Fußball-WM 2019 Brasilien besiegt Italien - und rutscht trotzdem auf Platz drei

Brasilien hat Tabellenführer Italien besiegt - und wird in der Gruppe C trotzdem von Australien überholt. Für das Achtelfinale reicht es dennoch. Siegtorschützin Marta schrieb Fußballgeschichte.

Brasilien gewann zwar das Spiel, verpasste jedoch Platz eins in der Gruppe C
Phil Noble / REUTERS

Brasilien gewann zwar das Spiel, verpasste jedoch Platz eins in der Gruppe C


Brasilien hat das abschließende Gruppenspiel der WM-Vorrunde 1:0 (0:0) gewonnen und zieht in das Achtelfinale ein. Das einzige Tor der Partie erzielte Marta in der 74. Minute. Für die Brasilianerin war es ein besonderer Treffer: Mit ihrem 17. WM-Tor ist sie die erfolgreichste Schützin aller Zeiten - auch bei den Männern hat bisher kein Spieler diese Marke erreicht.

Allerdings reichte der Sieg nicht, um Gegner Italien von der Tabellenspitze zu verdrängen und so einen vermeintlich leichteren Gegner in der K.-o.-Runde zu bekommen. Im Gegenteil: Durch den 4:1-Sieg der Australierinnen rutschte Brasilien noch auf Tabellenplatz drei ab. Entscheidend war bei gleicher Tordifferenz zunächst die höhere Anzahl der erzielten Tore im Turnier. Und da lag Australien mit acht Treffer vor Brasilien (sechs).

Brasilien begann forsch: In der 17. Minute versuchte es Debinha zunächst spektakulär per Hacke. Doch Italiens Torhüterin Laura Giuliani war zur Stelle - genau wie bei den anschließenden Eckbällen, die sie vor den brasilianischen Angreiferinnen abwehren konnte. In der 29. Minute hätte Cristiana Girelli den Spielverlauf der ersten halben Stunde beinahe auf den Kopf gestellt, doch bei ihrem Treffer stand die Italienerin im Abseits.

Brasilien blieb geduldig, bemühte sich um Ballkontrolle und baute seine Angriffe mit langen Passfolgen auf. Die Italienerinnen versuchten, im Ballbesitz den direkten Weg zum gegnerischen Tor zu finden. In der 40. Minute führte das beinahe zum Ziel, als Barbara Bonansea nach einer Flanke von Alia Guagni vor Bárbara im brasilianischen Tor auftauchte, jedoch an der starken Parade der Torhüterin scheiterte.

Die erste gute Gelegenheit nach der Pause hatten wieder die Brasilianerinnen, doch Andressinha traf mit einem Freistoß zentral aus 17 Metern die Latte (52.). Kathellen verpasste kurz darauf nur knapp per Kopf (56.). Italien wagte offensiv nur noch wenig und beschränkte sich nun auf das Verteidigen. Das klappte gut, bis Linari Debinha im Strafraum foulte. Marta verwandelte vom Punkt (74.). Zum zweiten Treffer - und damit zum Gruppensieg - reichte es allerdings nicht mehr.

Italien - Brasilien 0:1 (0:0)
0:1 Marta (74.)
Italien: Giuliani - Guagni, Gama, Linari, Bartoli (71. Boatin) - Giugliano, Galli, Cernoia - Giacinti (63. Bergamaschi), Girelli (78. Mauro), Bonansea
Brasilien: Bárbara - Leticia Santos (76. Poliana), Kathellen, Mônica, Tamires - Thaisa, Andressinha, Marta (83. Luana), Ludmila, Debinha - Cristiane (65. Beatriz)
Schiedsrichterin: Lucila Venegas (Mexiko)
Gelbe Karten: Bartoli - Kathellen, Santos

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels hieß es, dass bei gleicher Tordifferenz der direkte Vergleich entscheidend sei. Das ist falsch. Es ist zunächst die Anzahl der erzielten Tore entscheiden. Erst bei Punkt- und Torgleichheit wird der direkte Vergleich herangezogen.

tip



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Barças Superstar 19.06.2019
1. Egal
Brasilianerinnen kommen doch als Dritter auch weiter. Die Schlagzeile suggeriert ein Ausscheiden, was mit 6 Punkten wohl ausgeschlossen sein.
fluramtto 19.06.2019
2. Mehr Tore als Klose?
Was soll denn sowas? Der Vergleich zwischen Frauen- und Männerfußball ist doch absurd. Wenn man sich ein Topspiel bei der Frauen-WM anschaut (z.B. Deutschland gegen Spanien) kann man zwar einen Vergleich anstellen, aber die Qualität ist doch eine ganz andere. Marta ist eine herausragende Spielerin und ich sehe sie gerne, aber der Fußball bei Frauen und Männern ist, zumindest um Profibereich, so unterschiedlich wie z.B. der Weltrekord im 400 Meter Freistiel-Schwimmen. Wenn bei Sportarten, in denen die physischen Eigenschaften den Ausschlag für Weltrekorde geben, nicht zwischen Frauen und Männern unterschieden würde, gäbe es eher wenige Weltrekordlerinnen.
dernameistprogramm 19.06.2019
3. #2: Sie selbst vergleichen Frauen- mit Männerfußball
Hier geht es hingegen um den Vergleich der Anzahl geschossener WM-Tore. Völlig legitim, objektiv, intersubjektiv nachvollziehbar und reliabel. MfG
fluramtto 19.06.2019
4. @ nameistprogramm
Selbstverständlich ist Frauenfußball legitim, das will ich auch nicht in Zweifel ziehen. Marta wäre mit ihren Fähigkeiten (wie auch andere Spielerinnen) auch im Männerfußball (nicht ganz so) erfolgreich und würde bei einer Männer-WM das eine oder andere Tor erzielen, aber niemals einen Weltrekord erreichen. Deshalb soll und muss, wie z.B. beim von mir aufgeführten Vergleich im schwimmen oder, wie es beim Tennis eigentlich schon immer gehandhabt wird, der Unterschied zwischen Frauen und Männern gezogen werden. Das soll nicht bedeuten, dass die Leistung sondern die körperlichen Voraussetzungen differenziert werden müssen. Beispielsweise muss sich Caster Semenya einer androgensenkenden Behandlungen unterziehen, um weiter bei den Frauen starten zu können. Es gibt numal einen Unterschied zwischen Frauen- und Männersport. Und wenn in einem sportlichen Bereich eine Frau zu männlich und somit physisch stärker ist und damit quasi unschlagbar für andere Geschlechtsgenossinnen, wird eine zweifelhafte Regelung getroffen, die die "Chancengleichheit" wieder herstellt.0
stevenspielberg 19.06.2019
5.
Zitat von fluramttoSelbstverständlich ist Frauenfußball legitim, das will ich auch nicht in Zweifel ziehen. Marta wäre mit ihren Fähigkeiten (wie auch andere Spielerinnen) auch im Männerfußball (nicht ganz so) erfolgreich und würde bei einer Männer-WM das eine oder andere Tor erzielen, aber niemals einen Weltrekord erreichen. Deshalb soll und muss, wie z.B. beim von mir aufgeführten Vergleich im schwimmen oder, wie es beim Tennis eigentlich schon immer gehandhabt wird, der Unterschied zwischen Frauen und Männern gezogen werden. Das soll nicht bedeuten, dass die Leistung sondern die körperlichen Voraussetzungen differenziert werden müssen. Beispielsweise muss sich Caster Semenya einer androgensenkenden Behandlungen unterziehen, um weiter bei den Frauen starten zu können. Es gibt numal einen Unterschied zwischen Frauen- und Männersport. Und wenn in einem sportlichen Bereich eine Frau zu männlich und somit physisch stärker ist und damit quasi unschlagbar für andere Geschlechtsgenossinnen, wird eine zweifelhafte Regelung getroffen, die die "Chancengleichheit" wieder herstellt.0
Wie viele Tore Martha im Männerfußball erzielen würde, ist doch unerheblich. Frauen spielen gegen Frauen und Männer gegen Männer. Somit ist die Bedeutung eines Tores doch gleich, egal ob von einem Mann oder von einer Frau geschossen. Solche objektiven Werte wie Tore, Punkte oder Titel geschlechterübergreifend zu vergleichen ist doch absolut legitim, und auch in anderen Sportarten durchaus üblich. Z.B. hat im Tennis Serena Williams mehr Grand Slam – Titel gewonnen als Roger Federer. Dieser Vergleich beinhaltet aber in keiner Wiese die Unterstellung sie würde im direkten Vergleich ihn besiegen können.
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