Fußball-WM Fifa-Präsident Infantino mit "Equal Pay"-Rufen konfrontiert

Nach dem WM-Finale wollte Fifa-Präsident Gianni Infantino eigentlich nur Hände schütteln und den Pokal überreichen. Die Zuschauer in Lyon hatten es aber offenbar auf ihn und die Bezahlweisen des Weltverbands abgesehen.

Fifa-Präsident Gianni Infantino (links) mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.
Maja Hitij/Getty Images

Fifa-Präsident Gianni Infantino (links) mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.


Bei der Siegerehrung der Weltmeisterschaft in Frankreich haben Zuschauer im Stade de Lyon mit "Equal Pay"-Rufen für Aufsehen gesorgt. Als Fifa-Präsident Gianni Infantino den Rasen betrat, um den US-Spielerinnen zum WM-Titel zu gratulieren, skandierten die Fans die Forderung nach gleicher Bezahlung, unabhängig vom Geschlecht.

Auch die frisch gekürten US-Weltmeisterinnen fassten die Rufe nach dem Ende der Partie auf. "Ich fand das großartig", sagte die Torschützin zum 2:0, Rose Lavelle. "Ich denke, jeder ist bereit, diese Konversation auf die nächste Stufe zu heben", sagte Superstar Megan Rapinoe. "Wir sind durch mit der Frage, ob wir genau so viel verdienen sollten."

Alle Spielerinnen bei dieser WM hätten die unglaublichste Show gezeigt, mehr könnten sie nicht tun, sagte Rapinoe. "Was kommt als nächstes? Wie unterstützen wir die Frauenverbände auf der ganzen Welt? Was kann die Fifa tun?" Neben dem WM-Titel wurde die 34-Jährige auch zur besten Torschützin und besten Spielerin des Turniers gekürt.

Große Unterschiede bei Prämien

Hintergrund ist wohl eine Klage von 28 US-Nationalspielerinnen, die sie Anfang März gegen ihren Fußballverband eingereicht haben. Die Spielerinnen forderten, nicht länger aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert zu werden, da die Organisation ihnen deutlich weniger Geld zahle als den Männern.

Das Problem der ungerechten Bezahlung ist jedoch kein lediglich US-amerikanisches. Die deutschen Nationalspielerinnen hätten im Falle eines WM-Titels 275.000 Euro weniger pro Kopf bekommen als die Männer bei der WM 2018 in Russland.

Auch der Weltverband Fifa zahlt unterschiedliche Prämien an die jeweiligen Teilnehmerverbände aus. Während bei der WM der Frauen insgesamt rund 30 Millionen US-Dollar ausgezahlt werden, bekam bei den Männern Weltmeister Frankreich 2018 allein eine Prämie in Höhe von 38 Millionen US-Dollar.

hba

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insgesamt 63 Beiträge
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phillyst 07.07.2019
1.
Recht so. Mir geht war manchmal diese Quoten-Gleichheits-Diskussion auf die Nerven - da bin ich ganz ehrlich - aber ich weiss eben auch, dass sie wichtig und richtig ist. Gerade beim Sport sollte so viel Fairness eigentlich selbstverständlich sein. Meine persönliche Lösung - die bisher an Frauen und Männer gezahlten Gelder in einen Topf und 50:50 zwischen Männern und Frauen aufteilen. Erledigt. Am Ende bleiben Beide für meine Begriffe grandios überbezahlt, aber wenigstens gleich überbezahlt.
stefanmargraf 07.07.2019
2. Richtig wäre es die Prämien zu senken
Also, die der Männer, und dann natürlich gleiche Bezahlung. Das ist eventuell nicht das, was die Frauen hören wollen. Aber das Geld, was die Kicker bekommen, steht in keinem Verhältnis zu ihrer Unterhaltungsleistung, ist moralisch gegenüber Arbeitenden in der ganzen Welt nicht vertretbar und hat was von Todsünde. Auch, auf welche Weise es viele verprassen.
teo_tanatos 08.07.2019
3. Weniger views, weniger Klicks, weniger Geld
Wie sich die Klägerinnen selbst eingestehen müssten ist das Interesse an Frauenfussball einfach nicht so gross. Deswegen wird weniger durch Werbung und Sponsoring verdient. Es hat nichts mit Diskriminierung von Frauen zu tun. Oder werde ich diskriminiert weil mein YouTubekanal nur 19 views hat und ich nicht eine Million durch Werbung verdiene? Einfach mal den Ball flach halten.
profSW 08.07.2019
4. Equal-Pay for what?
Ich tue mich schwer mit dieser Debatte. Im Gegensatz zu manch anderer Equal-Pay-Debatte (z.B. in der Wirtschaft beim gleichen Job) tue ich mich hier schwer. Denn Equal-Pay greift ja gerade nur dann, wenn die bezahlte Leistung auf gleichem Niveau liegt. Mir fallen beim Fußball ad hoc zwei Kriterien/Metriken ein, nach der man hier Leistung vergüten könnte: 1. Fußball-Spielerisches Können: Da sind die Frauen m. E. tendentiell nicht schlechter gestellt (wobei ich bisher kaum valide Zahlen gefunden habe). Aber nehmen wir die rund 75.000€ Siegprämie für eine WM-Siegerin, das ist deutlich mehr als bei einem entsprechenden Turniererfolg in der Männer-Jugend-Abteilung erwarten kann und gegen selbige verlieren die Frauen doch recht regelmäßig bei Testspielen (https://www.sport1.de/fussball/frauen-mehr/2017/07/frauenfussball-weltmeister-usa-unterliegt-einer-u15-auswahl-aus-dallas oder auch https://www.welt.de/sport/article155716116/Australiens-Fussballfrauen-verlieren-gegen-U-15-Jungs.html etc) 2. Entertainment/PR-Erfolge: Auch hier sind die Zuschauerzahlen in Stadien bzw. vor dem Fernseher noch immer um ein Vielfaches geringer: - Frauen im Schnitt 833 Zuschauer pro Buli-Spiel, Männer mit dagegen mit 43.467 Zuascheu pro Buli-Spiel. [siehe https://www.fupa.net/liga/1-bundesliga-frauen/zuschauer und https://www.transfermarkt.de/1-bundesliga/besucherzahlen/wettbewerb/L1/plus/?saison_id=2018] - Beispiel Frankreich-Spiele bei dieser WM im französischen Fernsehen: 10,106 Millionen Zuschauer (neuer Rekord!), aber die französischen Männer dagegen 42,205 Mio. bei der WM 2018 (https://de.fifa.com/womensworldcup/news/zahlen-und-fakten-zur-gruppenphase) Also etwas mehr argumentativer Untergrund für "equal-pay" würde mich da schon interessieren...
spon_1873159 08.07.2019
5. Recht so!
Und dass die Damen einen verdammt guten Fussball spielen, dürfte keine Überraschung mehr sein!
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