Deutschlands zweiter WM-Auftritt Löws Sieg-Strategien gegen Ghana

Vor dem zweiten WM-Spiel stellt sich für DFB-Coach Joachim Löw die Systemfrage: Soll er auf seine Erfolgself setzen? Und kann er überhaupt? Mats Hummels ist angeschlagen, Gegner Ghana hat eine andere Spielanlage. Die Szenarien.

Bundestrainer Löw: "Unser Kader kann auf alles reagieren"
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Bundestrainer Löw: "Unser Kader kann auf alles reagieren"

Aus Fortaleza berichten und


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"Dieser Weg wird kein leichter sein", sang Xavier Naidoo 2006, und der damalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann adaptierte die Liedzeile, um sie zum WM-Motto zu machen. Auf diese Weise sollte der Zusammenhalt in der Mannschaft erhöht werden. Solche plakative Sprüche sollen zudem den Fokus auf ein gemeinsames Ziel richten. Auch das aktuelle DFB-Team wählte für die Weltmeisterschaft in Brasilien ein ähnliches Motto aus.

Co-Trainer Hansi Flick verriet, dass bereits seit dem Trainingslager in Südtirol Plakate mit dem Slogan "Ein guter Anfang braucht Begeisterung, ein gutes Ende Disziplin" das DFB-Team begleiten. Sie hängen in der Kabine, aber auch in Gemeinschaftsräumen.

Im Auftaktspiel gegen Portugal klappte der erste Teil des gemeinsamen Mottos bereits sehr ordentlich: Begeisterung zeigten die DFB-Spieler trotz der hohen Temperaturen in Salvador. Seitdem herrscht bei den Fans des deutschen Teams WM-Euphorie.

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Sieg gegen Portugal: Müller-Show zum Auftakt
Dass der 4:0-Jubelakt auch stark mit einem aus DFB-Sicht günstigen Spielverlauf zusammenhing, ist mittlerweile fast schon in Vergessenheit geraten. Die strittigen Entscheidungen rund um das Elfmeter-Foul an Mario Götze, die keineswegs so klare Rote Karte gegen Portugals Abwehrmann Pepe sowie die ausgelassenen Torchancen von Cristiano Ronaldo und Nani wurden durch den Dreierpack von Thomas Müller neutralisiert.

Keine Garantien für einen Einsatz

"Wir wissen, wo wir stehen und dass wir noch einiges zu tun haben. Das war erst das erste Spiel, wir haben noch keinen Pokal gewonnen", sagte Toni Kroos. Verklärung und kuscheliger Positivismus haben der deutschen Nationalmannschaft bei den vergangenen Turnieren nicht gut getan. Es wirkt derzeit so, als seien alle Spieler und Verantwortlichen sehr bemüht, den Sieg über Portugal so klein wie möglich zu reden. Löw verhindert zudem jeden Höhenflug dadurch, dass er nur wenigen Spielern aus dem Portugal-Triumph eine Garantie für einen Einsatz in der Startaufstellung gegen Ghana erteilt. "Wir schauen natürlich auch auf den Gegner und machen uns Gedanken dazu, wo er Schwachstellen hat. Unser Kader kann auf alles reagieren", sagte Flick.

Auf folgenden Positionen könnte vor dem Ghana-Spiel noch personelle Bewegung entstehen:

  • Innenverteidigung: Mats Hummels ist angeschlagen, konnte seit dem Portugal-Spiel noch nicht mit der Mannschaft trainieren. Aus dem DFB-Stab ist zu hören, dass Hummels es sich selbst zutraut, gegen Ghana aufzulaufen. Das Mannschaftstraining am Freitag soll Aufschluss darüber geben, ob das realistisch ist. Sollte Hummels ausfallen, würde Jérôme Boateng von der rechten Außenbahn ins Zentrum rücken.

  • Außenverteidiger: Die rasche Genesung von Hummels führt dazu, dass Löw noch keine endgültige Entscheidung über die Rolle der Außenverteidiger gefällt hat. Sollte Hummels nicht spielen, könnte Löw sogar von seinem Modell mit vier Innenverteidigern in einer Abwehrkette abweichen und entweder Erik Durm oder Kevin Großkreutz auf links, beziehungsweise rechts beginnen lassen. Beide Dortmunder wurden in dieser Woche deutlich intensiver in die Trainingsabläufe des Teams integriert.

"Ghana hat eine andere Spielanlage als Portugal" sagt Flick und deutete an, dass tiefstehende Außenverteidiger möglicherweise kein geeignetes Rezept gegen die auf ihre Defensive fokussierten Afrikaner darstellten. Ob Löw diese Hinweise aber tatsächlich bereits in seiner Startaufstellung berücksichtigt oder zunächst mit dem siegreichen Konzept und Personal aus dem Auftaktspiel aufläuft, ist noch nicht absehbar. Dafür würde sprechen, dass Löw zuletzt häufiger den Wunsch nach einer eingespielten Abwehrkette geäußert hatte.

Khedira wieder neben Lahm

In der Offensive hat Löw im Portugal-Spiel gute Erfahrungen sammeln können. Seine Taktik, mit kleinen, wendigen Spielern einen recht stabilen Abwehrblock auszuhebeln, funktionierte ausgezeichnet. Die Variante, nach 60 oder 70 Minuten robuste Spieler wie Lukas Podolski, Miroslav Klose oder den dynamischen André Schürrle zu bringen und so für neue Durchschlagskraft gegen einen müde gespielten Gegner zu sorgen, ging ebenfalls auf.

Löw wird in der Offensive personell eher keine Veränderungen vornehmen und auch dem formschwachen Mesut Özil ein weiteres Mal das Vertrauen schenken. Im Sturm ist Thomas Müller nach seinen drei Toren gesetzt, im defensiven Mittelfeld wird Sami Khedira wieder neben Philipp Lahm agieren. Im Laufe des Spiels soll Bastian Schweinsteiger Khedira ablösen.

Unabhängig von personellen Entscheidungen legt Löw gegen Ghana aber einen hohen Wert auf spielerische Geduld. Die Abwehr der Ghanaer gilt als anfällig und im Umschaltspiel inkonsequent.

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matthäuspassion 20.06.2014
1. Lasst sie laufen
Egal in welcher Besetzung D aufläuft, mit ihrer technischen Versiertheit die Kraftpakete aus Ghana zu langen Laufwegen zwingen dürfte Löw miteinplanen. Ansonsten ist Ghana kein Gegner, den man fürchten muss. Die hohe Luftfeuchtigkeit wird sicher ein Rolle fürs Spieltempo spielen, aber in der Regel hilft viel Trinken, so dass die Deutschen nicht unbedingt im Nachteil sind. Klare Sache, denke ich ...
spiegelleser99 20.06.2014
2. Ghana hauen wir weg!
Afrika versagt total bei der WM. Bislang habe ich keinen modernen Fußball aus Afrika gesehen, dazu sind sie taktisch shclecht, undiszipliniert, und egoistisch. Also: tippe mal auf ein weiteres 4:0 für unsere Jungs!
saky10 20.06.2014
3. 11 kleine, wendige Spieler sollt ihr sein...
der Elfer für das Foul an Götze war nicht strittig, die rote Karte ebenso wenig. Hummels mögliches Nichtspielen ist verletzungsbedingt und die Spieleralternativen keine "strategische Entscheidung"... Mann, Mann, Mann... hier wird wieder Drama erzeugt mit Null Informationsgehalt. Zudem sollte der Author noch einmal "Strategie" im Duden nachschlagen!
Ed von Schleck 20.06.2014
4. optional
Bin sehr gespannt, ob Jogi wieder den Taktikhammer auspackt. Für mich bisher der beste Deutsche bei diesem Turnier - hätte ich ihm so nicht zugetraut! Mal schauen, ob er die Form bestätigen kann :-)
der_ba_be 20.06.2014
5. Herr Ahrens, Herr Buschmann
Das Sie den Elfmeter als "strittig" bezeichnen, ist korrekt, ändert aber auch nichts an der richtigkeit der getroffenen Entscheidung. Wie sie jedoch bei Pepes roter Karte auf den Trichter kommen, diese sei "keineswegs so klar" gewesen, wird wohl ihr geheimnis bleiben. Wenn nicht für eine Tätlichkeit (bei der sogar der Versuch strafbar ist) wofür gibt es denn dann eine "klare" Rote Karte? Bei vielen Fouls kann und mag man noch diskutieren (ich erinnere an Silvas rüdes Foul "von hinten") ob nun die gelbe oder rote Karte das richtige Maß darstellen. Bei einem Kopfstoß (und nur dafür hat Pepe mWn den Feldverweis kassiert) kann und darf es aber keine zwei Meinungen geben... Sollten Sie etwas anderes versucht haben auszudrücken, nämlich das Schiedsrichter bei optisch ähnlichen Kopf-an-Kopf Duellen auch mal nur zu "gelb" greifen, hätten Sie das anders formulieren müssen.
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