Fußball-Randale in Italien Prodi kündigt harte Maßnahmen an

Ein Polizist starb bei Ausschreitungen während eines Fußballspiels auf Sizilien - es war der zweite Todesfall bei Fanrandalen in einer Woche. Der italienische Fußballverband stoppte den gesamten Spielbetrieb, Ministerpräsident Romano Prodi will den "Verfall des Fußballs" aufhalten.


Catania - Nach dem Duell Catania Calcio gegen den US Palermo (1:2) in der italienischen Serie A ist der komplette Spielbetrieb aller Ligen am Wochenende und zudem das Freundschaftsspiel der italienischen Nationalmannschaft am Mittwoch gegen Rumänien abgesagt worden. Dies entschied der kommissarische Präsident des Fußballverbandes FIGC, Luca Pancalli, am Abend, nachdem beim sizilianischen Derby in Catania ein Polizist tödlich verletzt worden war. Der 38-jährige Filippo Racini sei von einem Knallkörper getroffen worden, der in einen Einsatzwagen geworfen wurde, teilte die Polizei mit. Er erlag später seinen Verletzungen.

Laut Nachrichtenagentur Ansa wurden neun Catania-Anhänger festgenommen, keiner von ihnen steht jedoch im Verdacht, den Polizisten getötet zu haben. Zu den Verhafteten gehören auch vier Minderjährige. Der Verband teilte mit, dass sich ein weiterer schwer verletzter Polizist in einem kritischen Zustand befindet, er sei von einem Motorrad überfahren worden. Dutzende von Menschen seien zudem mit leichteren Verletzungen in die Krankenhäuser eingeliefert worden.

Ministerpräsident Romano Prodi kündigte harte Maßnahmen an. "Es ist meine Pflicht zu sagen, dass wir ein lautes und klares Signal brauchen, um den Verfall dieses Sports aufzuhalten", sagte Prodi. Seine Gedanken seien bei der Familie des getöteten Polizisten. Präsident Giorgio Napolitano fügte hinzu, dass die Entscheidung, den Spieltag des Wochenendes zu verschieben, nicht genug wäre und kündigte für Montag weitere Treffen an, "um weitere Maßnahmen zu ergreifen, die uns erlauben, die Spiele wieder anzupfeifen."

Die Polizei verteidigte die Sicherheitsmaßnahmen bei der Partie. "Wir reden hier über Vorfälle, die außerhalb des Stadions passiert sind und nachdem die Begegnung begonnen hatte", sagte Polizeisprecher Piero Gambuzza. "Die Polizei hat niemanden mit Feuerwerkskörpern ins Stadion gelassen." Die Staatsanwaltschaft von Palermo hat inzwischen die Obduktion der Leiche von Racini angeordnet. Die Untersuchungsbeamten prüfen außerdem Videoaufnahmen, um den oder die Täter zu ermitteln.

Das seit jeher emotionsgeladene sizilianische Derby war in der 57. Minute beim Stand von 1:0 für Palermo unterbrochen worden, nachdem die Polizei vor dem Stadion Tränengas gegen Randalierer eingesetzt hatte, das auf das Spielfeld und die Ränge geweht war. Nach rund 40-minütiger Pause wurde die Begegnung fortgesetzt. Nach Spielende ging die Gewalt weiter, als die Beamten Hunderte Ultras im Stadion einkesselten, um weitere Ausschreitungen zu verhindern. Am Ende gewann Palermo die Partie mit 2:1, doch das interessierte niemanden mehr. "Das sind Verbrecher. Wir haben heute alle verloren", sagte der Vereinspräsident von US Palermo, Maurizio Zamparini.

FIGC-Chef Pancalli zeigte sich nach einer kurzfristig anberaumten Krisensitzung entsetzt über die Eskalation. "Das kann so nicht weitergehen. Was wir hier sehen, hat mit Fußball nichts zu tun." Der Verbandsboss teilte mit, dass die Aussetzung des Ligabetriebs durchaus länger anhalten könne. Man wolle sich am Montag erneut treffen, um die "drastischen Ausmaße der Situation" zu analysieren. Erst dann könnten wieder Spiele stattfinden.

Das tragische Unglück in Catania bedeutete den zweiten Todesfall im italienischen Fußball binnen einer Woche. Am vergangenen Wochenende war in einer unteren Klasse ein Funktionär nach einem Handgemenge an einer Gehirnblutung gestorben.

goe/bri/sid/Reuters/AP



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