Deutschlands Viertelfinal-Gegner Asllani ist Schwedens größter Star

Die großen Auftritte bei der WM haben andere Spielerinnen, aber Kosovare Asllani ist für Schweden unverzichtbar. Sie ist Torschützin, Vorlagengeberin - und Vorbild für Mädchen mit Migrationshintergrund.

Martin Rose/Getty Images

Aus Rennes berichtet


Es ist nicht immer leicht, eine gute Gewinnerin zu sein. Im Moment eines Triumphs nicht abzuheben, den Gegner nicht zu demütigen, sondern sich in ihn hineinzuversetzen, nachvollziehen zu können, wie es sich anfühlt, bei einer WM rauszufliegen: All das macht eine faire Sportsfrau aus.

Als Kosovare Asllani mit Schweden die leicht favorisierten Kanadierinnen besiegt hatte und damit ins WM-Viertelfinale gegen Deutschland eingezogen war (18.30 Uhr; Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ARD), wirkte sie in sich ruhend, zufrieden, glücklich. Sie beantwortete die Fragen der Journalisten geduldig, als Stephanie Labbé hinter ihr auftauchte, die Torhüterin der Kanadier.

Asllani unterbrach das Interview und nahm Labbé in den Arm. Die beiden hatten in der vergangenen Saison beim schwedischen Klub Linköpings FC zusammengespielt. Mehr als eine Minute unterhielten sie sich eng umschlungen, Labbé weinte, Asllani sprach ihr gut zu, beide versprachen, sich bald wiederzusehen. Als sich die Schwedin dann wieder zu den Journalisten umdrehte, wirkte sie betroffen.

Sie will den Ball

Diese WM hat bislang einige denkwürdige Auftritte der Starspielerinnen gesehen. Brasiliens Marta sprach einer ganzen Generation junger Mädchen Mut zu, Australiens Sam Kerr schoss in vier Spielen fünf Tore, und die US-Amerikanerin Megan Rapinoe legte sich erst mit dem US-Präsidenten an, um dann ihr Land mit zwei Toren gegen Gastgeber Frankreich ins Viertelfinale zu schießen.

Asllani war im Vergleich dazu unauffälliger. Doch auch die 29-Jährige hat durchaus Spuren hinterlassen in Frankreich. Gegen Chile (2:0) hatte sie Schwedens ersten Turniertreffer erzielt, gegen Thailand (5:1) ebenfalls getroffen und wurde als Spielerin des Spiels ausgezeichnet. Bei der Niederlage gegen die USA (0:2) hatte sie eine Großchance. Und gegen Kanada war es ihr präziser Pass auf Stina Blackstenius, der den Treffer zum 1:0 ermöglichte - und damit das Erreichen des Viertelfinales.

Asllani ist die Schlüsselspielerin der Schwedinnen bei diesem Turnier. Sie gilt als dribbelstarke, schnelle Allroundspielerin, die meist hinter den Angreiferinnen eingesetzt wird und diese in Szene setzt. Sie will am liebsten immer den Ball haben, hat sie bei ihrer Vorstellung beim englischen Klub Manchester City einmal erzählt.

Kosovare Asllani im Spiel gegen Kanada
Laurence Griffiths/Getty Images

Kosovare Asllani im Spiel gegen Kanada

Asllani wurde 1989 im schwedischen Kristianstad geboren, ein Jahr zuvor waren ihre Eltern aus dem Krisengebiet Kosovo in das skandinavische Exil geflüchtet. "Ich glaube, sie haben gespürt, dass ein Krieg kommen würde", hat Asllani einmal "Fox Soccer" erzählt: "Es war das Beste, was sie jemals gemacht haben, denn dadurch hatten wir eine sichere Kindheit."

Das Leben zwischen zwei Welten war für sie nicht immer einfach. Einerseits sagt sie: "Ich bin stolze Kosovarin." Aber als die junge Asllani das Land das erste Mal besuchte, habe sie sich nicht zu Hause gefühlt: "Meine Heimat ist Schweden." Die Silbermedaille, die sie mit Schweden bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro gewann, widmete sie jedoch auch den Menschen im Kosovo: "Mein Herz gehört beiden Ländern."

Die Fußballerin Asllani galt bereits 2011 als die Teenager-Sensation, wurde dann aber überraschend vom heutigen Trainer Thomas Dennerby aus dem Kader für die WM gestrichen. "Das war wirklich hart - vor allem mental", sagte Asllani "Fox Sport" über diese Zeit: "Man lernt aus allem, und in diesem Jahr habe ich viel gelernt." Schon im Jahr darauf trat sie mit Schweden bei Olympia an. Anschließend spielte sie vier Jahre für Paris Saint-Germain, bevor sie zu City wechselte. Vor zwei Jahren kehrte sie zum Linköpings FC nach Schweden zurück.

"Deutschland ist nicht unschlagbar"

Asllani gilt als Vorbild für Immigranten in Schweden aus dem Kosovo, besonders für junge Mädchen. Sie hat zwei Kinderbücher geschrieben. "Auch wenn ich in meiner Karriere schwierige Situationen durchgemacht habe, habe ich mich immer für in Schweden lebende Mädchen mit Migrationshintergrund eingesetzt", sagte sie einmal Fifa.com: "Sie haben in meinem Herzen ein Feuer entfacht, wenn es für mich schwierig wurde." (Mehr zum Thema Integration beim Fußball der Frauen lesen Sie hier.)

Im Gespräch wirkt Asllani besonnen und höflich, flüchtet sich dabei längst nicht nur in Floskeln, wie es viele Fußballer tun. Direkt nach der Partie gegen Kanada hatte sie eine deutliche Ansage an Deutschland geschickt: "Wenn es irgendwann einmal an der Zeit war, sie zu besiegen, dann in diesem Jahr. Sie sind nicht unschlagbar. Wir können das Spiel auf jeden Fall gewinnen."

Damit das gelingen kann, brauchen die Schwedinnen die genialen Momente ihrer Schlüsselspielerin. Asllani weiß das. Und sie will den Ball.



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dareios 29.06.2019
1. KosovarIN
Sprache als Hauptmedium, dessen sich Reporter bedienen. Kosovare (Maskulinum), Kosovarin (Femininum) - Wo bleibt das Wissen, wo die Sorgfalt, Spiegel? - - - - - Nun, hust, sie heißt Kosovare...: https://de.wikipedia.org/wiki/Kosovare_Asllani; MfG Redaktion Forum
Stereo_MCs 29.06.2019
2.
Zitat von dareiosSprache als Hauptmedium, dessen sich Reporter bedienen. Kosovare (Maskulinum), Kosovarin (Femininum) - Wo bleibt das Wissen, wo die Sorgfalt, Spiegel? - - - - - Nun, hust, sie heißt Kosovare...: https://de.wikipedia.org/wiki/Kosovare_Asllani; MfG Redaktion Forum
Fast alle ihre seltenen Kommentare drehen sich um Kritik an den Journalisten bzw. dem Medium. Vielleicht lässt sie diese Peinlichkeit ja aufwachen und trägt so zu etwas Selbstreflexion und Demut bei.
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