Germany's next WM-Kader Leider haben wir heute ein Foto für dich

Auch bei der Vorstellung des erweiterten WM-Kaders für Russland war dieses Thema unumgänglich: Der PR-Fototermin, bei dem Özil und Gündogan mit Erdogan posierten.
Joachim Löw (l.), Reinhard Grindel

Joachim Löw (l.), Reinhard Grindel

Foto: PATRIK STOLLARZ/ AFP

Reinhard Grindel saß 14 Jahre lang für die CDU im Deutschen Bundestag. Er versteht es also, Antworten auf Fragen zu geben, die gar nicht gestellt wurden.

Grindel, heute Präsident des Deutschen Fußball-Bunds (DFB), antwortete: "Es wäre wünschenswert gewesen, wenn es dieses Foto nicht gegeben hätte." Die Frage hatte gelautet: "Wäre es nicht besser gewesen, wenn auch Ilkay Gündogan und Mesut Özil wie Emre Can das Treffen mit Erdogan abgesagt hätten?"

Das Foto. Der DFB wusste, dass jenes Foto, das zwei deutsche Nationalspieler und den türkischen Staatspräsidenten zeigt, noch brennender interessieren würde als die Frage, ob Manuel Neuer in den vorläufigen WM-Kader Deutschlands berufen wird. Es war daher geschicktes PR-Management, dass Grindel am Dienstag gleich zu Beginn der zähen Veranstaltung im Dortmunder Fußballmuseum von seinem Pressesprecher dazu befragt wurde.

"Menschen können Fehler machen, aber wir müssen das Maß wahren", sagte Grindel. Bei jeder Gelegenheit wies er auf den Schaden hin, den die Integration in Deutschland nehmen könne. "Das Problem bei der Aktion in London war: Das Trennende ist wieder hoch gekommen."

"Ein bisschen Verständnis zeige ich auch"

Das Foto. Die Aktion. Der Fehler. Das Bemühen, Gündogan und Özil wie naive Fußballer hinzustellen, mit denen nun ein ernstes Wort gesprochen werde - dann sei die Sache erledigt -, war deutlich zu spüren. Die Möglichkeit, dass die beiden Spieler bewusst mit Erdogan aufgetreten waren, um Wahlwerbung zu betreiben, wurde tabuisiert.

Auch Joachim Löw sprach von einem "Fehler", über den es zu reden gelte. Aber: "Ein bisschen Verständnis zeige ich auch, weil bei Spielern mit Migrationshintergrund zwei Herzen in einer Brust schlagen", sagte der Bundestrainer. Bemerkenswert ist: Löw, Gündogan und Özil sind Klienten derselben Beratungsfirma. Sie war für SPIEGEL ONLINE bislang zu keiner Stellungnahme zu erreichen, unter welchen Umständen die Einladung zu der Veranstaltung mit Erdogan zustande kam.

Emre Can sagte sie jedenfalls nach Informationen der Zeitung "Welt"  ab. Der Name des ebenfalls türkischstämmigen Profis vom FC Liverpool fehlt auf der Liste der 27 Spieler, die in den vorläufigen Kader berufen wurden. Can habe seit März wegen einer Verletzung nicht trainieren können, begründete Löw den Verzicht. So wird nur Toni Kroos von Real Madrid später in das Trainingslager des DFB nach Südtirol reisen, das am 23. Mai beginnt.

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Erweiterter DFB-Kader: Das ist das Team von Joachim Löw

Foto: Friso Gentsch/ picture alliance / Friso Gentsch/dpa

Es gehört wenig Fantasie dazu, dass jede Bewegung von Manuel Neuer ab diesem Tag gedeutet wird. Seit September 2017 ist der Torhüter ohne Einsatz. Löw berief ihn trotzdem, zur Sicherheit aber auch noch drei andere Torhüter. Nur wenn Neuer am 2. Juni in Österreich den Test bestreiten könne, werde es für das Turnier in Russland reichen, so der Bundestrainer. Dass Löw den möglichen Einsatz als die dringend geforderte "Spielpraxis" bezeichnete, zeigt seinen guten Willen, die Entscheidung zumindest noch hinauszuzögern.

Neuer war einer der ersten, deren Bild nach der Veranstaltung an die Fassade des Museums geklebt wurde. Ein paar Zuschauer im Liegestuhl schauten den zwei Arbeitern dabei zu. In den Zeiten ohne Internet hätte es ein "Ah" und "Oh" gegeben, als ein Profi des SC Freiburg plötzlich von der Wand blickte. So aber wussten schon alle Bescheid.

Deutsches Fußballmuseum

Deutsches Fußballmuseum

Foto: Alex Grimm/ Bongarts/Getty Images

Der David Odonkor des Jahres 2018

Es ist Nils Petersen, der David Odonkor der 2018er-Ausgabe des WM-Castings. Der Angreifer wurde von Löw als "sehr guter Joker" gelobt, der "immer sofort da" sei. Von den 15 Saisontoren, die der Bundestrainer ebenfalls hervorhob, schoss Petersen allerdings nur eines nach einer Einwechslung. "Ich habe das Gefühl, dass Nils an der Aufgabe wächst", sagte Löw, der sich häufig und gerne von seinen Gefühlen leiten lässt. Wichtig sei ihm auch die soziale Komponente: "Es ist elementar, auch ein stimmiges Team zu haben."

Sandro Wagner, der gerne auch öffentlich seine Ansprüche formuliert, fand dagegen keinen Platz im Kader. Dabei hatte er den Bonus, beim Confed Cup dabei gewesen zu sein. Davon profitierte vermutlich Marvin Plattenhardt, der bei Hertha BSC spielt - und das Glück hat, linker Verteidiger zu sein.

Das Angebot auf dieser Position ist gering, im Gegensatz zum Mittelfeld. Da fehlt ein Mario Götze, der Deutschland 2014 im Finale gegen Argentinien zum WM-Titel schoss. "Er hatte wahrlich keine gute Saison", sagte Löw, der in den vergangenen Jahren auch gerne etwas länger an verdienten Spielern festhielt, als es die Leistungen hergegeben hätten.

Ein Lukas Podolski fehlt allerdings in der 2018er-Ausgabe. Benedikt Höwedes, Shkodran Mustafi und auch André Schürrle fehlen auf der Fassade. Im vorläufigen Kader finden sich neun Weltmeister von Brasilien. Einer davon ist Manuel Neuer.

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