Halbfinalsieg gegen Schweden Niederlande sichern sich den zweiten Platz

Europameister Niederlande hat das Finale der WM in Frankreich erreicht und sollte die 90 Minuten des Endspiels genießen. Eine Chance auf den Titel werden sie gegen die USA nicht haben.

Jackie Groenen nach ihrem ersten Turniertor
Franck Fife/AFP

Jackie Groenen nach ihrem ersten Turniertor

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Die Erkenntnis des Spiels: Der WM-Turnierbaum ist eine schief gewachsene Pflanze. Während sich auf der einen Seite die USA, England und Frankreich im Hochniveaubereich bespielten, ruckelte und wackelte es auf der anderen bei Schweden, Niederlande, Italien und Deutschland. Die Niederlande stehen nun im Finale, werden dort chancenlos sein und dürfen sich bei der zweiten WM-Teilnahme überhaupt über den Titel des Vizeweltmeisters freuen. Sari van Veenendaal, Jackie Groenen und dem Turnierbaum sei Dank.

Das Ergebnis: Europameister Niederlande hat Deutschland-Bezwinger Schweden in Lyon 1:0 nach Verlängerung besiegt und trifft im Finale der Fußball-WM 2019 auf die USA, die sich 2:1 gegen England durchgesetzt hatten. Hier geht es zum Spielbericht.

Die erste Hälfte: Vom Anpfiff weg verpuffte der Matchplan der Niederländerinnen, wie auch immer er ausgesehen haben mag. Schweden setzte wie beim Viertelfinalsieg gegen Deutschland auf Konter, hatte aber erkannt, dass dieses Mal mehr Gefahr aus dem Mittelfeld drohte als bei der DFB-Elf. Dementsprechend attackierte man höher, um den technisch starken Aufbauspielerinnen die Luft zum Atmen zu nehmen. Das funktionierte prächtig. Die Niederländerinnen setzten ihre drei starken Stürmerinnen kein einziges Mal in Szene, Schweden vermied Standardsituationen und kam selbst zur besten, weil einzigen Chance der ersten 45 Minuten: nach Traumpass von Sofia Jakobsson musste Hollands Torfrau van Veenendaal gegen den Schuss aus halbrechter Position von Stina Blackstenius ihre ganze Klasse aufbieten (13. Minute). Mehr war nicht.

Flach statt tief: Während Teams wie die USA und England die ganze Tiefe ihres Kaders in diesem Turnier ausgenutzt haben, blieb Hollands Trainerin Sarina Wiegmann bis auf kleine Anpassungen beim vertrauten Personal. Ein Ansatz, der wohl auch der mangelnden Klasse des Kaders geschuldet ist. Gegen Schweden kam Lineth Beerensteyn nach fünf Einwechslungen zu ihrem ersten Startelfeinsatz - und einer Sonderaufgabe: Bei gegnerischem Ballbesitz verfolgte sie die aufrückenden Skandinavierinnen bis zum eigenen Sechzehner. Nachteil: Nach vorne war der Weg dann aber selbst für die schnelle Spielerin des FC Bayern zu weit.

Sari van Veenendaal guckt den Ball an den Pfosten
Laurent Cipriani/AP

Sari van Veenendaal guckt den Ball an den Pfosten

Die zweite Hälfte: Pfosten hier, Latte da: Erst lenkte van Veenendaal einen Schuss von Nilla Fischer mit den Fingerspitzen an den Pfosten (56.), dann sorgte Hedvig Lindahl dafür, dass der Kopfball von Vivianne Miedema nur am Gebälk landete (63.) - zwei großartige Paraden! Das war's dann aber auch schon wieder in einer Partie, die sich über 90 Minuten anfühlte wie eine Begegnung zwischen Schalke 04 und Schalke 04. Den leichten Grusel beim Lesen müssen Sie jetzt aushalten. 30 Minuten extra.

Die Verlängerung: Die Ex-Frankfurterin Groenen, die wie ihr großes Vorbild Johan Cruyff mit der Nummer 14 spielt, schoss in der 99. Minute aus 20 Metern halbrechter Position ins linke Eck. Dieses Mal war Lindahl chancenlos. In der Nachspielzeit musste Kosovare Asllani nach minutenlanger Behandlungszeit mit stabilisiertem Nacken vom Feld getragen werden. Der Applaus zu ihrer Aufmunterung war der wichtigste des Abends.

Jubelnde Niederländerinnen
Franck Fife/AFP

Jubelnde Niederländerinnen

Bloodworth gegen Blackstenius: Klingt wie ein kuttenbejubelter und kultischer Gitarrenband-Zweikampf auf einer Heavy-Metal-Bühne in den frühen Neunzigerjahren, war aber nur das schöne Nachnamenduell zwischen niederländischer Verteidigerin und schwedischer Angreiferin. Schade eigentlich.

Die Schlussakkorde: Die Niederlande trifft nun am Sonntag um 17 Uhr auf die USA (Liveticker SPIEGEL ONLINE), deren Spielerinnen sich schon ein paar neue Jubelgesten ausdenken dürfen. Zu deutlich der Niveauunterschied zwischen beiden Teams und nicht einmal ein Trauma wie das US-amerikanische Olympia-Aus 2016 gegen Schweden können die Niederländerinnen für sich ins Feld führen. Peter Gerhardssons Team begegnet im Spiel um Platz drei am Samstag (17 Uhr) England.

Niederlande - Schweden 1:0 (0:0) n.V.
1:0 Groenen (99.)
Niederlande: van Veenendaal - van Lunteren, van der Gragt, Bloodworth, van Dongen - Groenen, van de Donk, Spitse - Beerensteyn (71. van de Sanden), Miedema, Martens (46. Roord)
Schweden: Lindahl - Glas, Fischer, Sembrant, Eriksson (111. Andersson) - Rubensson (79. Zigiotti), Asllani, Seger - Jakobsson, Blackstenius (111. Larsson), Hurtig (78. Janogy)
Schiedsrichterin: Beaudoin (Kanada)
Gelbe Karten: van de Donk, Spitse / Zigiotti
Zuschauer: 48.452



insgesamt 25 Beiträge
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klapo 04.07.2019
1. Jou, null Chance
Genau wie 2016 Portugal auf der angeblich schwächeren Seite des Herren EM Turnierbaumes. Irgendwie ins Finale getaumelt, hatten sie dort gegen Frankreich, das sich gegen den amtierenden Weltmeister Deutschland durchgesetzt hatte, ja auch keine Chance. Oder?
bran_winterfell 04.07.2019
2. überheblich
"Eine Chance auf den Titel werden sie gegen die USA nicht haben. " - wenn die Spielerinnen der USA genauso denken, wird es hoffentlich ein spannendes Endspiel.natürlich haben die Amerikaner ein gutes Team, aber dieses hochjubeln in den letzten paar Artikeln hier finde ich ziemlich nervig.von daher drücke ich unseren Nachbarland die Daumen :-)...
jujo 04.07.2019
3. ...
1.Halbfinale zwei starke Mannschaften. 2. Halbfinale dagegen zwei schwache Mannschaften. Oder auch 1.Liga und 3.Liga
klima66 04.07.2019
4. Ist es noch Arroganz oder schon Beleidigung?
Lieber Autor, die Niederländerinnen sollen sich also über Platz 2 freuen bevor das Endspiel gespielt wurde. Weil sie ja eh verlieren? Dass es schwer wird ist klar - aber möglich ist Alles. Hätten sie das bei einer Männer WM auch geschrieben wenn z.B. Togo gegen Spanien im Finale steht? Sorry, für mich ist das niveaulos!
hooge789 04.07.2019
5. Kristallkugel
Der Author des Artikels scheint ein großer Experte zu sein, denn er weiß schon im voraus, dass die USA gewinnen. Es hätte auch gereicht wenn er die USA als großen Favoriten beschrieben hätte. Warten wir es ab. Möge die bessere Mannschaft gewinnen.
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