Fußball-WM in Katar Fifa führt halbautomatische Abseitserkennung ein

Bei der Winter-WM in Katar kommt eine neue Technologie zum Einsatz: Mithilfe von zwölf Kameras sollen Abseitsstellungen schneller erkannt und die Ergebnisse auf Leinwänden im Stadion gezeigt werden.
Schiedsrichter, wie hier Paul Tierney in der Europa League, bekommen bei der Abseitserkennung eine technische Hilfe

Schiedsrichter, wie hier Paul Tierney in der Europa League, bekommen bei der Abseitserkennung eine technische Hilfe

Foto: Revierfoto / Revierfoto / IMAGO

Mit halbautomatischer Abseitstechnologie will die Fifa bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar (21. November bis 18. Dezember) die Entscheidungen der Videoschiedsrichter schneller und zuverlässiger machen. Wie der Weltverband am Freitag mitteilte, wird das System bei den 64 WM-Partien zum Einsatz kommen. »Wir sind bereit, es zu nutzen. Wir sind zufrieden mit den Testergebnissen, wir setzen unsere Arbeit fort«, sagte Fifa-Schiedsrichterchef Pierluigi Collina über die neue Technologie.

Die neue Messtechnik bei Abseitsentscheidungen war zuletzt beim Arab Cup und der Klub-WM im Februar getestet worden. Über ein 500-Hertz-Signal im Ball und ein Dutzend Kameras, die über Datenpunkte die Bewegungen der Spieler festhalten, wird schneller und genauer als bislang die Position von möglicherweise im Abseits postierten Akteuren erfasst. Die Daten werden von einem Video-Assistenten geprüft und an den Referee auf dem Feld weitergeleitet. Das Anlegen von Abseitslinien entfällt mit der neuen Technologie.

Laut Collina erhoffe man sich neben der exakteren Messung auch einen erheblichen Zeitgewinn. Bislang würden strittige Abseitsüberprüfungen rund 70 Sekunden dauern, mit dem neuen System könne man auf rund 25 Sekunden reduzieren. Über Videoleinwände sollen die Fans im Stadion über die Entscheidungen informiert werden. Die Länge der Entscheidungsfindung war bisher ein wesentlicher Kritikpunkt an den Video-Assistenten.

»Wir werden unsere Video-Schiedsrichter im Umgang mit der Technologie schulen«, sagte Collina. »Schon zwei Wochen vor der WM werden alle Schiedsrichter für den letzten Feinschliff vor Ort sein. Wir gehen davon aus, dass es so problemlos wie mit der Torlinientechnologie funktioniert.«

Eine weitere Hilfe für die Schiedsrichter

Sechs Jahre nach der VAR-Einführung nehmen die Verantwortlichen den Referees somit eine weitere Entscheidung aus den Händen. Dass damit das Ende für die Unparteiischen aus Fleisch und Blut eingeläutet ist, bestreitet Collina aber vehement.

»Der Begriff des ›Roboter-Schiedsrichters‹ eignet sich vielleicht gut für Schlagzeilen, er hat aber nichts mit der Realität zu tun«, sagte der 62 Jahre alte Italiener: »Wenn nur die Technik relevant wäre, sollte besser ein Ingenieur meinen Job übernehmen. Unser Hauptziel bleibt, dass der Referee auf dem Platz korrekte Entscheidungen trifft. Aber Irren ist menschlich. Dann kommt die Technik ins Spiel, um Fehler zu verhindern.«

Ob und wann die neue Abseitstechnik in den internationalen Topligen wie der Bundesliga zum Einsatz kommen wird, ist noch offen.

krä/dpa/sid
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