Fußball-WM 2022 Mehr als 6500 Gastarbeiter starben seit der WM-Vergabe nach Katar

Der »Guardian« berichtet über mehr als 6500 tote Gastarbeiter seit der Vergabe der Fußball-WM 2022 nach Katar. Die Reaktion von Organisationskomitee und Fifa klingt beinahe zynisch.
Arbeiter auf der Baustelle des Lusail-Stadions in Katar 2019

Arbeiter auf der Baustelle des Lusail-Stadions in Katar 2019

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Kai Pfaffenbach / REUTERS

Seit der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 vor zehn Jahren sind im Gastgeberland Katar über 6500 Gastarbeiter gestorben. Das ist das Ergebnis einer Auswertung des »Guardian« , die am Dienstag veröffentlicht wurde.

Die Informationen über die Todesfälle stammen demnach aus Anfragen an die Regierungen der Herkunftsländer, die Opfer kommen vor allem aus Indien, Pakistan, Nepal, Bangladesch und Sri Lanka.

Der Zeitung zufolge dürfte die tatsächliche Todesrate noch erheblich höher liegen: Die dargestellten Zahlen beinhalten laut »Guardian« keine Angaben zu Arbeitern von den Philippinen und aus Kenia, die ebenfalls eine große Anzahl der Gastarbeiter in Katar stellen. Fälle aus den letzten Monaten des Jahres 2020 seien ebenfalls nicht eingerechnet.

Dauerthema Menschenrechtsverletzungen

In den vergangenen zehn Jahren hat Katar in Vorbereitung auf die Fußball-WM ein beispielloses Bauprogramm verabschiedet. Neben sieben neuen Stadien wurden und werden unter anderem ein neuer Flughafen, ein U-Bahnnetz, zahlreiche Hotels und andere Infrastruktur aus dem Boden gestampft.

Die Todesfälle werden laut »Guardian« in den Statistiken nicht nach dem Arbeitsplatz unterschieden. Es sei aber wahrscheinlich, dass die Gestorbenen auf einer dieser WM-Baustellen angestellt gewesen sind, sagte Nick McGeehan, Experte für Arbeitsrecht am Golf: »Ein sehr großer Anteil der Gastarbeiter, die seit 2011 gestorben sind, war nur im Land, weil Katar die Vergabe der WM für sich entschied.«

37 Todesfälle sind direkt auf die Baustellen der WM-Stadien zurückzuführen. Als Todesursachen werden in dem Bericht etwa Verletzungen genannt, bei denen Arbeiter aus der Höhe stürzten oder sich strangulierten – oder mit Herz-Kreislauf-Versagen zusammenbrachen.

Das WM-Organisationskomitee sagte auf die Frage nach den Todesfällen bei den Stadionprojekten: »Wir bedauern alle diese Tragödien zutiefst und haben jeden Vorfall untersucht, um sicherzustellen, dass Lehren daraus gezogen wurden. Wir haben in dieser Angelegenheit immer Transparenz gewahrt und bestreiten ungenaue Behauptungen über die Anzahl der Arbeiter, die bei unseren Projekten gestorben sind.«

Der Fußball-Weltverband Fifa sagte auf »Guardian«-Anfrage, man verpflichte sich voll und ganz, die Rechte der Arbeiter bei Fifa-Projekten zu schützen. »Die Häufigkeit der Unfälle auf den Baustellen der Fifa-WM war bis jetzt niedrig im Vergleich zu anderen großen Bauprojekten auf der Welt.« Einen Beleg nannte die Fifa hierfür demnach allerdings nicht.

Die Menschenrechtsverletzungen gegenüber Gastarbeitern sind seit der Vergabe der WM nach Katar immer wieder Thema gewesen. In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Recherchen von Medien und Menschenrechtsorganisationen gegeben, die von eklatanten Missständen berichteten. Arbeitern wurde demnach der Lohn nicht gezahlt, es wurden Pässe eingezogen, um sie an der Ausreise zu hindern. Unterkünfte und Arbeitsbedingungen waren prekär, dazu kam es zu den genannten Todesfällen. Angekündigte Reformen setzte Katar den Berichten zufolge bislang nur unzureichend um.

ara
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