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Weltfußballverband Fifa: Sepp Blatter und seine Vizes

Foto: Johannes Simon/ Bongarts/Getty Images

Fußball-WM 2018 Fifa prüft Bestechungsvorwürfe gegen Funktionäre

Wer bekommt die Fußball-WM 2018? England, Russland, Belgien/Holland und Spanien/Portugal sind offiziell noch im Rennen. Doch möglicherweise ist alles schon entschieden: Laut "Sunday Times" haben zwei ranghohe Fifa-Funktionäre ihre Stimmen zum Verkauf angeboten.

Fifa

London - Es sind wenige Worte, mit denen die zu ringen hat: "Wenn sie das Geld investieren, ist natürlich klar, dass sie im Gegenzug meine Stimme haben wollen", sagte ein ranghoher nigerianischer Fußballfunktionär bei einem Treffen mit verdeckten Reportern der "Sunday Times". Ein weiterer soll seine Stimme gegen eine Zahlung von drei Millionen neuseeländischen Dollar angeboten haben.

Der Weltfußballverband hat eine Untersuchung zu einem Bericht der britischen Zeitung angekündigt. Dem Artikel zufolge haben zwei Funktionäre den Reportern angeboten, ihre Stimmen bei der Entscheidung über die Fußballweltmeisterschaft 2018 und 2022 zu verkaufen. Die Journalisten filmten einen nigerianischen Funktionär und einen ranghohen Mitarbeiter des Fußballverbandes Ozeaniens dabei, wie sie Geld für bestimmte Projekte forderten.

Die Reporter hatten sich als Lobbyisten für ein Konsortium amerikanischer Firmen ausgegeben, die angeblich die Weltmeisterschaft in die USA holen wollten. Insgesamt sprachen sie mit sechs Fifa-Offiziellen, die entweder immer noch für den Verband tätig sind oder in der Vergangenheit für ihn tätig waren.

Die beiden gefilmten Männer gehören zu den 24 Mitgliedern des Fifa-Ausschusses, der am 2. Dezember in Zürich in geheimer Abstimmung über die Gastgeberländer für die Meisterschaften 2018 und 2022 entscheidet.

Die Aufnahmen zeigen den nigerianischen Funktionär, wie er erklärt, er wolle 800.000 Dollar für vier Kunstrasenplätze in Nigeria. Als Gegenleistung bietet er "eine Garantie", bei der Entscheidung über den Austragungsort der WM 2018 für die USA zu stimmen. Für 2022 seien die USA allerdings nur seine zweite Wahl - er habe "sein Wort schon einem anderen Land gegeben", erklärte er.

Drei Millionen neuseeländische Dollar für eine Stimme

Bei einem ersten Treffen mit den Reportern in London sagte der Mann laut dem Video, das Geld solle an ihn persönlich ausgezahlt werden. Bei einem zweiten Treffen in Kairo wurden weitere Details besprochen. Demnach sollten die Zahlungen über einen Verwandten des Mannes, der ein Unternehmen in Europa betreibt, abgewickelt werden.

Der zweite Funktionär forderte laut "Sunday Times" bei einem Treffen in Auckland drei Millionen neuseeländische Dollar für eine Fußballakademie. Zwei Unterstützer anderer Länder hätten ihm schon zehn und zwölf Millionen Dollar für seinen Verband angeboten, sagte er.

Der US-Fußballverband betonte in einer Erklärung, dass er nichts mit dem Fall zu tun habe. Für die weitere Untersuchung sei allein die Fifa zuständig. Der Weltverband erklärte, das Vergabeverfahren werde ohnehin genau überwacht. Jetzt warte man auf die Unterlagen zu dem Zeitungsbericht.

Im Rennen um die WM 2022 sind außer den USA noch Australien, Japan, Südkorea und Katar. Für 2018 gibt es vier Bewerbungen aus Europa: England, Russland sowie die gemeinsamen Bewerbungen von Belgien und Holland sowie Spanien und Portugal. Die USA hatten ihre Bewerbung für 2018 in der vergangenen Woche zurückgezogen. Die Gespräche der Reporter mit den Funktionären haben vor dem Rückzug der USA stattgefunden.

"Mitgliedern ist es untersagt, Dritte zu bestechen"

Die Fifa ist bereits mehrfach mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert worden. England fürchtet, bei der Entscheidung über die WM 2018 benachteiligt zu werden. In der vergangenen Woche hatte Premierminister David Cameron Fifa-Präsident Sepp Blatter in der Downing Street empfangen.

Die "Sunday Times" zitiert weitere Exekutivkomitee-Mitglieder, die warnten, Englands Chancen seien begrenzt, wenn es die Funktionäre nicht besteche. England habe viele Vorteile, die für die Austragung der WM sprächen, aber es "mache keine Geschäfte", wird eine nicht namentlich genannte Quelle zitiert.

Ein weiterer ranghoher Fifa-Funktionär riet den Reportern: "Der beste Weg, um die Stimme zu sichern, ist es, dem Mitglied selbst zu überlassen, was es mit dem Geld machen will." Außerdem riet man den Journalisten, keine "Peanuts" anzubieten, sondern nur Summen ab einer Million Pfund.

Laut den Regeln der Fifa ist es sowohl Ländern, die sich als Austragungsort bewerben als auch den Funktionären verboten, mit den Stimmrechten zu handeln. In den ethischen Grundsätzen der Fifa heißt es: "Mitgliedern ist es untersagt, Dritte zu bestechen, um eigene Vorteile zu erzielen." Die beiden gefilmten Funktionäre wollten sich auf Anfrage der "Sunday Times" nicht zu den Vorwürfen äußern.

han/dpa/sid/dapd
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