Statistik zu Transferrekorden Warum Maradona selbst Bale in den Schatten stellt

Was für ein Transfersommer! Real Madrid hat für Gareth Bale 100 Millionen Euro ausgegeben, der Waliser ist nun der teuerste Spieler der Welt. Doch eine SPIEGEL-ONLINE-Analyse der Top-Transfers aus 40 Jahren zeigt: Der Wertvollste ist ein ganz anderer.

AP

Hamburg - Gareth Bale, teuerster Spieler der Geschichte! Der Rekordtransfer des 24-Jährigen von Tottenham Hotspur zu Real Madrid bestimmte in der vergangenen Woche die sportlichen Schlagzeilen, seit Monaten raunte man im europäischen Fußball über den anstehenden Wechsel des Walisers nach Spanien. Als in der Folge auch noch Mesut Özil von Real an den FC Arsenal verkauft wurde, schien der Irrsinn komplett.

Doch ist der Transfer von Gareth Bale tatsächlich so spektakulär? Wurde mit den 100 Millionen Euro wirklich eine Schallmauer durchbrochen? Auf den ersten Blick ja, noch nie hat ein Club mehr Geld für einen Spieler ausgegeben. Doch bei genauerer Betrachtung der Top-Transfers in den vergangenen vier Jahrzehnten (Datenquelle: transfermarkt.de) zeigt sich: Bale ist absolut gesehen zwar der bislang wertvollste Spieler, sein Wechsel ist unter Berücksichtigung verschiedener Parameter aber weniger herausragend, als man annehmen möchte.

Die wirkliche Sensation beansprucht ein anderer für sich. Bis heute reicht kein Spieler an Diego Maradona heran, seine Transfers zum FC Barcelona und SSC Neapel sind noch immer ungeschlagen. Die Grafik zeigt, warum:

Im Jahresvergleich der Teuerste: Maradona hält den doppelten Rekord
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Im Jahresvergleich der Teuerste: Maradona hält den doppelten Rekord

Die Preise für die Top-Transfers sind in den vergangenen 40 Jahren auch unter Berücksichtigung der Inflation um ein Hundertfaches gestiegen, der Abstand zwischen dem teuersten Transfer und Platz fünf im selben Jahr ist dabei aber relativ konstant geblieben - das Gesamtniveau hat sich demnach gehoben. Es gibt allerdings zwei Ausreißer: In den Jahren 1982/1983 und 1984/1985 ragt die Summe des teuersten Wechsels jeweils auffällig hinaus. Top-Transfer in diesen Spielzeiten war jeweils Maradona: Der FC Barcelona ließ sich den Argentinier 12,3-mal mehr kosten als den fünftteuersten Spieler der Saison (acht Millionen Euro). Der SSC Neapel zahlte sogar 16,3-mal so viel (zwölf Millionen).

Im Verhältnis zu den anderen Transfers wurde in vier Jahrzehnten nie mehr Geld ausgegeben als für Diego Maradona. Selbst Bale war "nur" doppelt so teuer wie Mesut Özil, der mit 50 Millionen Euro in diesem Sommer Platz fünf belegt.

Top-Transfers mit 24 Jahren

Noch etwas macht den Bale-Transfer beinahe durchschnittlich: sein Alter. Bale ist 24 Jahre alt und damit im typischen Alter für einen Top-Transfer. Außer ihm waren seit 1973 zehn von 40 Spielern 24, als sie zum teuersten Transfer der Saison wurden - darunter Cristiano Ronaldo, Jürgen Klinsmann, Ruud Gullit oder Dennis Bergkamp.

24 Jahre: Das Alter von 240 Top-Spielern während des Transfers
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24 Jahre: Das Alter von 240 Top-Spielern während des Transfers

Die Grafik verdeutlicht, dass von 1875 ausgewerteten Transfers 240 mit 24 Jahren getätigt wurden, gefolgt von 26 und 25 Jahren. Es gibt allerdings auch Ausnahmen. Wayne Rooney beispielsweise wechselte 2004 als 18-Jähriger für 37 Millionen Euro vom FC Everton zu Manchester United. Der älteste teuerste Transfer ist ebenfalls kein Unbekannter: Cosmos New York zahlte im Jahr 1977 900.000 Euro für Franz Beckenbauer, damit der 31-Jährige von Bayern München über den Atlantik kam.

Das Durchschnittsalter aller Top-50-Spieler der vergangenen 40 Jahre liegt jedoch bei 24,4 Jahren, wie aus der folgenden Abbildung hervorgeht:

24,4 Jahre: Das Durchschnittsalter der Top-Transfers
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24,4 Jahre: Das Durchschnittsalter der Top-Transfers

Erklären lässt sich das womöglich damit, dass die Spieler in diesem Alter kurz vor ihrer höchsten fußballerischen Leistungsfähigkeit stehen und deshalb besonders viele Vereine um ihre künftigen Dienste buhlen.

Offensivspieler am beliebtesten

Vor allem Angreifer stehen bei den Clubs dann hoch im Kurs, Gareth Bale passt also erneut ins seit Jahrzehnten bewährte Transferschema. Als gelernter Flügelspieler ist Bale zwar kein Stürmer im herkömmlichen Sinn, ein Offensivspieler mit gutem Torriecher ist er aber allemal. Mit ihm zusammen gaben die Vereine in den vergangenen 40 Jahren 31-mal das meiste Geld für einen offensiven Spieler aus, für einen Innenverteidiger hingegen nur einmal. Ein Torwart schaffte es nie auf Platz eins - Gianluigi Buffon (54,2 Millionen) wurde in der Saison 2001/2002 gerade noch von Zinédine Zidane überholt, für den Real Madrid 73,5 Millionen Euro zahlte. Die Grafik zeigt die genaue Verteilung.

Mittelstürmer: Die wertvollsten Fußballer
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Am wenigsten überrascht am Bale-Wechsel der Verein, der für ihn eine so große Summe lockermachte. Real Madrid führt die Liste der Top-Transfers seit Jahrzehnten einsam an. Sechsmal zahlten die Königlichen mehr als alle anderen Vereine auf der Welt für einen Spieler, erstmals setzten sie sich 1974/1975 an die Spitze. Für die damals imposante Summe von 1,5 Millionen Euro verpflichteten sie Paul Breitner.

Gefolgt wird Real von Inter Mailand und Manchester United, die je zweimal den wertvollsten Spieler des Jahres kauften. Zwei deutsche Clubs tauchen übrigens auf der Liste auf, der 1. FC Köln und Schalke 04. Schalke kaufte 1975 Branko Oblak für 480.000 Euro von Hajduk, Köln ein Jahr später Roger Van Gool für eine halbe Million Euro vom FC Brügge.

Real Madrid an der Spitze: Kein Club gibt mehr aus
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Wer sich nun wundert, was mit den Besserverdienern unter den Bundesliga-Clubs ist, kann sich mit folgender Statistik trösten: Der FC Bayern München lag in den vergangenen 40 Jahren 17-mal unter den Top Ten der Transfersummen (Platz neun), der Hamburger SV achtmal (Platz 15). Auf dem ersten Rang befindet sich hier, natürlich, einmal mehr Real Madrid, gefolgt vom FC Barcelona.

Zugegeben, die 100 Millionen Euro für Gareth Bale sind außergewöhnlich. Sie sind es, wie die Statistiken zeigen, aber vor allem auf dem Papier. Der Bale-Transfer fügt sich ein in eine Jahrzehnte dauernde Entwicklung. Demnach war es nur eine Frage der Zeit, bis eine Wechselsumme die nächste Stufe erreichen würde. Wir können uns an die vielen Nullen wohl allmählich gewöhnen.



insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
ernsthaft200 09.09.2013
1. Langeweile?
Na, da war es einem statistikbegeistertem SPON-Redakteur aber ganz schön langweilig! Auf die gleiche Art lässt sich doch bestimmt auch belegen, dass die Lebenshaltungskosten heute nur ein Zehntel von 1999 betragen...
Wunderläufer 09.09.2013
2. Nullen?
" Wir können uns an die vielen Nullen wohl allmählich gewöhnen.", jawohl, ich kann mich an die vielen Nullen bei den Entscheidugsträgern und bei den Spielern gewöhnen
dasbeau 09.09.2013
3. Teuer = Wertvoll ?
Teuer scheint für die Autoren das gleiche zu sein wie wertvoll. Bitte nochmal die Wortbedeutung nachschlagen. Ob Bale für Real wertvoll ist oder nicht, kann man zum jetzigen Zeitpunkt z.B. noch gar nicht sagen. Er war teuer, ja, der Wert hingegen wird sich erst noch zeigen.
senfreicher 09.09.2013
4. manmanman...
soviel statistik für die katz. weiss doch jedes kind, dass maradonna nicht mit irdischen massstäben zu messen ist....so ein unfug.
fakuza 09.09.2013
5. Erstaunlich
Manches überrascht mich nicht, etwa dass Stürmer teurer gehandelt werden als Verteidiger. Allerdings finde ich die Berechnungsmethode, den Vergleich zwischen dem teuersten und dem fünftteuersten Transfer, zweifelhaft. Demnach wirkt ein extrem teurer Transfer "normal", nur weil andere Vereine im gleichen Zeitraum ebenso obszöne Summen investiert haben. Aber machen Özils 50 Millionen die 100 Millionen von Bale tatsächlich weniger bedenklich? Und, andersherum: Macht es Maradona tatsächlich zum ewig teuersten Transfer, dass es damals keinen anderen Spieler gab, für den solche Fantasie-Summen bezahlt wurden? Maradona war schlichtweg einer der ersten Spieler mit solchen aberwitzig hohen Transfersummen; heute ist die Situation ganz anders. Wenn Sie heute zwölf Mal mehr für einen Spieler ausgeben würden als für einen anderen, wären Sie im Milliarden-Bereich. Also: Ist das wirklich vergleichbar? Bemerkenswert ist auch, dass der 1. FC Köln und der FC Schalke 04 im Transfer-Irrsinn ganz vorne mitgespielt haben, und nicht der FC Bayern, dem doch so gerne nachgesagt wird, seinen Erfolg ständig und überall nur zusammenzukaufen. Die Statistik zeigt wohl, dass das Um-sich-Werfen mit Geld alles andere als eine Garantie für sportlichen Erfolg darstellt.
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