Fußball-WM 2022 Reformen in Katar? Amnesty berichtet von anhaltender Ausbeutung

Katar bereitet sich auf die Fußball-WM vor, die Energiekrise durch den Ukrainekrieg macht den Staat zu einem begehrten Handelspartner. Doch die Euphorie wird durch einen erneuten Bericht über Menschenrechte gestört.
Das Lusail-Stadion in der katarischen Hauptstadt Doha, hier findet im Dezember das WM-Finale statt

Das Lusail-Stadion in der katarischen Hauptstadt Doha, hier findet im Dezember das WM-Finale statt

Foto: Gabriel Bouys / AFP

Katar steht für die Menschenrechtslage im Land seit Jahren in der Kritik. Dennoch macht sich Katar im Weltsport mit großzügigen Sponsorings breit, nicht zuletzt mit der Austragung der Fußball-WM in diesem Jahr.

Mit dem sogenannten Sportswashing soll das öffentliche Ansehen gesteigert werden, und dafür finden sich immer größere Partner. Klubs wie der FC Bayern, das Logo von Qatar Airways findet sich auf dem Trikotärmel wieder, rechtfertigen die Zusammenarbeit unter anderem mit Fortschritten bei Menschen- und Arbeitsrechten. Und so auch der DFB. Verbandsdirektor Oliver Bierhoff nannte Katar einen »Treiber von Entwicklungen«, wenn auch »langsamer, als es jeder erhoffen konnte«.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty formuliert es anders. In einem aktuellen Bericht  zur Lage im WM-Austragungsland, der sich auf das vergangene Jahr bezieht, heißt es, dass es die Regierung trotz anderslautender Zusicherungen versäume, »Reformen einzuführen und durchzusetzen, was dazu führte, dass ausbeuterische Praktiken und die schlimmsten Elemente des Sponsorensystems fortbestanden«.

Weiterhin Ausbeutung im Land

Das als sklavenähnlich kritisierte Kafala-System war ein für Missbrauch anfälliges Arbeitsrecht für ausländische Kräfte, in dem sie ihren Pass an einen »lokalen Sponsor« abgeben mussten. Offiziell wurde es abgebaut, Amnesty zeichnet aktuell ein anderes Bild:

  • Die Behörden hätten es unterlassen, »den Tod Tausender Arbeitsmigranten gründlich zu untersuchen, die in den vergangenen Jahren plötzlich und unerwartet gestorben waren«. Dadurch bliebe Hinterbliebenen die Möglichkeit verwehrt, Entschädigung zu erhalten.

  • Es gebe »unüberwindbaren bürokratischen Hindernisse« für Arbeitsmigranten bei einem Jobwechsel, wenn sie ihren Arbeitgeber nicht um Erlaubnis fragen wollten, obwohl die Zustimmung nicht mehr gesetzlich vorgeschrieben sei.

  • Weibliche Hausangestellte seien weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten, weil sie im Haushalt ihrer Arbeitgeber lebten.

  • Wenn Gastarbeiter den Bedingungen entfliehen wollten, hätten Arbeitgeber das Recht, die Aufenthaltsgenehmigung zu annullieren und sie wegen des unerlaubten Verlassens des Arbeitsplatzes anzuzeigen.

  • Auch die Einführung eines Mindestlohns verlaufe nicht so wie angekündigt, Gastarbeiter seien um Geld betrogen worden, ohne dass sie sich rechtlich hätten wehren können. Ganz zu schweigen von der Gründung von Gewerkschaften.

Amnesty bemängelt in seinem Bericht auch die Meinungs- und Pressefreiheit in Katar und kritisierte willkürliche Festnahmen. Unter anderem die von zwei norwegischen Journalisten, die über Probleme vor der Weltmeisterschaft zu berichten versuchten und im November mehr als 30 Stunden festgehalten wurden. Ihnen wurde vorgeworfen, unbefugt Privatgrundstücke betreten und ohne Genehmigung gefilmt zu haben.

Bericht kommt für Katar mutmaßlich zur Unzeit

»Die Behörden schränkten das Recht auf freie Meinungsäußerung 2021 weiterhin ein und nutzten vage formulierte Gesetze, um kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen«, heißt es in dem Bericht. Frauen würden weiterhin diskriminiert, Homosexualität weiterhin als »Unzucht« unter Strafe gestellt. Demnach drohen in Katar für einvernehmliche sexuelle Handlungen zwischen Männern bis zu sieben Jahre Gefängnis.

Für Katar kommt der Jahresbericht von Amnesty mutmaßlich zur Unzeit. Erst vergangene Woche hatte sich das Emirat bei einem Besuch von Wirtschaftsminister Robert Habeck als möglicher Rettungsanker in der durch den Ukrainekrieg hervorgerufenen Energiekrise in Stellung gebracht . Habeck verhandelte über Flüssiggasdeals, die dabei helfen sollen, die deutsche Abhängigkeit von russischem Gas möglichst schnell zu beenden.

Zudem findet am 1. April die Gruppenauslosung für die am 21. November startende WM statt. In der Vergangenheit gab es immer wieder Forderungen nach einem Boykott . SPD-Chef Lars Klingbeil, der seit vergangener Woche im Verwaltungsbeirat des FC Bayern sitzt, forderte eine klare Haltung des DFB. »Die WM findet statt. Ich finde auch, sie muss mit deutscher Beteiligung stattfinden. Aber sie darf eben nicht im luftleeren Raum stattfinden«, sagte Klingbeil der Nachrichtenagentur SID.

hba
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