Frankreichs WM-Auftaktsieg Reine Kopfsache

Für Gastgeber Frankreich war es zum Auftakt ein lockerer Aufgalopp, für die erhoffte WM-Stimmung im Land ein optimaler Start. Die beste Französin war dabei auch die größte.

Wendie Renard mit einem Gruß an die Fans
Ian Langsdon / epa

Wendie Renard mit einem Gruß an die Fans

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Szene des Spiels: In der Nachspielzeit der ersten Hälfte musste Wendie Renard nach einer Ecke nicht mal richtig hochspringen, um das 3:0 erzielen. Gegen die 1,87 Meter große Abwehrspielerin war für die körperlich kleineren Südkoreanerinnen in der Luft nichts zu holen. Renard hatte Frankreich schon in der 35. Minute - ebenfalls per Kopf - mit 2:0 in Führung gebracht.

Das Ergebnis: Frankreich hat das Eröffnungsspiel der Fußball-WM der Frauen gegen Südkorea mit 4:0 (3:0) gewonnen. Hier geht's zum Spielbericht.

Erste Hälfte: Die Équipe de France de football féminin setzte den Gegner von Beginn an unter Dauerdruck und kam im Minutentakt in die Nähe des gegnerischen Strafraums. Nach gerade neun Minuten gingen die Gastgeberinnen in Führung. Nach einem Ballverlust Südkoreas traf Eugénie Le Sommer nach Vorarbeit von Amandine Henry unhaltbar unter die Latte. In der Folge ließen die Französinnen es etwas ruhiger angehen, dominierten die Partie aber weiterhin klar. Mit 3:0 Toren, 17:0 Torschüssen und 11:1 Ecken ging es in die Pause.

Rekord-Sommer: Le Sommer hat mit ihrem Führungstor nicht nur das früheste Tor in einem WM-Eröffnungsspiel geschossen, sondern auch das fünfte Mal in Folge im ersten Turnierspiel Frankreichs ein Tor erzielt.

Zweite Hälfte: Nach Wiederanpfiff zeigte Südkorea sich stabiler, auch weil Frankreich nicht mit so viel Verve loslegte wie noch zu Spielbeginn. Die Gastgeber konnten zwar bis zum Strafraum relativ ungestört kombinieren, dort bauten die Südkoreanerinnen aber ein Abwehrbollwerk auf. Zu Torgelegenheiten kamen die Französinnen dennoch. Südkorea hatte in der 78. Minute immerhin eine richtig gute Chance, aber Lee vergab kläglich. Frankreich zeigte noch einige interessante Eckball-Varianten und erzielte in der 85. Minute durch Amandine Henry das 4:0.

Spielerin des Spiels: Wendie Renard erzielte nicht nur zwei Tore, auf sie flog nahezu jeder hohe Ball in Nähe des gegnerischen Strafraums. Nicht, dass ihre Teamkolleginnen nicht auch am Boden klar überlegen gewesen wären. Auch das wegen Abseits korrekterweise nicht gegebene vermeintliche 2:0 durch Griedge Mbock Bathy hatte Renard per Kopf vorbereitet. Die 28-Jährige hat zehn ihrer letzten elf Tore mit dem Kopf erzielt.

Langeweile nur für Eine: Frankreichs Torfrau Sarah Bouhaddi hatte lange nichts zu tun. Ihr Anteil am dritten Zu-Null-Sieg im dritten WM-Duell gegen Südkorea (2003 1:0 in der Gruppenphase, 2015 3:0 im Achtelfinale) lässt sich also schwer beziffern. In der 64. Minute musste sie das erste Mal eingreifen, fing eine Flanke ab. Bei der größten Chance für Südkorea durfte Bouhaddi sich nicht auszeichnen. Lee schoss frei vorm Tor daneben.

Drei für die Nummer drei: Kim Min-Jung ist eigentlich die dritte Torhüterin bei Südkorea. Da aber beide Kolleginnen verletzt ausfallen, kam Kim zu ihrem vierten Länderspiel. Bei den drei Gegentoren in der ersten Hälfte war sie ebenso machtlos wie beim Treffer kurz vor Schluss. Insgesamt zeigte sie eine ordentliche Partie, hielt, was zu halten war. Südkoreas Niederlage hätten wohl auch Torhüterin Nummer eins und zwei nicht verhindern können.

VAR-Premiere: Nach den Herren im vergangenen Jahr wird nun erstmals auch bei einer WM der Frauen der Video-Schiedsrichterassistent eingesetzt. Einmal griff er ein. Das vermeintliche 2:0 durch Griedge Mbock Bathy in der 27. Minute wurde überprüft und aberkannt. Es dauerte zwar fast drei Minuten, bis im VAR Room eine Entscheidung gefallen war, aber als sie dann kam, war sie korrekt. Verrückterweise versuchten die Französinnen gar nicht erst, minutenlang auf Schiedsrichterin Claudia Umpierrez aus Uruguay einzureden. Die müssen noch viel lernen.

Alors on danse: Die Stimmung war großartig im mit 45.261 Zuschauern ausverkauften Parc des Princes. Nur nach dem aberkannten Tor war es kurz leiser im Stadion. In der zweiten Hälfte funktionierte dann sogar die La-Ola-Welle. Im Vorfeld der Partie war in Paris noch wenig von WM-Stimmung zu spüren gewesen. Wenn der Gastgeber aber weiter so begeisternd spielt - und es im späteren Turnierverlauf wahrscheinlicher wird, dass erstmals der aktuelle Weltmeister der Männer und der Frauen aus einem Land kommen - dann könnte dieses Team eine WM-Euphorie entfachen. Also in Frankreich.

Anmerkung: In einer früheren Version des Textes stand, dass Wendie Renard die Führung für Frankreich erzielt hat. Wir haben die Textstelle korrigiert.



insgesamt 7 Beiträge
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konglele 08.06.2019
1. Korrektur
Wendy Renard hat Frankreich nicht in Führung gebracht, das war Le Sommer. Der letzte Halbsatz soll wohl heißen dass der Autor nicht in WM Stimmung ist - Viele, viele Fans sind es wohl. Toller Auftakt für das Turnier, freue mich auf die nächsten 4 Wochen!
tartaruga007 08.06.2019
2. Selbstkritische Berichterstattung noch fern
"Die müssen noch viel lernen" und "Euphorie (...) Also in Frankreich." - Selbstkritische Berichterstattung, wie sie Daniel Raecke vom Spiegel sehr erfreulich anmahnt, lässt Sven Scharf vermissen. Wenn die Schiedsrichterin in Ruhe ihre Entscheidung fällen darf, ist das in meinen Augen ein respektvoller Umgang, den der Männerfussball so oft vermissen lässt.
frank_w_abagnale 08.06.2019
3.
Ich habe bis zur 60. Minute geschaut und es dann nicht mehr ausgehalten. Das gebotene spielerische Niveau war fürchterlich. Das Prinzip Zufall galt. Keine Technik, keine Dynamik. Nix. Bemitleidenswert. Dazu eine Kommentatorin, die hektisch war und ständig Sachen verwechselte und falsch interpretierte.
frenchie3 08.06.2019
4. Die Entscheidung vom VAR war korrekt ?!
Warum dann "Verrückterweise versuchten die Französinnen GAR NICHT ERST, minutenlang auf Schiedsrichterin Claudia Umpierrez aus Uruguay einzureden." ?
im_ernst_56 08.06.2019
5. Renard
Die Südkoreanerinnen wurden dafür kritisiert, dass sie gegen Renard schlecht verteidigt haben. Aber was will man gegen eine Frau machen, die 1,87m groß ist, wenn man vielleicht gerade 1,60 m groß ist? Bei den Männern wird bei Hünen wie Salif Sane bei Standardsituationen im Strafraum gezerrt und gezogen. Das Spiel der Frauen ist aber noch körperloser und dazu kommt dann noch die asiatische Zurückhaltung. Sollte Deutschland auf Frankreich treffen, werden die Deutschen wahrscheinlich nicht ganz so körperlos spielen. Trotzdem: Ein Ding macht Wendy Renard auch gegen die Deutschen. Mindestens.
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