Gleiche Bezahlung wie Männer US-Fußballerinnen erkämpfen historischen Tarifvertrag

Die einen sind das erfolgreichste Team der Welt in ihrem Sport, die anderen haben es schon mal ins WM-Halbfinale geschafft. Wer von ihnen besser bezahlt wurde? Wie üblich: die Männer. Damit ist nun Schluss.
Auf den Titel folgt die Gleichberechtigung: Das US-Team bei der WM 2019

Auf den Titel folgt die Gleichberechtigung: Das US-Team bei der WM 2019

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Franck Fife/AFP

Die von Starspielerin Megan Rapinoe angeführten US-Fußballerinnen haben ihren Kampf um Gleichstellung gewonnen. Der Fußballverband der USA sowie die Gewerkschaften der Frauen- und Männer-Nationalmannschaften einigten sich auf einen historischen Tarifvertrag, der allen Spielerinnen und Spielern die gleiche Bezahlung einschließlich Boni garantiert, wie der Verband US Soccer mitteilte.

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Demnach stellen die bis 2028 laufenden Verträge sicher, dass die im Vergleich zu den Männern um ein Vielfaches erfolgreichere Frauen-Nationalmannschaft die gleichen Prämienzahlungen bei Großturnieren wie Weltmeisterschaften erhält sowie generell die gleichen Bezüge wie das Männer-Team. Auch schüttet der Verband einen Teil seiner Einnahmen aus Übertragungen, Ticketverkäufen und Sponsoring zu gleichen Teilen an beide Teams aus.

Damit sind die USA laut Verband das erste Land, wo eine gleiche Bezahlung bei den WM-Boni eingeführt wurde. 2019 hatten sich die australische Männer- und Frauenmannschaft auf gleiche Lohn- und Arbeitsstrukturen, aber nicht auf gleiche WM-Bonuszahlungen geeinigt. Bereits 2017 hatte der norwegische Fußballverband beschlossen, seine Nationalspielerinnen in der gleichen Höhe zu entlohnen wie ihre männlichen Kollegen.

Kinderbetreuung auch für Männer

US Soccer wird den Angaben zufolge die eigenen Prämienanteile der von der Fifa für die kommende WM der Männer (insgesamt 440 Millionen US-Dollar) und die der Frauen (60 Millionen US-Dollar) bereitgestellten Preisgelder zusammenführen, zehn Prozent abziehen – und den Rest zu gleichen Teilen an die 46 Spielerinnen und Spieler weiterreichen. Für den WM-Zyklus 2026/2027 verdoppelt sich der Verbandsanteil vor der Aufteilung auf 20 Prozent.

Die Frauen verzichteten für diesen Deal auf garantierte Grundgehälter, die seit 2005 Teil ihres Tarifvertrags waren. Für einige Spielerinnen waren Jahresgehälter von 100.000 Dollar festgeschrieben worden. Das möge zwar wirken, als habe man etwas verloren, doch »unsere Liga ist tatsächlich stark genug, dass wir nicht mehr so viele garantierte Verträge brauchen, sondern eher ein Pay-to-play-Modell verfolgen können«, sagte Nationalstürmerin Margaret Purce.

Zudem werde die Kinderbetreuung, die für Frauen seit mehr als 25 Jahren gewährleistet ist, auch für Männer während der Trainingslager und Spiele der Nationalmannschaft eingeführt. Frauen und Männer erhalten zudem einen Teil der kommerziellen Einnahmen aus den Eintrittskarten für Spiele, die vom Verband kontrolliert werden, mit Boni für ausverkaufte Spiele, und jedes Team erhält einen Teil der Einnahmen aus Übertragungen, von Partnern und Sponsoren.

»Es ist historisch und ich denke, es wird viele andere Dinge im Sport auslösen, nicht nur in den USA, sondern weltweit«, so Purce. »Aber mein Vater hat mir immer gesagt, dass man nicht dafür belohnt wird, wenn man das tut, was man eigentlich tun sollte – und das ist, Männer und Frauen gleich zu bezahlen«, sagte Purce, die sich auch für gleiche WM-Prämienzahlungen durch den Weltverband Fifa aussprach. »Ich vergebe also keine goldenen Sterne, aber ich bin dankbar für diese Leistung und für all die Menschen, die sich zusammengetan haben, um sie zu ermöglichen.«

Nach jahrelangem Rechtsstreit hatten sich die Fußballerinnen und der US-Verband im Februar auf eine gleiche Bezahlung geeinigt. Danach musste die Übereinkunft aber noch unterzeichnet und von einem Gericht abgesegnet werden. Für den Vergleich stimmten die Spielerinnen zu, auf alle beim Verband noch ausstehenden Ansprüche aus der 2019 eingereichten Klage gegen Geschlechterdiskriminierung zu verzichten.

Die US-Fußballerinnen sind viel erfolgreicher als die Männer, holten bisher viermal Olympia-Gold und vier WM-Titel. Sie wurden aber deutlich schlechter bezahlt. Im März 2019 reichten sie deshalb eine Sammelklage gegen den Verband wegen Diskriminierung ein. Im Mai 2020 waren die US-Frauen noch mit ihrer Klage gescheitert. Ein Gericht wies den Vorwurf der Lohndiskriminierung damals zurück. Doch die Spielerinnen gaben ihren Kampf nicht auf.

sak/dpa/AP