Fußball Ungarn lässt wieder Fans ins Stadion

Keine Pappfans oder leere Tribünen mehr: Als erstes europäisches Land erlaubt Ungarn wieder Fußballspiele vor Zuschauern.
Zuletzt spielten Ferencváros Budapest und Debreceni VSC noch vor Pappkameraden. Damit soll nun Schluss sein

Zuletzt spielten Ferencváros Budapest und Debreceni VSC noch vor Pappkameraden. Damit soll nun Schluss sein

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Tibor Illyes/ dpa

Die ungarische Regierung erlaubt ab Donnerstag erstmals seit Ausbruch der Corona-Pandemie wieder Sportveranstaltungen im Freien mit Publikum. Das geht aus einem Regierungserlass hervor, der in der Nacht zum Donnerstag im Ungarischen Amtsblatt erschien. Allerdings müssen auch hier Auflagen erfüllt werden. So muss unter den Zuschauern die Einhaltung eines Mindestabstands von anderthalb Metern gewährleistet sein. Die Wettkämpfe und Spiele müssen außerdem in Arealen stattfinden, die nicht oder nur teilweise überdacht sind.

Für Fußballstadien bedeutet dies, dass praktisch nur jeder vierte Sitzplatz vergeben werden darf, schrieb das unabhängige Portal "444.hu" . Zwischen zwei besetzten Sitzen müssten demnach drei weitere frei bleiben. Auch der unmittelbar hinter einem besetzten Sitz befindliche Platz müsse frei bleiben, um den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand zu gewährleisten.

"Keine weltbewegende Veränderung"

"Hält man sich die bisherigen Besucherzahlen vor Augen, so bedeutet dies keine weltbewegende Veränderung im Vergleich zu früher", schreibt das Portal mit Blick auf die auch schon vorher zumeist leeren Fußballstadien.

Mit dem aktuellen Beschluss ist Ungarns Fußballliga die erste Liga Europas, die Fans nach einer Corona-Pause zurück ins Stadion lässt. In Serbien soll vom 1. Juni an wieder vor Zuschauern gespielt werden, hier mit einem Sicherheitsabstand von einem Meter. Einzig die weißrussische Liga hatte im März den Spielbetrieb mit Zuschauern aufgenommen und steht mittlerweile vor dem 11. Spieltag.

Der ungarische Liga-Fußball war wegen der Corona-Pandemie seit März ausgesetzt. Am vergangenen Wochenende wurde erstmals wieder eine Runde der Ersten Nationalliga gespielt, allerdings noch ohne Publikum. Tabellenführer nach nun 25 von 33 Spieltagen ist Ferencváros TC aus Budapest.

Was die Corona-Statistik verrät – und was nicht

Die offiziell gemeldete Zahl der Infizierten bezieht sich ausschließlich auf mit Labortests nachgewiesene Infektionen. Wie viele Menschen sich tatsächlich täglich neu infizieren und bislang infiziert waren, ohne positiv getestet worden zu sein, ist unklar. Antikörperstudien zeigen, dass es eine erhebliche Dunkelziffer an unentdeckten Infektionen gibt.

Die offizielle Zahl der Toten beschreibt, wie viele Menschen mit dem Virus gestorben sind. In wie vielen Fällen die Infektion ursächlich für den Tod war, lässt sich daraus nicht unmittelbar ablesen. Obduktionsstudien zeigen aber, dass bei den meisten Toten die Covid-19-Erkrankung auch die Todesursache war.

Mehr Informationen dazu, was im Umgang mit Corona-Daten zu beachten ist und welche Quellen der SPIEGEL nutzt, lesen Sie hier.

Die ungarische Regierung hat zuletzt die Aufhebung jener umstrittenen Sondervollmachten eingeleitet, die sie während der Pandemie erhalten hatte. Der rechtsnationale Ministerpräsident Viktor Orbán hatte sich Ende März vom Parlament mit umfassenden Vollmachten ausstatten lassen, um die Pandemie bekämpfen zu können. Der Schritt war international und von der heimischen Opposition heftig kritisiert worden.

Seitdem erließ Orbán weit mehr als hundert Dekrete, die unter anderen den Datenschutz, die Rechte von Arbeitnehmern und die Informationspflichten von Ämtern und Behörden einschränken.

Die Zahl der Neuansteckungen mit dem Coronavirus ging in Ungarn zuletzt zurück. Bis zum Vormittag waren laut der US-amerikanischen Johns-Hopkins-Universität 3816 Menschen nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann. Bislang wurden 509 Tote gemeldet.

sak/dpa
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