Fußball-WM Kamerun streikt - England gewinnt Skandalspiel

Beim Viertelfinaleinzug der Engländerinnen gab es minutenlange Diskussionen nach Entscheidungen gegen Kamerun. Erinnerungen wurden wach an einen Klassiker der WM-Geschichte.
Sie wollen nicht weiterspielen - Kameruns Diskussionsbedarf nach dem 2:0

Sie wollen nicht weiterspielen - Kameruns Diskussionsbedarf nach dem 2:0

Foto: Robert Cianflone/Getty Images

England hat in Valenciennes sein WM-Achtelfinale gegen Kamerun 3:0 (2:0) gewonnen. Die Tore erzielten Kapitänin Steph Houghton (15. Minute), Ellen White (45.+3), und Alex Greenwood (58.). Nach dem zweiten Treffer der Engländerinnen kam es zu kuriosen Szenen.

Als das Spiel beim Stand von 1:0 für England dem Halbzeitpfiff entgegen plätscherte, gab es plötzlich große Aufregung: Ellen Whites Treffer nach tollem Zuspiel von Lucy Bronze (45.+3) hätte fast keine Anerkennung erfahren, da die Linienrichterin nach Abschluss der Aktion eine Abseitsstellung anzeigte - Videoschiedsrichter Bastian Dankert überstimmte sie jedoch richtigerweise und der Treffer zählte.

Erinnerungen an 1982

Das brachte die Spielerinnen aus Kamerun gegen die Unparteiische Qin Liang auf. Minutenlang weigerten sie sich, den Wiederanpfiff auszuführen und Erinnerungen wurden wach an die Männer-WM 1982 und die Partie Frankreich gegen Kuwait. Damals fühlte sich der Außenseiter ebenfalls benachteiligt und Scheich Fahid al-Ahmad as-Sabah drohte mit Spielabbruch - damals knickte der Schiedsrichter ein und annullierte den Treffer, Qin blieb standfest. Kameruns Kapitänin Aboudi Onguéné konnte ihre Kolleginnen schließlich zum Weiterspielen bewegen.

Zuvor hatte England wie bereits in den Gruppenspielen gegen Schottland und Japan in den ersten 15 Minuten der Partie getroffen. Großzügige Mithilfe leistete dabei Kameruns Torhüterin Annette Ngo Ndom, die die Rückgabe einer Mitspielerin unbedrängt mit der Hand aufnahm. Schiedsrichterin Qin gab indirekten Freistoß, den Houghton an sämtlichen gegnerischen Feldspielerinnen auf der Torlinie vorbei im Tor unterbringen konnte.

Eine gegen alle: Steph Houghton mit dem 1:0

Eine gegen alle: Steph Houghton mit dem 1:0

Foto: Marc Atkins/Getty Images

Nach Wiederanpfiff ging das Drama für Kamerun weiter: Die eingewechselte Njoya Ajara traf vermeintlich zum 1:2 - doch auch hier wurde der Treffer zurecht wegen einer - wenn auch knappen - Abseitsstellung nicht anerkannt. Erneut gab es langwierige Diskussionen, bei der vermeintlichen Torschützin flossen Tränen.

Kurz darauf vergab die ebenfalls neu ins Spiel gekommene Alexandra Takounda Sekunden nach ihrer Einwechslung den Anschlusstreffer. Sie scheiterte freistehend vor Karen Bardsley (54.). Kamerun drückte, England traf: In der 58. Minute traf Verteidigerin Alex Greenwood mit einer schönen Direktabnahme nach einer Ecke. Die Entscheidung im Stade du Hainaut.

England trifft im Viertelfinale auf Norwegen, das Australien im Elfmeterschießen bezwingen konnte. Die Partie findet am 27. Juni (21 Uhr, Liveticker: SPIEGEL ONLINE) in Le Havre statt.

England - Kamerun 3:0 (2:0)
1:0 Houghton (15.)
2:0 White (45.+3)
3:0 Greenwood (58.)
England: Bardsley - Bronze, Houghton, Bright, Greenwood - Walsh, Kirby, J. Scott (78. Staniforth) - Parris 84. Williamson), White (64. Taylor), Duggan
Kamerun: N. Ndom - Leuko, A. Ejangue (64. Sonkeng), Johnson, M. Awona - Njoya Ajara, Abam (68. Abena), Feudjio, Yango, Aboudi Onguéné - Enganamouit (53. Takounda)
Schiedsrichterin: Qin (China)
Gelbe Karten: - / Leuko, Takounda

mfu
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