"Unethisch und respektlos" Venezuelas Nationaltrainer bietet Rücktritt an

Weil ein Vertreter von Interimspräsident Guaidó ein Treffen mit Venezuelas Nationalelf politisiert habe, hat Trainer Rafael Dudamel seinen Rücktritt angeboten. Längst beschäftigt die Krise des Landes auch den Sport.
Venezuelas Nationaltrainer Rafael Dudamel (Photo by BENJAMIN CREMEL / AFP)

Venezuelas Nationaltrainer Rafael Dudamel (Photo by BENJAMIN CREMEL / AFP)

Foto: BENJAMIN CREMEL/ AFP

Nach dem 3:1-Überraschungssieg gegen Argentinien hat Venezuelas Nationalmannschaftstrainer Rafael Dudamel unerwartet seinen Rücktritt angeboten. Dudamel wirft Antonio Ecarri, einem Vertreter des selbst ernannten Interimspräsidenten Juan Guaidó, vor, ein Treffen mit Nationalspielern politisch instrumentalisiert zu haben.

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"Ich wundere mich, dass ich immer noch da bin", sagte Dudamel Reportern nach dem Fußball-Länderspiel in Madrid am Freitagabend. "Ich habe meine Aufgaben schon zur Verfügung gestellt. Wir befinden uns in sehr unruhigem Gewässer, weil alles sehr politisiert wird."

Die Nationalmannschaft hatte Ecarri vor dem Spiel empfangen. Leider sei dieses Treffen mit der Mannschaft anschließend von Ecarri in den sozialen Medien verbreitet und politisch aufgeladen worden, sagte Dudamel. Das sei "unethisch und sehr respektlos". Ein Video zeigt, wie Ecarri die Spieler auf die Partie gegen Argentinien einschwört. Der Machtkampf zwischen Staatschef Maduro und Widersacher Guaidó, er scheint längst auch die Sportler Venezuelas zu beschäftigen.

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Nationalmannschaft traf auch Maduro-Botschafter

Er könne nicht danebenstehen, wenn seine Spieler "auf solch respektlose Art" behandelt würden, sagte Dudamel. Deshalb habe er mit Vertretern von Venezuelas Fußballverband gesprochen und seinen Rücktritt angeboten.

Zuvor hatten die Nationalspieler bereits den Botschafter des Präsidenten und Guaidó-Kontrahenten Nicolás Maduro getroffen. "Als Auswahl Venezuelas, die ein Land als Ganzes vertritt, haben wir ihn mit demselben Respekt empfangen", hatte der Verband dazu getwittert.

Venezuela steckt politisch und wirtschaftlich tief in der Krise. Wegen fehlender Devisen kann das südamerikanische Land kaum noch Lebensmittel, Medikamente und Dinge des täglichen Bedarfs importieren. Erst kürzlich hatte ein landesweiter Stromausfall das öffentliche Leben in Venezuela weitgehend lahmgelegt. Es kam zu Plünderungen, die Schäden in Millionenhöhe verursachten.

Für das laufende Jahr rechnet der Internationale Währungsfonds mit einer Inflationsrate von zehn Millionen Prozent und einem Rückgang der Wirtschaftskraft um fünf Prozent. Mehr als drei Millionen Venezolaner haben ihre Heimat bereits verlassen.

Nationaltrainer Dudamel und mehrere Spieler wie Ex-HSV-Profi Tomás Rincón, Salomón Rondón, Jhon Chancellor und Josef Martínez haben bereits öffentlich die sozialistische Regierung von Präsident Maduro kritisiert.

Der venezolanische Fußballverband FVF hingegen hatte seine Funktionäre und Spieler eigentlich dazu aufgerufen, sich aus der politischen Debatte herauszuhalten.

tbe/sid/dpa
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