Fußball-Regeländerung Das Foul bestrafen, nicht den Gefoulten

Obskure Gelbe Karte: Die Strafe folgt auf dem Fuße, heißt es. Im Fußball ist das anders. Dort drohen Sperren meist erst für das nächste Spiel. SPIEGEL-ONLINE-Autor Jens Jeep hat sich eine Regeländerung ausgedacht, die auch dem Gefoulten zu seinem Recht verhilft.

Im vierten Teil der SPIEGEL-ONLINE-Serie über mögliche Regeländerungen ging es um eine Reform der Abseitsregel. In diesem Teil befassen wir uns mit den Strafen im Fußball, denn auch hier kommt es zuweilen zu seltsamen Begebenheiten auf dem Platz. Zu den Merkwürdigkeiten der Regelauslegung gehört auch die Sanktion der Gelben Karten.

Schiedsrichter Kinhöfer (r.) und Cotbuser Mitreski: Zu viele Fouls

Schiedsrichter Kinhöfer (r.) und Cotbuser Mitreski: Zu viele Fouls

Foto: DPA

Jedes Gelb-würdige Foul richtet sich zuerst gegen die aktuelle gegnerische Mannschaft, doch sie erhält lediglich einen Freistoß, so wie beim "normalen" Foul auch. Und der ist - außer direkt am Strafraum - meist ein Nachteil im Vergleich zum rüde beendeten Angriff.

Somit trifft die Karte vor allem den foulenden Spieler: Handelt es sich um die fünfte gelbe Karte, so wird er gesperrt. Nicht für das laufende, sondern für das nächste Spiel. Glückwunsch. Vielleicht handelt es sich beim nächsten Gegner um den größten Konkurrenten der aktuell durch das Foul betroffenen Mannschaft. Diese wird dann doppelt bestraft, weil der Konkurrent auch noch ein leichteres Spiel hat. Hier sind uns andere Sportarten bereits weit voraus.

Die Idee ist damit nicht neu, aber nach wie vor richtig: Die Strafe muss auf dem Fuße folgen, nicht im nächsten Spiel. Und die benachteiligte Mannschaft muss einen echten Ausgleich erhalten. Wir benötigen die Kurzzeitstrafe:

Regel 12
"Ein Spieler erhält eine Gelbe Karte, wird verwarnt und für zehn Minuten des Feldes verwiesen, wenn er eines der folgenden sieben Vergehen begeht (...)."

Die zweite Gelbe Karte sollte dann zum Platzverweis für den Rest dieses Spiels führen - aber eben nur für dieses Spiel.

Dabei sind an die zweite Gelbe Karte die gleichen Maßstäbe zu setzen wie an die erste: Die oft gehörte Aussage, ein Foul sei nicht "Gelb-Rot-reif" gewesen, ist ziemlicher Unsinn. Denn "Gelb-Rot" gibt es gar nicht. Gelb ist Gelb. Und das zweite Gelb ist auch Gelb - nur nunmehr mit danach folgender zwingender Roter Karte.

Statt hier rituell das mangelnde Fingerspitzengefühl des Schiris zu bemängeln, sollten die Spieler lieber ihr Fußspitzengefühl trainieren. Michel Platini hat als Uefa-Präsident nun ebenfalls einen Vorschlag in dieser Richtung geäußert: Die Orangene Karte, angesiedelt zwischen Gelb und Rot und verbunden mit einer Zeitstrafe. Doch macht dies nicht alles nur komplizierter? Wir hören schon die Diskussionen: "Das war Gelb!" "Nein, Rot!". "Quatsch, allenfalls Orange!"

Wenn zudem der Wunsch nach einer zusätzlichen individuellen Strafe für Gelb-Sünder besteht, dann sollte es anders als heute keine sein, die indirekt auch noch die gefoulte Mannschaft bestraft. Warum nicht hier das tun, was wir im klassischen Strafrecht auch machen und was der künftige Schalker Trainer Felix Magath auch fordert: Die Geldstrafe einführen, gestaffelt nach Tagessätzen und damit abhängig vom Gehalt des Spielers. Die erste Gelbe kostet einen Tagessatz, die zweite zwei, die dritte drei ... usw. Viel Geld für die Jugendförderung des DFB. Selbst dann, wenn es der Verein zahlt.

Lesen Sie im sechsten und letzten Teil: Absicht oder nicht? Neue Regeln, wenn beim Fußball die Hand im Spiel ist

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.