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Fotostrecke: Sie hoffen und bangen

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DFB-Kader zur WM Die Kipper und Wackler

Stars sind sie alle - doch die Nationalmannschaft ist eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. 16 Spieler haben das WM-Ticket schon sicher. Alle anderen schauen mit Bangen auf die heutige Kadernominierung durch den Bundestrainer.

Der Bundestrainer hat sie alle überrumpelt. Mit vielen hatten sie gerechnet, Deutschlands Fußball-Experten, aber nicht mit ihm. Ein junger laufstarker Spieler, bestechend durch seine Grundschnelligkeit, aber WM-tauglich? Der Kerl hat ja noch nicht einmal ein einziges Länderspiel absolviert.

Es dauerte bis zum zweiten Gruppenspiel dieser Weltmeisterschaft, da hatte das Trainergespann Jürgen Klinsmann und Joachim Löw alle überzeugt. David Odonkor, die Überraschungsnominierung der WM 2006 flankte in der letzten Minute nach innen, Oliver Neuville verwandelte zum 1:0 gegen Polen, und Deutschland versank in fußballsommerlicher Glückseligkeit.

Am Mittag ist es wieder so weit: Bundestrainer Joachim Löw stellt seinen Kader für die Weltmeisterschaft vor, wieder lauert alles auf einen überraschenden Namen, und doch ist vieles anders als im Vorfeld jener Heim-WM vor acht Jahren. Einen Knalleffekt wie damals wird es wohl diesmal nicht geben.

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Im Unterschied zu 2006 nutzt Löw diesmal die Option, zunächst 30 Namen für einen erweiterten Kader zu benennen. Das gibt ihm nicht nur Zeit, seine Kandidaten noch bis zum 2. Juni, dem Tag der endgültigen Nominierung, zu testen. Er nimmt damit auch den Zündstoff aus der heutigen Entscheidung. Erst dann muss er weitere sieben Spieler aus seinem Kader streichen. Erst dann wird es für einige richtig bitter werden.

Mit der Benennung von 30 Spielern verschiebt Löw die Pflicht, über mögliche Härtefälle im Kader entscheiden zu müssen, um fast vier Wochen. So haben auch die noch angeschlagenen Sami Khedira, Mario Gomez, Benedikt Höwedes oder Sven Bender die Chance, den Anschluss zu finden. Das ist bei einem wie Khedira wahrscheinlicher, dessen Genesung nach dem Kreuzbandriss große Fortschritte macht, bei anderen wie Gomez oder dem rückenverletzten Dortmunder Ilkay Gündogan überwiegt noch die Skepsis.

Gündogan haben viele schon abgeschrieben, bei ihm könnte es sogar sein, dass Löw ihn gar nicht erst benennt. Aber auch Gomez hat in den vergangenen Monaten kaum gespielt - er wird die Zeit brauchen, wenn er noch nach Brasilien mitgenommen werden will.

Ein Verzicht auf solche arrivierten Kräfte würde die Chancen für die Talente erhöhen, der nächste Odonkor, die nächste große Überraschung zu werden. Der Stuttgarter Timo Werner, der Schalker Max Meyer oder der Hoffenheimer Kevin Volland wären solche Spieler, die derzeit noch unter Perspektivkader laufen, deren Chance aber schneller kommen könnte als gedacht. Auch Thomas Müller hatte vor der WM 2010 erst ein Länderspiel auf dem Konto, bevor er in Südafrika zum WM-Torschützenkönig aufstieg.

Müller gehört mittlerweile zu den 16 Spielern, die ihre Kadernominierung so gut wie sicher haben, wenn sie sich nicht noch Verletzungen zuziehen sollten. Die anderen 14, die Löw am Mittag benennen wird - sie werden noch weitere 25 Tage bis zum 2. Juni zwischen Hoffen und Zittern verbringen müssen.