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21. März 2013, 17:45 Uhr

Fußball-Weltverband

Fifa sperrt sich gegen Reformen

Fifa-Boss Joseph Blatter und die Exekutive des Fußball-Weltverbandes sehen den Reformprozess auf einem guten Weg. Doch nach zweitägiger Sitzung sind wichtige Punkte entweder weiter in der Schwebe oder völlig vom Tisch. Die Ängste der Kritiker scheinen sich zu bestätigen.

Hamburg - Zwei Tage hatte das Exekutivkomitee der Fifa in Zürich zusammengesessen, am Donnerstagnachmittag trat dann Weltverbands-Präsident Joseph Blatter vor die Mikrofone, um zu verkünden: "Unser Reformprozess ist auf einem guten Weg. Wir nähern uns dem Ende. Es liegt jetzt am Kongress auf Mauritius, die Entscheidungen zu fällen."

Festzuhalten bleibt jedoch: Der Prozess stockt, Kernfragen blieben wieder einmal unbeantwortet oder wurden aufgeschoben.

So wird es einen externen Integritäts-Check genauso wenig geben wie unabhängige Personen im engsten Führungszirkel. Und auch die Einführung einer Amtszeit- und/oder Altersbegrenzung für die Fifa-Spitzenfunktionäre ist mehr als ungewiss. Damit hat die von Blatter als Erfolg verkaufte zweitägige Exekutivkomiteesitzung die Befürchtungen der Fifa-Kritiker bestätigt und wenig Hoffnung auf eine tiefgreifende Erneuerung des Fußball-Weltverbandes verbreitet.

Über acht Stunden hatte das Exekutivkomitee am Mittwoch und Donnerstag in Zürich getagt, um die letzten Weichen für die Verabschiedung der nach dem Korruptionsskandal vor zwei Jahren angeschobenen Reform durch den Fifa-Kongress am 30. und 31. Mai auf Mauritius zu stellen. Doch viele ermutigende Ergebnisse hatte Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger als Leiter der Fifa-Statutenkommission nicht zu verkünden.

"Der Ausgang ist offen"

Vielmehr wurde beispielsweise die Entscheidung über eine mögliche Begrenzung der Amtszeit des Präsidenten sowie des Alters für die Mitglieder der Exekutive ohne Empfehlung an den Kongress delegiert. "Die Meinungen in den Konföderationen gehen weit auseinander. Einige sagen ja, andere lehnen das komplett ab. Deshalb wird der Kongress darüber entscheiden. Der Ausgang ist offen", so Zwanziger.

Nichts Anrüchiges findet er dabei, dass die Integrität der Exekutivmitglieder durch ihre eigenen Konföderationen überprüft werden soll - und nicht von externen Personen, für die auch die Tür zum inneren Machtzirkel der Fifa weiter verschlossen bleibt.

Zwanziger betonte, er stimme nicht mit Chefkontrolleur Mark Pieth überein, der sich für die Aufnahme von unabhängigen Personen in die Fifa-Gremien ausgesprochen hatte. "Dann würden sie ihre Unabhängigkeit verlieren. Sie sollen aus der Distanz beobachten", sagte Zwanziger und untermauerte seine Ansicht mit einem Verweis auf die deutsche Politik: "Die Bundeskanzlerin würde sich auch weigern, den Präsidenten des Rechnungshofs und den Obersten Richter des Verfassungsgerichts in ihr Kabinett zu setzen."

Bericht zur ISL-Affäre wird noch geprüft

Dies sei jedoch einer der "ganz wenigen Punkte, die wir nicht erfüllt haben", so Zwanziger. Er bezeichnete die Fifa-Statuten als "modern und aussagekräftig", zudem hoffe er, dass "die Verbände das mittragen und den Reformprozess zu Ende bringen". Pieth hatte in einigen Interviews angekündigt, von seinem Posten zurücktreten zu wollen, sollte das Exekutivkomitee die Mindestforderungen nicht durchwinken und dem Fifa-Kongress zur Absegnung vorlegen.

Weiter auf sich warten lässt der abschließende Bericht der Ethikkommission zur ISL/ISMM-Affäre, in der Millionensummen an hohe Fifa-Funktionäre geflossen waren. Das von Michael J. Garcia, dem Vorsitzenden der Untersuchungskammer, erstellte Papier wird derzeit von Hans-Joachim Eckert, dem Chef der rechtsprechenden Kammer, juristisch geprüft. "Bis zum 15. April sollen das Exekutivkomitee und die Öffentlichkeit informiert werden", kündigte Blatter an.

Immerhin war die mächtige Exekutive zu kleinen Zugeständnissen bereit. Die Vergabe der Weltmeisterschaften soll nach der massiven Kritik an der Wahl Katars für 2022 künftig der Fifa-Kongress vornehmen. Allerdings behält sich das Exekutivkomitee, das bisher über den Ausrichter entschieden hatte, eine Vorauswahl und Reduzierung auf maximal drei Bewerber vor.

luk/dpa/sid

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