Fußball-Randalierer Schäuble ruft Vereine zum Kampf gegen Gewalttäter auf

Die Fußball-Krawalle in Leipzig alarmieren Innenminister Wolfgang Schäuble. In einem Aufruf an die Sportvereine fordert er drastisch mehr Einsatz im Kampf gegen Gewalttäter: "Zudecken, Beschwichtigen und Schweigen gilt nicht mehr."


Zerstörtes Einsatzfahrzeug: Kampf gegen die "Hooligan-Seuche"
DPA

Zerstörtes Einsatzfahrzeug: Kampf gegen die "Hooligan-Seuche"

Hamburg – "Die Clubs müssen sich bekennen, Gewalttäter aktiv ächten und in die Jugendarbeit investieren", forderte Schäuble in der "Bild am Sonntag". Vereine, die sich daran nicht halten würden, drohe "der Ausschluss aus der Fußballfamilie". Sein Credo: "Zudecken, Beschwichtigen und Schweigen gilt nicht mehr."

Nach dem Spiel des 1. FC Lokomotive Leipzig gegen den FC Erzgebirge Aue II im Viertelfinale des sächsischen Fußball-Landespokals war es am vergangenen Samstag zu schweren Ausschreitungen gekommen. Hunderte gewaltbereite Fußballfans hatten Jagd auf Polizisten gemacht, 39 Beamte wurden verletzt. Als Reaktion auf die massiven Krawalle sagte der Verband für dieses Wochenende alle Spiele der Sachsenliga und im Kreis Leipzig ab.

Die deutschen Fußballfans seien "zum allergrößten Teil friedliche Mitbürger", betonte Schäuble. "Damit die Hooligan-Seuche jedoch nicht um sich greift, darf man die Probleme in unteren Ligen nicht verharmlosen", so der Christdemokrat weiter. Hooligans suchten sich Nischen, die ihnen Sicherheit und Anonymität gewährten. "Schutzbereiche für Gewalttäter und Chaoten darf es im deutschen Fußball nicht geben", sagte Schäuble, "sonst gefährdet unsere Gesellschaft eine ihrer größten integrativen Kräfte."

300 Polizisten hätten ein Spiel der sechsten Liga sichern müssen. "So kann es nicht weitergehen!", sagte Schäuble. Aber nur gemeinsam mit dem Fußball, den Clubchefs und den "echten Fans" könne im Kampf gegen die Gewalt der Durchbruch gelingen. Der Bundesinnenminister schlug vor, dass wie bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 Sport-Staatsanwälte noch im Stadion Anklage erheben können. So könnten die Rädelsführer schneller zur Rechenschaft gezogen werden. Und es werde deutlich, dass Straftaten ernste Konsequenzen hätten.

Der Leiter der Koordinationsstelle "Fan-Projekte» bei der Deutschen Sportjugend, Volker Goll, hat die Spielabsagen in Sachsen unterdessen kritisiert. Im "Deutschlandradio Kultur" sagte er, diese "symbolische Entscheidung" treffe vor allem Vereine aus den unteren Ligen, die mit den Krawallen nichts zu tun hatten. In Sachsen sei es vor allem ein Problem der Sicherheit und Organisation, das man jahrelang verkannt habe.

Bei den "Fan-Projekten" setze man darauf, eine Beziehung zu den Fans aufzubauen und einen Dialog mit den Konfliktparteien in Gang zu bekommen, sagte Goll weiter. Doch obwohl die Finanzierung solcher Projekte nicht teuer sei - für ein Erst-Liga-Fan-Projekt müssten alle beteiligten Parteien, also Kommune, Landesregierung und Vereine, je 150 000 Euro zahlen - gebe es in vielen Bundesländern keine ausreichende Unterstützung.

Goll glaubt, dass Krawalle wie in Italien in Deutschland nicht zu befürchten seien. Allerdings solle man sich in Sachsen klarmachen, dass die Verstärkung der Polizeitruppen nicht unbedingt zum Abbau von Gewalt in den Stadien führe. Das zeige das Beispiel Italien. "In Italien hat man 20 Jahre nur auf die Polizei gesetzt - und das sagen wir auch immer dem Land Sachsen. Wenn der sächsische Innenminister sagt, er möchte keine italienischen Verhältnisse, dann sollte er sich auch nicht wie ein italienischer Minister aufführen", sagte Goll.

ach/ddp/dpa/AFP/Reuters



insgesamt 398 Beiträge
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Seite 1
DJ Doena 11.02.2007
1.
Was würde man mit einem wollwütigen Hund in den Straßen machen? Sorry, bin selbst Ossi, aber wenn diese Typen unbedingt Randale und Gewalt wollen, können sie das gern haben. Und hört mir auf, jetzt mit Sozialromantik und Arbeitslosigkeit zu kommen. Gewalt ist aus gutem Grund dem Staat vorbehalten. Es sei denn, mir möchte jemand erklären, dass diese Schläger eigentlich versuchen GG Art. 20 Satz 4 in Anspruch zu nehmen.
Funmilayo, 11.02.2007
2. ZERO Toleranz.
---Zitat von sysop--- Ostdeutschland erlebt eine neue Form der Gewalt von Fußballfans: Überfallartig stürmten 800 Randalierer nach dem Spiel Leipzig gegen Aue auf die Polizisten vor dem Stadion zu und lieferten sich eine Straßenschlacht. Wie soll die Polizei mit den Krawallmachern umgehen? ---Zitatende--- Internet rechtzeitig durchforsten, Spiele , wo Gefahren bestehen, OHNE PUBLIKUM stattfinden lassen, ENDLICH Erziehungshäuser wieder einführen - für schwer Erziehbare, die wir ganz offensichtlich haben, damit diese nicht im Knast noch den letzten Schliff bekommen. Auf was wird hier noch gewartet ? Auf das "nächste Mal" ?? Die Sicherheit des Landes geht vor. Nun warte ich aber auf die konstruktiven Vorschläge unserer lieben "Gutmenschen".
franxinatra 11.02.2007
3. "Unterschichen"-fußball
Eiegntlich war es doh nicht anders zu erwarten. mit seiner Abschottung der ersen Lga durch das portemonnaie gegen de finanziell schlechter gestellten hat der DFB die Weichen gestellt; so sind die 'großen' Vereine zwar ihre Probleme, nicht aber ihre Verantwortung los, denn wie sich zeigt steigert sich das Frustpotential durch die unbeliebten weil nicht finanzkräftgen -naja, sagen wir: Spielbesucher...
Ripperius, 11.02.2007
4.
---Zitat von sysop--- Ostdeutschland erlebt eine neue Form der Gewalt von Fußballfans: Überfallartig stürmten 800 Randalierer nach dem Spiel Leipzig gegen Aue auf die Polizisten vor dem Stadion zu und lieferten sich eine Straßenschlacht. Wie soll die Polizei mit den Krawallmachern umgehen? ---Zitatende--- Mal ganz ehrlich, kann das Problem irgendwie nicht nachvollziehen. Wenn ich anfange, auf offener Straße einen Polizisten anzugreifen, dann muss ich damit rechnen, dass ich erschossen werde. Da gibt es für mich auch wenig andere Möglichkeiten als Polizist. Oder was ist so falsch an der simplen Lösung: Mob stürmt auf Polizei. Polizei wehrt sich. Mob tot. Beim nächsten Mal überlegt sich Mob vorher ob er es nochmal macht. Natürliche Evolution. Und ich bin sicher kein Freund von Gewalt.
GD3001, 11.02.2007
5. Martwirtschaftlich
Die Clubs sollten endlich für die Polizeieinsätze zur Kasse gebeten werden, dann ist das Problem mit den Spinnern schnell vom Tisch. Übrigens, keine Gnade für Schläger --> Haft mit Arbeitseinsatz in Ketten, die treten doch die Regeln des Zusammenlebens auch mit Füssen, weshalb hier eine derartige Milde vor dem Gesetz besteht ist mir unerklärlich!
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