Fußball-Wettskandal Zockerkönig Sapina spielte um Millionen

Vor dem Landgericht Bochum hat Wettpate Ante Sapina im Zeugenstand angegeben, pro Woche auf ein bis zwei manipulierte Spiele gewettet zu haben. Verdient haben will er dabei trotz eines monatlichen Millionenumsatzes nach eigenen Angaben aber gar nichts.
Medienvertreter im Landgericht Bochum: Gewaltige Dimensionen des Wettskandals

Medienvertreter im Landgericht Bochum: Gewaltige Dimensionen des Wettskandals

Foto: dpa

Hamburg - Wettpate Ante Sapina hat vor dem Bochumer Landgericht die gewaltigen Dimensionen des Fußball-Wettskandals offenbart und den ehemaligen Bundesliga-Profi Thomas Cichon erneut belastet. "Der Umsatz lag bei einer Million Euro im Monat", sagte der 34-Jährige am zwölften Verhandlungstag. "Ich habe am Tag bestimmt 20 bis 30 Wetten gespielt, ein manipuliertes Spiel war ein-, zweimal die Woche dabei."

Bei einzelnen Spielen habe er bis zu 400.000 Euro gewettet. Sapina, der seit November 2009 in Untersuchungshaft sitzt und in Kürze angeklagt werden soll, will trotz seiner Millionenumsätze und der Spielmanipulationen nichts verdient haben. "Mal gewinnt man, mal verliert man", antwortete er auf die Frage, ob er ein reicher Mann geworden sei: "Letzten Endes hat es mir nichts gebracht."

Sapina, der als Drahtzieher im Skandal um den ehemaligen DFB-Schiedsrichter Robert Hoyzer 2005 zu Berühmtheit gelangt war, gilt auch im aktuellen Wettskandal als Schlüsselfigur. Der in der Szene als "Navigator" bekannte Berliner wird von Staatsanwalt Andreas Bachmann als "ein Kopf der Bande" bezeichnet, "er brachte sein Wissen aus dem Hoyzer-Fall mit". Damals war er zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt und im Juli 2008 entlassen worden.

Die Fifa-Schiedsrichter Novo Panic (Bosnien-Herzegowina) und Oleg Orijechow (Ukraine) hat Sapina nach eigenen Angaben bestochen, mit dem ehemaligen Osnabrücker Cichon habe er zwar "nichts Konkretes gemacht", dennoch belastete er den Abwehrspieler am Donnerstag erneut. Er habe Cichon 2009 in einem Fast-Food-Restaurant persönlich getroffen, dabei sei es um Manipulationen der Spiele des Zweitligisten VfL Osnabrück gegangen. "Cichon sollte versuchen, noch mehr Spieler anzuwerben", sagte Sapina, "er hat gesagt, dass er sich umhören wollte."

"20.000 bis 25.000 Euro pro Spieler"

Cichon hatte am Mittwoch in einem Interview mit dem NDR jeglichen Kontakt mit dem mutmaßlichen Haupttäter bestritten. "Ich habe nie Kontakt zu Sapina gehabt, weder telefonisch noch per SMS. Zu 99,9 Prozent habe ich Sapina auch nicht von Angesicht zu Angesicht gegenübergestanden", sagte Cichon, der derzeit in Südafrika bei den Moroka Swallows spielt. Sapina hatte bereits am Mittwoch ausgesagt, dass Cichon das Osnabrücker Zweitliga-Spiel am 17. April 2009 beim FC Augsburg (0:3) manipuliert habe.

Nach dem Treffen in Osnabrück habe er über einen Mittelsmann telefonisch, über Skype und per SMS Kontakt mit Cichon gehalten, behauptete Sapina. Der mutmaßliche Boss der Wettbetrüger hielt Cichon aber nicht für zuverlässig: "Ich habe gesehen, dass ich mich auf ihn nicht wirklich verlassen konnte."

Bei den Kontakten sei es um Beträge von 20.000 bis 25.000 Euro pro Spieler gegangen, sagte Sapina. Weil aber nur zwei Osnabrücker Spieler manipulationsbereit gewesen seien, habe er persönlich keine Manipulation vereinbart. Zuvor hatten bereits der in Bochum angeklagte Nürettin G. und der ebenfalls als Haupttäter geltende Marijo C. Cichon schwer belastet.

jar/sid/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.