SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

23. Mai 2014, 11:37 Uhr

Teamcheck Argentinien

Mehr als Messi

Argentinien zählt zu den Favoriten der WM. Wieder einmal. Bisher sind sie oft gescheitert. Aber Trainer Carlos Sabella könnte die richtige Mischung gefunden haben - und verzichtet dafür sogar auf einen Liebling der Massen.

Dies ist die 12. Folge im WM-Check von SPIEGEL ONLINE. Bis zum Turnier in Brasilien stellen wir alle 32 Teilnehmer vor. Heute: Argentinien.

Das Team
Wenn das Gesetz tatsächlich Gesetz wäre, dass in Südamerika keine europäische Mannschaft den WM-Titel holen kann, gehörte Argentinien neben Gastgeber Brasilien zum allerallerengsten Favoritenkreis. Die Mannschaft ist gut austariert, hat diesmal einen Coach, der den Namen auch verdient, hat die Qualifikation ohne große Mühe hinter sich gebracht und hat Spieler im besten Weltmeister-Alter. Argentinien sollte man auf der Rechnung haben, wenn es um die Titelanwärter geht. Selbst wenn die Europäer doch ins Rennen eingreifen sollten.

Die Stars
Der FC Barcelona, der Klub von Lionel Messi, hat den Wahlspruch: mehr als ein Verein. Und so müsste Argentinien sich den Slogan erwählen: mehr als ein Star. Lionel Messi mag der beste Fußballer der Welt sein, vielleicht ist er es tatsächlich, aber Argentinien hat gelernt, sich von ihm zu emanzipieren. Auch daher, weil Messi jahrelang im Nationaldress nicht wie gewohnt auftrumpfte. Je mehr jetzt andere Verantwortung übernehmen, desto mehr scheint auch Messi plötzlich aufzublühen. Seine beiden vergangenen Jahre waren seine besten im Argentinien-Trikot.

Aber daneben gibt es in der Offensive Gonzalo Higuaín, es gibt Ezequiel Lavezzi, es gibt Sergio Agüero, es gibt Angel Di Maria. Wer fehlt: Carlos Tévez. Der Nationaltrainer schätzt den Stürmer, der mittlerweile bei Juventus Turin angelandet ist, nicht und hat ihn konsequent ignoriert, den Liebling der Massen. Aber Coach Sabella kann es sich erlauben, er hat im Angriff genug Optionen.

Der Trainer
Nationaltrainer in Argentinien - es gibt dankbarere Jobs. Seit 1994 haben sich sieben Coaches versucht, unter anderem der (als Spieler) große Diego Maradona. Der ganz große Erfolg war niemandem vergönnt. Vielleicht schafft es Alejandro Sabella. Er hat keine überragende Trainer-Vita, er war mehr als zehn Jahre bei verschiedenen Stationen treuer Assistent von Landsmann Daniel Passarella, erst 2009 wagte er sich auf den ersten Chefposten - und übernahm schon zwei Jahre später die Mission WM-Titel. Sein bisher größter Erfolg: Lionel Messi ins Team einzubinden. Andere haben das nicht geschafft.

WM-Gegner
Argentinien hat es im Vergleich zu anderen großen Fußballnationen relativ gut erwischt. Die wegen ihrer Trikotfarbe "Albiceleste" (die Weiß-Himmelblaue) genannte Mannschaft bekam für die Gruppenphase Bosnien-Herzegowina, Iran und Nigeria zugelost. Das sollte den Gruppensieg möglich machen. Und auch danach warten bis ins Halbfinale machbare Aufgaben.

WM-Historie
Argentinien zählt mit Recht zu den Großen im Weltfußball, immerhin hat das Land 1978 und 1986 den WM-Titel gewonnen - beide auf zentral- und lateinamerikanischem Boden. Dazu kommt die Finalteilnahme 1990. Zuletzt allerdings war zweimal im Viertelfinale Schluss - zweimal hieß der Gegner dabei Deutschland.

WM-Duelle mit Deutschland
Mit dem Team des DFB haben die Südamerikaner nicht die besten Erfahrungen: 2006 und 2010 beendeten Jürgen Klinsmann und Joachim Löw die argentinischen Titelträume. 1990 verwehrte Andreas Brehme mit seinem "Foul"-Elfmeter den Argentiniern den Zugang zum Pokal. 1958 siegte Deutschland bei der WM in Schweden 3:1, 1966 trennte man sich torlos. Nur ein einziges Mal war Argentinien im direkten WM-Vergleich siegreich, aber die Partie war auch nicht ganz unwichtig: Im WM-Finale 1986 schoss Jorge Burruchaga mit dem 3:2 sein Land zum Weltmeistertitel.

In der nächsten Folge befassen wir uns mit Japan.

aha

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung