Kleines WM-Finale Angeschlagene Asllani führt Schweden zum Sieg

Schweden und England haben das ungeliebte Spiel um Platz drei zu einem weiteren Highlight dieser Weltmeisterschaft gemacht. Kosovare Asllani rückte wieder ins Team - und erzielte ein wichtiges Tor.

Kosovare Asllani (r.)
Robert Cianflone Getty Images

Kosovare Asllani (r.)


Deutschland-Bezwinger Schweden hat das kleine Finale der WM 2019 gegen England 2:1 (2:1) gewonnen. Damit sicherten sich die Schwedinnen zum dritten Mal nach 1991 und 2011 den dritten WM-Platz. Das Team von Trainer Peter Gerhardsson profitierte von einer starken Anfangsphase mit Toren von Schwedens bester Spielerin Kosovare Asllani (11. Minute) und Sofia Jakobsson (22.). England verkürzte durch Fran Kirby (31.) und kam zu weiteren guten Chancen, schaffte es aber nicht, mit einem zweiten Tor eine Verlängerung zu erzwingen.

Partien um dritte Plätze sind bei Spielerinnen und Spielern unbeliebt, nach einem verlorenen Halbfinale ist die Motivation gering. Doch davon war in Nizza nichts zu spüren: Beide Teams wollten die WM unbedingt mit einem Sieg beenden.

Den besseren Start erwischten die Schwedinnen. Nach einem Fehler der wieder ins englische Team gerückten Linksverteidigerin Alex Greenwood kam Asllani 14 Meter vor dem englischen Tor frei zum Schuss und ließ Carly Telford keine Chance. Die Schwedin war bei der 0:1-Niederlage im Halbfinale gegen die Niederlande kurz vor Schluss mit einer Kopfverletzung vom Platz getragen worden, konnte nun aber trotzdem auflaufen.

In dieser Phase taten sich die Engländerinnen sehr schwer, ihr dominantes Ballbesitz-Spiel aufzuziehen. Schweden eroberte im Mittelfeld viele Bälle und ein Konter ermöglichte den zweiten Treffer: Stina Blackstenius passte auf die linke Seite zu Rechtsaußen Jakobsson, die kurz zuvor die Außenbahn gewechselt hatte. Die ehemalige Spielerin des BV Cloppenburg zog in die Mitte und schlenzte den Ball unbedrängt ins lange Eck.

Mit dem Anschlusstor von Kirby, die nach schöner Einzelleistung traf, schwand die Überlegenheit der Schwedinnen und bis zur Pause hatten die Lionesses gute Chancen auf den Ausgleich. Torjägerin Ellen White überwand sogar Torhüterin Hedvig Lindahl, die ihre internationale Karriere nach dem Spiel beendet, doch White hatte in der Entstehung den Ball mit der Hand berührt und so wurde der Treffer nach einer Meldung des Videoassistenten Felix Zwayer zu Recht aberkannt. White kam in der Nachspielzeit zu einer weiteren großen Torchance, traf den Ball im Strafraum aber nicht richtig. Somit liegt sie mit sechs Toren weiter gemeinsam mit Alex Morgan an der Spitze der Torjägerinnenliste, die Amerikanerin hat allerdings zusätzlich schon drei Tore vorgelegt kann im Kampf um den Goldenen Schuh nur noch von Teamkollegin Megan Rapinoe (fünf Tore, drei Vorlagen) verdrängt werden.

In der zweiten Hälfte kam Asllani nicht zurück auf den Platz, womöglich eine Folge ihrer Verletzung aus dem Halbfinale. Die Engländerinnen drängten auf den Ausgleich, kamen aber nur noch selten zu Großchancen. Trainer Phil Neville brachte mit Jodie Taylor eine weitere Stürmerin und versetzte White auf die linke Seite. Dieser Schachzug ging nicht auf. Die beste Gelegenheit vergab Rechtsverteidigerin Lucy Bronze, die nach einer zu kurzen Faustabwehr von Lindahl im Strafraum abzog, Nilla Fischer klärte mit dem Kopf auf der Linie (90.).

England - Schweden 1:2 (0:1)
0:1 Asllani (11.)
0:2 Jakobsson (22.)
1:2 Kirby (31.)
England: Telford - Bronze, Houghton, McManus (83. Daly), Greenwood - Kirby, Scott, Moore - Parris (74. Carney), White, Mead (50. Taylor)
Schweden: Lindahl - Glas, Fischer, Sembrandt, Eriksson - Björn (72. Ilsestdt), Asslani (46. Zigiotti), Seger - Jakobsson, Blackstenius, Rolfö (27. Hurtig)
Schiedsrichterin: Pustovoytova (Russland)
Gelbe Karten: Moore - Lindahl
Zuschauer: 20.316

krä

insgesamt 8 Beiträge
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conillet 06.07.2019
1. Die sympathischen Schwedinnen .....
..... wirkten in diesem Spiel deutlich motivierter und besser aufgelegt als die wohl noch immer vom als ungerecht empfundenen Halbfinalaus gefrusteten Engländerinnen. Hoffentlich sind die anderen vermeintlichen Außenseiter morgen genauso "chancenlos".....
kajoter 06.07.2019
2. Siegerehrung
Schade. Unter den Schwedinnen war keine Rapinoe, die gegenüber Infantino eventuell eine klare Haltung bei der Siegerehrung hätte einnehmen können. Das wird morgen wohl auch nicht geschehen, aber verdient hätte er es. Und die Frauen würden damit zeigen, dass sie den Männern in Bezug auf Haltung und Intelligenz überlegen wären.
hm2013_3 06.07.2019
3. es ist mir aufgefallen
da waren kaum fauls, die Schiri hat wirklich selten pfeifen müssen. Was die Qualität des Spiels betrifft, war es unter dem Niveau der 3. Bundesliga der Männer. Frauen müssen sich verbessern; sie schaffen es bei anderen Spielen wie Tennis oder Handball.
zaunreiter35 06.07.2019
4. Alter Schwede!
Da haben die alten Damen um Seger und Fischer ja noch mal gezeigt, was sie können. Mit zwei frühen Toren haben sie die Engländerinnen geschockt, aber die haben sich natürlich nicht aufgegeben. Bei der Gluthitze von 31° Celsius in Nizza hat sich dann aber doch ein gutes und kämpferisches Spiel entwickelt, wo am Ende die ausgelaugten Schwedinnen doch noch mal wackelten. Aber Nilla Fischer mit ihrer Rettungstat hat dann doch für die Bronzemedaille gesorgt. Meinen Glückwunsch dazu! Und Fridolina Rolfö sollte jetzt erst mal die Beine hochlegen und eine sorgfältige Genesung betreiben, bevor sie ihren Dienst an der Aller antritt.
Stereo_MCs 06.07.2019
5.
Schade, England war klar besser. Allerdings mit ihrer C-Torhüterin war nicht mehr drin. Dei war schon gegen die USA an beiden Toten mitschuld, sprich die hätten mit ihrer Nummer 1 durchaus im Finale stehen können. Und heute beim 1:0, Katastrophe. 2:0 war natürlich unhaltbar. Aber sie bekommt nicht mal einen Abschlag über die Linie. Schade, dass sich die Nr. 1 verletzt hat.
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