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08. Juni 2019, 21:34 Uhr

Südafrikas Niederlage gegen Spanien

Aber es war doch keine Absicht!

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Zum ersten Mal dabei, zum ersten Mal geschossen, zum ersten Mal getroffen - und das gegen Spanien. Südafrika hatte beim WM-Auftaktspiel Pech mit strittigen Elfmetern.

Szene des Spiels: Es stand 1:1, Spanien hatte per Elfmeter ausgeglichen. Dann zeigte Schiedsrichterin Maria Carvajal erneut auf den Punkt. Die südafrikanische Linksverteidigerin Nothando Vilakazi hatte im Fallen den Ball weggeschlagen und dabei mit ihrem durchschwingenden Fuß ihre Gegenspielerin am Oberschenkel getroffen. Carvajal deutete den Treffer als Absicht - dabei wäre es für Vilakazi äußerst schwierig gewesen, die Bewegung noch zu stoppen. Jennifer Hermoso interessierte das herzlich wenig, mit ihrem zweiten Strafstoß des Spiels brachte sie ihr Team in Führung (69. Minute).

Ergebnis: Spanien gewann das Spiel 3:1 (0:1). Durch den Sieg sind die Spanierinnen Tabellenführer in Gruppe B, mit zwei geschossenen Toren mehr als Deutschland, das am Nachmittag gegen China gewonnen hatte.

Banyana Banyana: Die Südafrikanerinnen versprühten bei ihrer Ankunft im Stade Océane in Le Havre gute Laune: Singend und tanzend betrat das Team die Katakomben der Arena. Unabhängig vom sportlichen Abschneiden haben die Außenseiterinnen schon einmal Sympathiepunkte gesammelt.

Erste Hälfte: Spanien war als einziges europäisches Team ohne Punktverlust durch die Qualifikation marschiert. Zehn Nationalspielerinnen sind für den Champions-League-Finalisten FC Barcelona aktiv, sechs von ihnen standen beim Auftaktmatch in der Startaufstellung. Dementsprechend gingen sie als klarer Favorit in die Partie gegen Südafrika. Das Spiel beherrschten die Spanierinnen weitestgehend, in den Anfangsminuten setzten sie sich am südafrikanischen Strafraum fest - in Rückstand gerieten sie trotzdem.

Torwischer: In der 25. Minute konterte Südafrika über Motlhalo und Afrikas Fußballerin des Jahres, Thembi Kgatlana, die den Ball mit ihrem starken rechten Fuß in den rechten Winkel schoss. Torhüterin Sandra Paños stand eigentlich richtig, wischte sich den Ball aber selbst in den Winkel. Einige sagen Traumtor, andere sagen Patzer.

Auf Anhieb: Zum ersten Mal haben die Südafrikanerinnen die Qualifikation überstanden und sind bei der WM-Endrunde dabei. Im ersten Spiel bei dem Turnier in Frankreich klappte es gleich im ersten Anlauf: Als Kgatlana zu ihrem Schlenzer ansetzte, war es der erste Torschuss der südafrikanischen WM-Historie, der direkt passte.

Zweite Hälfte, zwei strittige Elfmeter: Mit dem Wiederanpfiff erhöhte Spanien den Druck und kam direkt zu Großchancen durch Hermoso (49.) und Mariona Caldentey (52.). Aus dem Spiel heraus klappte es aber nicht mit dem Ausgleich, erst vom Elfmeterpunkt aus. Südafrika-Kapitänin Janine van Wyk bekam bei einem Distanzschuss von Hermoso den Ball an den linken Arm, den sie zum Schutz gehoben hatte. Über solche Szenen wurde in dieser Saison zu Genüge diskutiert, meist ohne Ergebnis. Hermoso verwandelte sicher zum 1:1 (69.).

Der zweite Elfmeter der Partie war ebenfalls diskutabel. Bei einem Klärungsversuch im eigenen Strafraum traf Vilakazi versehentlich ihre Gegenspielerin und sah dafür Gelb-Rot. Hermoso traf erneut vom Punkt (83.), das 3:1 durch Lucía García (89.) entschied das Spiel.

Spanien - Südafrika 3:1 (0:1)
0:1 Kgatlana (25.)
1:1 Hermoso (69., Elfmeter)
2:1 Hermoso (83., Elfmeter)
3:1 García (89.)
Spanien: Paños - Torrejón, Paredes, León, Corredera - Sampedro (46. García), Losada (46. Bonmatí), Torrecilla, Putellas (73. García), Mariona - Hermoso
Südafrika: Dlamini - Ramalepe, van Wyk, Matlou, Vilakazi - Motlhalo (52. Ndimeni), Biyana, Jane, Mthandi (56. Seoposenwe) - Fulutudilu (77. Smeda), Kgatlana
Gelbe Karten: Biyana, Vilakazi, van Wyk
Rote Karte: Vilakazi (Gelb-Rot)
Schiedsrichterin: Maria Carvajal (Chile)

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