Fußball-Wettskandal Wettpate Sapina will Fifa-Referees bestochen haben

Der in den Wettskandal verwickelte Ante Sapina hat vor dem Bochumer Landgericht erklärt, Schiedsrichtern für Spielmanipulationen Geld gegeben und ein WM-Qualifikationsspiel aus der deutschen Gruppe geschoben zu haben. Ihm droht in Kürze eine Anklage.
Tippschein: WM-Qualifikationsspiel in der deutschen Gruppe manipuliert

Tippschein: WM-Qualifikationsspiel in der deutschen Gruppe manipuliert

Foto: DPA

Hamburg - Sapina hat im Prozess um den größten Wettskandal des europäischen Fußballs zugegeben, Schiedsrichter bestochen zu haben. Es soll sich dabei sogar um Fifa-Referees gehandelt haben. Auch ein WM-Qualifikationsspiel in der deutschen Gruppe will der 34-Jährige manipuliert haben.

Dem bosnischen Referee Novo Panic übergab Sapina nach eigenen Angaben 40.000 Euro. Panic sollte bei der Partie zwischen Liechtenstein und Finnland am 9. September 2009 dafür sorgen, dass nach der Halbzeit zwei Tore fallen. "Das wurde auch eingehalten. Er hat einen Elfmeter gepfiffen, der keiner war", sagte Sapina als Zeuge in Bochum: "Man hat gesehen, dass er dazu beigetragen hat, dass die Wette erfolgreich war." Das Spiel der deutschen Gruppe 4 endete 1:1, beide Tore fielen nach der Pause.

Außer Geld soll Panic eine weitere Belohnung bekommen haben. "Er wurde bei der Uefa höhergestuft", sagte Sapina. Zudem behauptet er, der slowakische Uefa-Funktionär Jozef Marko sei mit 50.000 Euro bestochen worden, damit Panic "wichtigere Spiele pfeift". Marko ist weiterhin Mitglied der Uefa-Schiedsrichterkommission.

Eine weitere Manipulation, die Panic beim U21-EM-Qualifikationsspiel Schweiz gegen Georgien am 18. November 2009 (1:0) vornehmen sollte, misslang laut Sapina. "Da habe ich 300.000 Euro verloren", sagte Sapina. Er war bereits vor fünf Jahren als Drahtzieher im Hoyzer-Skandal vom Berliner Landgericht zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt worden.

Sapina nahm wieder Kontakt zu Schiedsrichtern auf

Gleich nach seiner Entlassung im Juli 2008 wettete Sapina wieder auf manipulierte Spiele, teilte sich mit dem zweiten Bochumer Hauptverdächtigen Marijo C. die Bestechungsgelder und nahm selbst wieder Kontakt zu Schiedsrichtern auf. Dem ukrainischen Referee Oleg Orijechow zahlte er nach eigenen Angaben "30.000 bis 50.000 Euro", damit beim Europa-League-Spiel zwischen dem FC Basel und ZSKA Sofia "zwei Tore in der zweiten Halbzeit fallen". Die Partie am 5. November 2009 endete 3:1, zwei Treffer fielen nach der Pause.

Allerdings bezweifelte Ante Sapina bei seiner Aussage am Mittwoch im Zeugenstand, dass der Ukrainer wirklich manipuliert habe. "Die Vorgabe war, dass er in der zweiten Halbzeit einen Elfmeter oder auch zwei pfeifen sollte", berichtete er: "Aber er hat fünf Minuten vor der Halbzeit einen Elfmeter gepfiffen, das war entgegen jeder Absprache, vor allem weil es kein Elfmeter war." Dennoch verbuchte Ante Sapina einen Wettgewinn von rund 150.000 Euro, war sich aber nicht sicher, ob er nicht "über den Tisch gezogen wurde". Panic und Orijechow wurden mittlerweile lebenslang gesperrt.

Sapina, der laut Staatsanwalt Andreas Bachmann "in den nächsten Tagen" angeklagt werden soll, belastete zudem den früheren Bundesliga-Profi Thomas Cichon schwer. Cichon habe beim Zweitligisten VfL Osnabrück maßgeblich an Manipulationen mitgewirkt: "Für mich war Cichon der Wortführer, er war meines Erachtens der Häuptling", sagte Sapina.

Cichon wies erneut alle Manipulationsvorwürfe zurück. "Ich habe nie Kontakt zu Sapina gehabt, weder telefonisch, noch per SMS. Zu 99,9 Prozent habe ich Sapina auch nicht von Angesicht zu Angesicht gegenübergestanden", sagte er dem Radiosender NDR Info und fügte hinzu: "Ich weiß definitiv, dass ich weder die Partie gegen Augsburg noch ein anderes Spiel manipuliert habe."

jar/sid/dpa
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