Viertelfinal-Niederlage gegen Schweden Doppelt bitteres WM-Aus für Deutschland

Die WM in Frankreich ist für die deutsche Mannschaft vorbei. Trotz Führung verlor das Team im Viertelfinale gegen Schweden - und verpasst somit auch die Olympischen Spiele in Tokio.

Elsa / Getty Images

Die Fußball-WM in Frankreich geht ohne Deutschland weiter. Der Weltmeister von 2003 und 2007 scheiterte im Viertelfinale an Schweden. Ein frühes Tor von Lina Magull (16. Minute) reichte nicht, Sofia Jakobsson (22.) und Stina Blackstenius (48.) drehten die Partie noch zu einem 2:1 (1:1) für die Skandinavierinnen.

Das Aus für Deutschland ist gleichbedeutend mit dem Verpassen des Fußballturniers bei den Olympischen Spielen in Tokio im kommenden Jahr. Dort dürfen für Europa die drei Teams starten, die bei dieser WM am besten abschneiden. Damit haben Schweden, die Niederlande und England als Halbfinalteilnehmer ihren Platz in Tokio sicher. Deutschland hatte 2016 in Rio noch Gold gewonnen - im Finale gegen Schweden.

In Rennes dominierte Deutschland bei über 30 Grad die ersten Minuten, kombinierte gut und kam zu einigen Gelegenheiten. Alexandra Popp per Kopf (4.) und Lina Magull per Freistoß (6.) konnten Schwedens Torhüterin Hedvig Lindahl aber noch nicht wirklich fordern.

Schöner Spielzug vor dem 1:0 - dann der Ausgleich

Viel war im Vorfeld über den Einsatz von Spielmacherin Dzsenifer Maroszán spekuliert worden, die sich beim Auftakt gegen China vor drei Wochen einen Zeh gebrochen hatte. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg verzichtete vorerst auf die 27-Jährige. Sie kam nach der Pause.

Aber auch ohne den Superstar klappte zunächst vieles. Der vielleicht beste Angriff der deutschen Mannschaft bei diesem Turnier brachte dann die Führung. Sara Däbritz spielte genau im richtigen Zeitpunkt einen kurzen Pass auf Magull, die den Ball annahm und aus elf Metern per Drehschuss zum 1:0 traf (16.).

Das Ergebnis war dem Spielverlauf angemessen - doch danach drehten sich die Verhältnisse. Schweden hatte vor dem Gegentor schon einmal das schlechte Stellungsspiel der deutschen Defensive ausgenutzt, in der zwölften Minute aber konnte DFB-Torhüterin Almuth Schult noch per Fußabwehr gegen Jakobsson retten. Nach dem 1:0 für Deutschland wurde Schweden dann immer besser und Deutschland wackelte zusehends.

Die 22. Minute: Schwedens Innenverteidigerin Linda Sembrant spielt einen hohen langen Ball auf Mittelstürmerin Blackstenius. Marina Hegering ist eigentlich zur Stelle, verschätzt sich aber, so dass der Ball im Lauf von Schwedens Jakobsson landet. Die Angreiferin von HSC Montpellier zieht aus rund 14 Metern von halbrechts ab und Schult kann den Ball nicht mehr entscheidend ablenken - 1:1. In der 36. Minute nutzte Fridolina Rolfö eine erneut schlechte Abstimmung der deutschen Viererkette aus. Mit einem Steilpass spielte sie Blackstenius frei, Almuth Schult lenkte deren Schuss über die Latte.

Oberdorf vergibt die letzte große Chance

Zu Beginn der zweiten Hälfte kam dann Maroszán für Linda Dallmann in die Partie. Doch statt der erhofften Befreiung fiel schon drei Minuten später das 2:1 für die Schwedinnen. Wieder waren es die drei starken Angreiferinnen, die jeweils einen Tick schneller waren als die deutschen Verteidigerinnen. Jakobsson kam von rechts zum Flanken, Rolfö köpfte, Schult parierte zunächst, aber Blackstenius drückte den Ball zum 2:1 ins Tor (48.).

Danach kontrollierte Schweden ohne große Mühe die Partie. Blackstenius (71.) und Jakobsson (78.) brachten die deutsche Abwehr mit Einzelleistungen nochmal in Bedrängnis. Das DFB-Team probierte es immer wieder mit Flanken, die Torhüterin Lindahl aber ohne große Mühe abfing. Die eingewechselte Lena Oberdorf vergab die letzte große Chance, als sie nach einer Ecke am leeren Tor vorbeiköpfte (87.).

Schweden trifft nun am Mittwoch um 21 Uhr in Lyon auf die Niederlande. Das andere Halbfinale tragen ebenfalls in Lyon die USA und England am Dienstag aus (beide Partien im Liveticker bei SPIEGEL ONLINE).

Deutschland - Schweden 1:2 (1:1)
1:0 Magull (16.)
1:1 Jakobsson (22.)
1:2 Blackstenius (48.)
Deutschland: Schult - Gwinn, Doorsoun, Hegering, Simon (43. Maier) - Huth, Magull, Däbritz, Dallmann (46. Maroszán) - Popp, Schüller (70. Oberdorf) - Trainerin: Voss-Tecklenburg
Schweden: Lindahl - Glas, Fischer (66. Ilestedt), Sembrant, Eriksson - Rubensson (86. Björn), Seger - Jakobsson, Asllani, Rolfö (90.+5 Hurtig) - Blackstenius - Trainer: Gerhardsson
Schiedsrichterin: Stephanie Frappart (Frankreich)
Zuschauer: 15.000
Gelbe Karten: -, Rolfö

luk



insgesamt 63 Beiträge
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hileute 29.06.2019
1. Schade, aber wenig überraschend
es war das ganze Turnier über klar das der erste richtige Gegner Probleme machen würde, zu schwach waren die Leistungen das ganze Turnier über, und genauso hat es sich bestätigt, die Schweden waren einfach deutlich besser
hdwinkel 29.06.2019
2. Schade
Schade drum. Anfangs haben die deutschen Frauen sehr guten Fußball gespielt. Danach ging es dann aus unerklärlichen Gründen bergab. Ich habe den Eindruck, auch die Trainerin hat sich ein wenig verzockt.
batatero 29.06.2019
3. Absehbar
Mit der Einwechselung einer (uneingespielten) Marozan war mir klar, dass die Deutschen das verlieren. Dass Popp erst spät in die Spitze geht und die Deutschen bei technischer Überlegenheit nur blind nach vorne kloppen, muss man MVT schon anlasten.
BettyB. 29.06.2019
4. Kommt Zeit, kommt Rat
Verhalten bei Einwürfen kann man üben und lange Pässe soll man nur schlagen, wenn man zielsicher ist. Siehe das Spiel der Schweden...
cvdheyden 29.06.2019
5. Schade aber der Ergebnis ist ok!
Die Mannschaft ist sehr jung, die Trainerin hatte kaum Zeit. Es gab wenig Spiele mit der jungen Mannschaft. Das war zu sehen. Es fehlte die köperliche und psychische Robustheit, die erst noch aufgebaut werden muss. Dafür haben die Damen ein exzellentes Ergebnis erzielt. Dazu kann man nur gratulieren! Ich bin gespannt auf weitere Spiele. Ärgerlich das aus bei den Olympischen Spielen aber das kann man auch verschmerzen. Gebt den Damen Zeit, dann zeigen sie was sie drauf haben. Ich freue mich drauf.
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