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Die Liebe zum eigenen Klub ist für Fußballfans das Größte. Ähnlich prägend ist jedoch die Abneigung gegen den Konkurrenten. Wir haben unsere Leser gefragt: Wer sind die Freunde und Rivalen Ihres Vereins?

Von Tim Pommerenke und Patrick Stotz

Freundschaften und Rivalitäten

Es gibt Dinge, die auf den ersten Blick machbar erscheinen und in Wahrheit doch unmöglich sind. Niemand kann ein Lied summen, während er sich die Nase zuhält. Ein Blatt Papier lässt sich nicht öfter als siebenmal falten. Und ein Fan von Schalke 04 wird nicht bei einem Sieg von Borussia Dortmund jubeln. Königsblau und Schwarz-Gelb stoßen sich ab, mit dieser klaren Polung werden sowohl Schalke- als auch BVB-Fans erzogen.

In Gelsenkirchen findet man außerdem, dass es mit dem 1. FC Nürnberg einen echten Freund im deutschen Fußball gebe. Insgesamt spielen freundschaftliche Verbindungen jedoch für Fans eine deutlich geringere Rolle. Zentraler Teil der Fan-Identität sind die Unterstützung für den eigenen Klub und die Abgrenzung zum großen Rivalen.

Dabei geht es zwischen den beiden Fanlagern meist um die Vorherrschaft in einer Region. Das Duell zwischen den großen Nordklubs, dem Hamburger SV und Werder Bremen, ist älter als die Bundesliga und für beide Fanlager schon immer von enormer Bedeutung. Dabei streitet der HSV nicht nur um die Vormachtstellung in der Region, sondern hat mit dem FC St. Pauli zusätzlich den Rivalen in der eigenen Stadt. Sportlich treffen sich beide Vereine eher selten, die direkte Nachbarschaft, der ständige Kontakt beider Fanlager, hält die Rivalität jedoch stets frisch.

Wir wissen das, weil wir bei SPIEGEL ONLINE in diesem Jahr eine Fanumfrage durchgeführt haben. 30.000 Fußballfreundinnen und Fußballfreunde haben uns verraten, wen sie lieben. Und wen sie hassen. Weitere Hintergründe zu den Daten finden Sie am Ende des Artikels.

Auch in Hessen spielt es keine Rolle, dass Eintracht Frankfurt und Kickers Offenbach sich sportlich seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr begegnet sind. Letztmals spielten sie 2010 im Pokal gegeneinander, in der Liga zuletzt 1984. Dennoch hat sich über Generationen eine intensive Abneigung aufrechterhalten.

Nicht nur örtliche Nähe der Vereine sorgt für Reibungen zwischen den Fans. Am Beispiel des FC Bayern lässt sich gut erkennen, dass auch sportliche Rivalität durchaus ein wichtiger Faktor ist. Zwar hat das Lokalderby für viele Münchner durchaus Bedeutung, als deutlich wichtigerer Konkurrent wird jedoch Borussia Dortmund gesehen, sportlich ärgster Widersacher der vergangenen zwei Jahrzehnte.

Dabei ist die Fokussierung auf den BVB als sportlicher Konkurrent Nummer eins keinesfalls einheitlich. Der junge Ultra wird naturgemäß eine etwas andere Wahrnehmung haben als der ältere Fan auf der Sitztribüne. Denn während der sportliche Wettbewerb zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund eher ein Phänomen der jüngeren Geschichte ist, verweisen altgediente Fans bei der Frage nach dem Rivalen auf Borussia Mönchengladbach, die Zwischengeneration auf den Hamburger SV.

Dass Kaiserslautern und der FSV Mainz 05 als Rivalen in Rheinland-Pfalz empfunden werden, liegt vor allem an der jüngeren Generation. Sportlich begegneten sich beide Vereine nämlich erst seit Mitte der Neunziger intensiver. Auch die Sympathie der Lauterer Fans für den VfB Stuttgart ist eher ein jüngeres Phänomen.

Freunde und Rivalen

Mein Verein

Es lässt sich feststellen: Es gibt für die Gesamtheit der Fans eines Klubs selten nur den einen Verein, der Freund oder Rivale ist. Meist ergibt sich für jeden Klub ein Koordinatensystem, in dem alle Beziehungen zu anderen Vereinen einsortiert werden können.

Zudem muss nicht jede Rivalität auch erwidert werden. Bei den Anhängern des VfL Wolfsburg sieht man sich als Rivale von Hannover 96 und Eintracht Braunschweig. Die beiden übersehen den VfL jedoch meist und sehen sich lediglich in direkter Konkurrenz zueinander. Gleiches gilt für Bayer Leverkusen, die den Nachbarn aus Köln als Rivalen betrachten, während die FC-Fans ihren Blick eher gen Mönchengladbach wandern lassen.

Navigieren Sie mit den Pfeilen über oder in der Auswahl unter der Grafik durch die Vereine. Per Klick auf ein Logo sehen Sie weitere Details zur Verbindung der Klubs.

Freunde und Rivalen

Vorherrschaft nach Region

Ein Blick auf die Deutschlandkarte verrät, dass es den einen dominanten Verein im Land nicht gibt. Lokalpatriotismus spielt bei Fußballfans noch immer eine wichtige Rolle. Versinnbildlicht wird dies durch die Traditionsklubs, die ihre Region fest in der Hand haben. Immer gilt jedoch auch: Je mehr Vereine sich auf einem bestimmten Gebiet sammeln, desto umkämpfter ist das Territorium.

Den Norden teilen sich Werder Bremen, der HSV und Hansa Rostock relativ großflächig auf. Auch im Süden beherrschen Bayern München, der 1. FC Nürnberg und der VfB Stuttgart ganze Landstriche. Doch besonders im Westen ist die Vorherrschaft sehr umkämpft. Im dicht bevölkerten Bundesland Nordrhein-Westfalen balgen sich Schalke 04, der BVB, Borussia Mönchengladbach und der 1. FC Köln um die meisten Fans in der Region.

Schaut man sich die Verteilung der Fans auf der Deutschlandkarte für einzelne Vereine an, erkennt man die Unterschiede zwischen regional und bundesweit beliebten Teams. Ein entscheidender Faktor scheint hier auch der sportliche Erfolg zu sein, wenn man die große Verbreitung der Bayern- und Dortmund-Fans betrachtet. Ähnliches gilt für Schalke, Werder und den HSV, die jedoch gerade im Vergleich zum BVB den Schwerpunkt der Fans in ihrer eigenen Region haben.

Überhaupt lässt sich für die Mehrzahl der Klubs eine starke Verankerung in ihrer Heimatregion feststellen. Die regionale Bindung scheint bei der Wahl des Lieblingsvereins noch immer ein wichtiger Faktor zu sein. Fast alle größeren Vereine strahlen jedoch auch über die eigene Region hinaus. Die Größe des Einzugsgebiets ist dabei stark an den sportlichen Erfolg gekoppelt.

Freunde und Rivalen

Popularität im Wandel der Zeit

Lokalpatriotismus kann ein Faktor bei der Wahl des Lieblingsvereins sein. Doch offenbar haben nicht alle Fans ihren Klub beim Stadionbesuch gefunden. Ein Blick auf die beliebtesten Vereine Deutschlands zeigt, dass die erfolgreicheren Klubs in der Gunst oben stehen - ohne zwingend aus den bevölkerungsstärksten Regionen zu stammen. Dabei unterscheiden sich die Vorlieben von Generation zu Generation oft deutlich.

Der FC Bayern, Schalke 04 und Borussia Dortmund gehören zu den fünf mitgliederstärksten Sportvereinen der Welt und dominieren folglich auch das Ranking der beliebtesten Klubs Deutschlands über Generationen hinweg. Dabei sind die Münchner, der Klub mit den meisten Mitgliedern weltweit, erst bei der Neunziger-Generation zum populärsten Klub Deutschlands aufgestiegen.

Hinter den großen Drei zählen Eintracht Frankfurt, Werder Bremen und der Hamburger SV zu den Klubs, die sich stets großer Beliebtheit erfreut haben. Besonders bei Werder lässt sich gut ablesen, dass die Erfolge der Achtziger eine Generation von (in den Siebziger- und Achtzigerjahren geborenen) Fußballfans für Grün-Weiß begeistert haben.

Der Fanzulauf, den einzelne Vereine erfahren, ist immer stark an die sportlichen Leistungen geknüpft. Gut lässt sich das am Beispiel von Borussia Mönchengladbach ablesen, wo die größten Erfolge bereits ein wenig zurückliegen. Die Fans der Fohlen weisen in unserer Umfrage das höchste Durchschnittsalter auf.



Woher stammen die Daten?

Aus einer Leserbefragung von SPIEGEL ONLINE. Ab dem 29.März 2018 haben wir über zwei Monate hinweg in insgesamt 62 Artikeln unsere Leser nach ihrem Lieblingsverein sowie den ihnen bekannten Rivalen sowie Freunden gefragt. Neben bis zu drei Freundschaften und Rivalitäten konnten die Umfrageteilnehmer optional auch Postleitzahl und Geburtsjahr angeben. Von dieser Möglichkeit haben 56 bzw. 54 Prozent der Teilnehmer Gebrauch gemacht.

Wie viele Nutzer haben an der Umfrage teilgenommen?

Insgesamt haben sich knapp 30.000 Nutzer an der Umfrage beteiligt und knapp 60.000 Rivalitäten und Freundschaften angegeben. Die mehrfache Teilnahme an der Umfrage wurde nicht ausgeschlossen, da einzelne Nutzer durchaus Sympathien für mehrere Vereine haben können oder auch mehr als drei Freundschaften bzw. Rivalitäten kennen können.

Sind die Angaben repräsentativ?

Nein. Zwar deuten Altersverteilung, geografische Verteilung und auch Vielfalt der angegebenen Freundschaften und Rivalitäten darauf hin, dass ein sehr breiter Teilnehmerkreis erreicht werden konnte, eine echte Repräsentativität ist jedoch nicht gegeben.

Warum taucht mein Lieblingsverein in der Auswertung nicht auf?

Als Auswahlmöglichkeiten für den eigenen Lieblingsverein waren in der Umfrage alle Erst- bis Drittligisten der Saison 2017/18 sowie weitere ausgewählte Regionalligisten (mit großer Zuschauerzahl bzw. Historie) hinterlegt. Weitere Vereine konnten zwar als Freund oder Rivale angegeben werden, nicht jedoch als eigener Lieblingsverein. Für die Darstellung in den Grafiken haben wir Mindestteilnehmerzahlen definiert, ab denen wir einzelne Vereine bzw. Freundschaften und Rivalitäten zeigen.

Inspiration

Karten mit der räumlichen Verteilung von Sport-Fans hat die New York Times bereits 2014 veröffentlicht. Zuerst für Baseball, dann für NBA- und College-Basketball. Im deutschsprachigen Raum hat der Tages-Anzeiger eine entsprechende Karte für den schweizer Fußball erstellt. Das Interaktiv-Team der Funke Mediengruppe pflegt eine ähnliche Karte für Deutschland und bietet auch detaillierte Blicke auf Hamburg und Berlin.