Fußball-TV-Rechte in Europa Zentralvermarktung als Erfolgsmodell

3. Teil: Italien - Ende der Einzelvermarktung


Italiens Serie A erlöst derzeit 750 Millionen Euro pro Jahr. Bezeichnend an der Einzelvermarktung in Italien ist, dass dort die Vereine der Serie B von den Clubs aus der ersten Liga subventioniert werden (mit jährlich 105 Millionen Euro), da sich beispielsweise in dieser Saison kein Fernsehsender für das Unterhaus interessiert.

Doch auch innerhalb der ersten Liga herrscht ein großes Ungleichgewicht, das für eine Zweiklassengesellschaft in der ersten Liga sorgt. Um dieser Fehlentwicklung entgegenzutreten, steht ab 2010/2011 ein bedeutender Einschnitt in der Fernsehvermarktung bevor. Im vergangenen Jahr hat die Serie A beschlossen, dass die Pay-TV-Rechte ab genannter Spielzeit nicht mehr durch die Clubs, sondern zentral von der Liga vermarktet werden.

Ab 2010 werden die TV-Gelder nach drei Kriterien verteilt: 40 Prozent der Gesamtsumme werden zu gleichen Teilen an die Clubs ausgeschüttet, 30 Prozent nach sportlicher Bedeutung (zehn Prozent aufgrund der Erfolgsgeschichte, 15 Prozent nach Platzierung in den letzten fünf Jahren, fünf Prozent nach Tabellenstand der vorangegangenen Saison). Die restlichen 30 Prozent nach dem Zuschauerpotential.

Der italienische Profifußball rechnet 2010 mit 900 Millionen Euro an Fernsehgeldern - also mit etwa 150 Millionen mehr als heute. Nach dem neuen System müssen die Topclubs mit weniger TV-Geld rechnen: Ende 2005 (vor dem Zwangsabstieg) schloss Juventus Turin noch einen Fernsehvertrag über zwei Spielzeiten mit Silvio Berlusconis Mediaset ab - Erlös: 124 Millionen Euro pro Jahr. Ab 2010 kann Juve nur noch mit Einnahmen von rund 87 Millionen rechnen. Inter Mailand fällt von hundert Millionen Euro jährlich auf 79, Milan bekommt dann nur noch 77 Millionen Euro. Dafür können sich die Vereine am anderen Ende der Tabelle freuen: Siena etwa würde 21 Millionen erhalten, Livorno 23 und Empoli 24 - das ist weit mehr als bislang.

Die zusätzlichen Einnahmen sollen durch eine weitere Auffächerung des Spielplanes möglich werden. Bislang gibt es in Italiens Serie A pro Wochenende fünf verschiedene Anstoßzeiten. Wie in England ist auch hier erst Samstags um 22 Uhr Erstligafußball im Free-TV zu sehen.



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Kurt Kurzweg 11.03.2008
1. falscher Film?
Zitat von sysopDas Bundeskartellamt prüft die zentrale Vergabe der TV-Rechte. Kleine Vereine zittern vor dem Ende der Solidargemeinschaft - Topclubs hoffen auf zusätzliche Millionen. Die Einzelvermarktung der Medienrechte: Zukunfts- oder Auslaufmodell?
Wenn ich die Summen sehe, um die es hier geht, wird mir schwindelig. Und die Schulen in Deutschland haben nicht einmal das Geld, um die Wände ihrer zerbröselnden Turnhallen zu pönen. Gibt es denn nur noch Idioten in Europa, die ihr Geld den Frensehfuzzies hinterherschmeissen, damit die balltretende Millionäre zu Milliardären machen? Ich glaub',ich bin im falschen Film...
Emperor_Norton, 12.03.2008
2.
Zitat von sysopDas Bundeskartellamt prüft die zentrale Vergabe der TV-Rechte. Kleine Vereine zittern vor dem Ende der Solidargemeinschaft - Topclubs hoffen auf zusätzliche Millionen. Die Einzelvermarktung der Medienrechte: Zukunfts- oder Auslaufmodell?
England - Zentralvermarktung, Italien - Einzelvermarktung (wird in 1/2 Jahren aber auf Gesamtvermarktung umgestellt), Spanien - Einzelvermarktung (Anstoßzeiten können oft nur Stunden vor dem Spiel bekannt gegeben werden, Zuschauerzahlen relativ niedrig, Unsicherheit bei Planungen führt zu weniger Attraktivität bei Sponsoren und Auslandsvermarktung). Da Deutschland nur über eine wirkliche Topmannschaft verfügt (anders als Italien oder Spanien) dürften im Ergebnis französische Verhältnisse einkehren. Wie Lyon kann dann Bayern 7 Jahre am Stück Meister werden. Die Attraktivität und Gesamteinnahmen der Bundesliga würden sinken und Bayern wird wie Lyon international nichts mehr reißen - und sich dann darüber beklagen, dass sie international nicht mehr mithalten können weil sie in der Bundesliga nicht gefordert würden.
Polar, 12.03.2008
3.
Zitat von Kurt KurzwegWenn ich die Summen sehe, um die es hier geht, wird mir schwindelig. Und die Schulen in Deutschland haben nicht einmal das Geld, um die Wände ihrer zerbröselnden Turnhallen zu pönen. Gibt es denn nur noch Idioten in Europa, die ihr Geld den Frensehfuzzies hinterherschmeissen, damit die balltretende Millionäre zu Milliardären machen? Ich glaub',ich bin im falschen Film...
Ja, ich geb´s zu, ich bin einer der Idioten, die 20 € im Monat für den Empfang der Buli im TV opfern. Okay, ich werde ab jetzt die 20 €, die ich NACH Steuern und NACH Sozialversicherungsbeiträgen und INKLUSIVE Umsatzsteuer für MEIN Freizeitvergnügen opfere, meinen Lokalpolitikern und der Verwaltung hinterherwerfen, damit die Instandhaltungsarbeiten damit ausführen können. Natürlich können sie damit aber auch weiterhin "Kunstwerke" aufstellen, Haltestellenhäuschen im XXXL-Format bauen, ungenutzte Mitfahrerparkplätze betonieren oder sonstwie jeden Unfug anstellen, der ihnen in den Sinn kommt. Zur Ausgangsfrage: ja, natürlich darf die Zentralvermarktung kein Auslaufmodell sein!!! Spochtliche Grüße Polar
icaros, 12.03.2008
4.
Zitat von Kurt KurzwegWenn ich die Summen sehe, um die es hier geht, wird mir schwindelig. Und die Schulen in Deutschland haben nicht einmal das Geld, um die Wände ihrer zerbröselnden Turnhallen zu pönen. Gibt es denn nur noch Idioten in Europa, die ihr Geld den Frensehfuzzies hinterherschmeissen, damit die balltretende Millionäre zu Milliardären machen? Ich glaub',ich bin im falschen Film...
Ja, mich zum Beispiel, und ich halte mich auch nicht für einen Idioten. Übrigens kein netter Umgangston, den Sie da pflegen. Ich bin nun mal an Fußball interessiert, also zahle ich auch dafür. Zumindest solange es einigermaßen im Rahmnen bleibt. Es wird ja keiner dazu gezwungen, und jeder hat sicher seinen eigene Grenze. Wenn sie nichts für Fußball ausgeben wollen, dann tun sie es halt nicht. Ich kann ihre Aufregung in so fern nachvollziehen, daß ich auch der Meinung bin das so manche Profis zuviel verdienen. Aber die Fußballer sind sicher nicht schuld, wenn in Schulen kein Geld mehr für Wandfarbe da ist. Außerdem kann ich mich auch nicht erinnern das die Bundesliga für Massenentlassungen verantwortlich ist, im Gegensatz zu so manchem angeblichen Top-Manager, der übrigens ein Vielfaches eines Fußballprofis verdient. Auch wenn Sie offensichtlich kein Fußballfreund sind, müssen sie wohl zugeben das Geld durchaus auch schon sinnloser vernichtet wurde. Hier sei vielleicht noch an die aktuelle Bankenkrise erinnert, mit der Kohle hätte man Schulen nicht nur mit Farbe versorgen können sondern wahrscheinlich hunderte neu bauen können. Wie dem auch sei, bitte sparen Sie es sich in Zukunft anders denkende als Idioten zu bezeichenen. Und um nicht zu Off-Topic zu werden: Obwohl ich Bayern-Fan bin sollte man die Zentralvermarktung beibehalten. Die Einzelvermarktung führt letzten Endes dazu, daß die Schere zwischen reichen und armen Vereinen noch weiter auseinander klafft als sie es eh schon tut. Und wenn die großen Vereine irgendwann keine halbwegs konkurrenzfähigen Gegner mehr haben ist niemanden damit gedient. Und ich denke auch das die bayern auch jetzt schon eine Mannschaft haben mit der sie die Champions League gewinnen können, trotz Zentralvermarktung. Also gilkt für mich auch nicht das Argument der internationalen Wettbewerbsfähigkeit.
Polar, 12.03.2008
5.
Zitat von icarosJa, mich zum Beispiel, und ich halte mich auch nicht für einen Idioten. Übrigens kein netter Umgangston, den Sie da pflegen. Ich bin nun mal an Fußball interessiert, also zahle ich auch dafür. Zumindest solange es einigermaßen im Rahmnen bleibt. Es wird ja keiner dazu gezwungen, und jeder hat sicher seinen eigene Grenze. Wenn sie nichts für Fußball ausgeben wollen, dann tun sie es halt nicht. Ich kann ihre Aufregung in so fern nachvollziehen, daß ich auch der Meinung bin das so manche Profis zuviel verdienen. Aber die Fußballer sind sicher nicht schuld, wenn in Schulen kein Geld mehr für Wandfarbe da ist. Außerdem kann ich mich auch nicht erinnern das die Bundesliga für Massenentlassungen verantwortlich ist, im Gegensatz zu so manchem angeblichen Top-Manager, der übrigens ein Vielfaches eines Fußballprofis verdient. Auch wenn Sie offensichtlich kein Fußballfreund sind, müssen sie wohl zugeben das Geld durchaus auch schon sinnloser vernichtet wurde. Hier sei vielleicht noch an die aktuelle Bankenkrise erinnert, mit der Kohle hätte man Schulen nicht nur mit Farbe versorgen können sondern wahrscheinlich hunderte neu bauen können. Wie dem auch sei, bitte sparen Sie es sich in Zukunft anders denkende als Idioten zu bezeichenen. Und um nicht zu Off-Topic zu werden: Obwohl ich Bayern-Fan bin sollte man die Zentralvermarktung beibehalten. Die Einzelvermarktung führt letzten Endes dazu, daß die Schere zwischen reichen und armen Vereinen noch weiter auseinander klafft als sie es eh schon tut. Und wenn die großen Vereine irgendwann keine halbwegs konkurrenzfähigen Gegner mehr haben ist niemanden damit gedient. Und ich denke auch das die bayern auch jetzt schon eine Mannschaft haben mit der sie die Champions League gewinnen können, trotz Zentralvermarktung. Also gilkt für mich auch nicht das Argument der internationalen Wettbewerbsfähigkeit.
Hey Icaros! Ich seh´ schon: zwei Stühle - eine Meinung!
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