Fußball-WM USA lassen Chile keine Chance

In die WM starteten die USA mit einem Rekordsieg - gegen Chile ließ der Titelverteidiger nun die nächste herausragende Leistung folgen. Dass es kein Debakel gab, lag an Chiles Torhüterin Christiane Endler.

US-Stürmerin Carli Lloyd (vorne): Zwei Treffer gegen Chile
Thibault Camus / AP

US-Stürmerin Carli Lloyd (vorne): Zwei Treffer gegen Chile


Die USA sind bei der WM in Frankreich bislang das Maß der Dinge. Der Titelverteidiger zeigte auch bei seinem zweiten Turnierauftritt starken Fußball und bezwang Chile in Paris 3:0 (3:0). Damit stehen die USA im Achtelfinale. Im ersten Spiel hatten sie beim 13:0-Sieg über Thailand einen WM-Rekord aufgestellt.

Chile war zwar ein besserer Gegner als Thailand, im Mai hatte das Team einen Test gegen Deutschland 0:2 verloren - und doch waren die Chileninnen gegen die USA chancenlos. Allein in den ersten drei Minuten ließen sie drei US-Abschlüsse zu, darunter ein Pfostenschuss von Carli Lloyd, und diesen Druck hielten die USA nahezu aufrecht. Am Ende lautete das Torschussverhältnis 26:1.

Besonders Lloyd stand dabei im Mittelpunkt. Die 36 Jahre alte Stürmerin hatte gegen Thailand zunächst auf der Bank gesessen; diesmal änderte US-Trainerin Jill Ellis ihre Startelf aber auf gleich sieben Positionen, die Superstars Alex Morgan und Megan Rapinoe blieben draußen. Was kein Problem war.

Sieben Minuten nach ihrem frühen Pfostentreffer profitierte Lloyd von einer ungenauen Abwehraktion von Chiles Su Helen Galaz und schoss den Ball von der Strafraumkante aus volley ins Tor (11. Minute). Die Treffer zum 2:0 und 3:0 fielen dann jeweils nach Eckbällen, hereingegeben von Tierna Davidson.

Typische Pose: Christiane Endler pariert Bälle
Thibault Camus / AP

Typische Pose: Christiane Endler pariert Bälle

Erst brachte Julie Ertz den Ball so wuchtig aufs Tor, dass Chiles Christiane Endler ihn nicht abwehren konnte (26.). Den Standard hätte es allerdings nicht geben dürfen: Ehe der Ball zur Ecke geklärt worden war, hatte er die Torauslinie überschritten, was von der deutschen Schiedsrichterin Riem Hussein und ihrem Team übersehen wurde. Beim 3:0 setzte sich die einlaufende Lloyd im Strafraum durch und köpfte den Ball unhaltbar ins Tor (35.).

In der zweiten Hälfte ließen die USA kaum nach, und doch fielen keine Treffer mehr. Das lag vor allem an Endler, die die vielleicht beste Torhüterleistung des Turniers zeigte: Immer wieder vereitelte sie Chancen der USA, eine besonders große in der 66. Minute, als sie einen platzierten Kopfball von Christen Press mit den Fingerspitzen um den Pfosten lenkte.

Auch Lindsey Horan (55.) und erneut Press (48., 58., 74.) scheiterten an Endler. Zudem trafen die eingewechselte Jessica McDonald den Pfosten (62.) und Lloyd die Latte (72.). Die größte Gelegenheit vergab Lloyd in der 81. Minute, als sie nach Eingriff des VAR einen Elfmeter am Tor vorbeischoss.

In der Tabelle der Gruppe F stehen die USA mit sechs Punkten vor Schweden (ebenfalls sechs Punkte) auf Platz eins. Am Donnerstag kommt es zum direkten Duell. Zeitgleich spielen die punktlosen Chileninnen und Thailand um den dritten Platz, der theoretisch noch zum Weiterkommen berechtigen könnte.

Chile - USA 0:3 (0:3)
0:1 Lloyd (11.)
0:2 Ertz (26.)
0:3 Lloyd (35.)
Chile: Endler - Galaz, Guerrero, Sáez, Toro - Soto (46. López), Araya, Lara (89. Pardo) - Zamora, Urrutia (68. Huenteo), Balmaceda
USA: Naeher - Krieger, Dahlkemper (82. Sonnett), Sauerbrunn, Davidson - Brian, Ertz (46. McDonald), Horan (59. Long) - Pugh, Lloyd, Press
Gelbe Karten: Lara, Huenteo, Galaz/ Horan, Long
Schiedsrichterin: Hussein
Zuschauer: 45.594 in Paris

mon



insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
Stereo_MCs 16.06.2019
1.
Schade, dass der Weltmeister heute schon feststeht. Die US Frauen sind den anderen Teams so dermaßen überlegen, um den Titel wird keine große Spannung mehr aufkommen, nur noch dahinter. Erinnert mich an NBA vs. Europa. Ohne Torfrau Endler hätten sie die 20:0 schon voll. Trotz heute mit B+ Elf und mehr lockerer Trainingseinheit.
roflxd 16.06.2019
2.
Zitat von Stereo_MCsSchade, dass der Weltmeister heute schon feststeht. Die US Frauen sind den anderen Teams so dermaßen überlegen, um den Titel wird keine große Spannung mehr aufkommen, nur noch dahinter. Erinnert mich an NBA vs. Europa. Ohne Torfrau Endler hätten sie die 20:0 schon voll. Trotz heute mit B+ Elf und mehr lockerer Trainingseinheit.
Kein Wunder, dass die anderen nicht mithalten können. In den USA ist Fußball berechtigterweise ein Frauensport. Dort haben die Frauen ganz andere Trainingsmöglichkeiten und verdienen mehr als ihre männlichen Kollegen. Hierzulande wird man als Frau schief angeschaut, wenn man es wagt, Fußball zu spielen/zu kommentieren.
kajoter 16.06.2019
3.
Man kann gar nicht genug hervorheben, dass de facto eine amerikanische B-Elf auf dem Platz stand. 7 Spielerinnen aus der ersten Mannschaft saßen auf der Bank. Und trotzdem spielte die Elf einen Fußball, der tatsächlich als solcher anzuerkennen war. Wenn alle Nationalmannschaften ein ähnliches Niveau besäßen, würden die abwertenden Kommentare über Frauenfußball automatisch aufhören. Dieses Niveau besitzen sie aber nicht und daher sind negative Kommentare durchaus angebracht. Mit anderen Worten: Die Amerikaneinnen beweisen, dass Frauenfußball kein Rumpelfußball sein muss, wie er z.B. von der deutschen Manschaft gespielt wird. Vielleicht sollten sie sich vor Ort Nachhilfeunterricht geben lassen, wie man es besser machen könnte.
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