mehr. Um eine alte Weissheit zu zitieren: Offensive gewinnt Spiele, Defensive gewinnt Titel. Tolles Spektakel, wenig Gewinn. Die Englaender nennen uns schon seit einer Weile die "likable losers". Aber hauptsaechlich likable, eben weil wir verlieren. Bin ich nicht wirklich stolz drauf....
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