DFB-Sieg über Südafrika Die Pflicht ist erfüllt

Drittes Spiel, dritter Sieg, zum dritten Mal ohne Gegentreffer: Die Bilanz des DFB-Teams nach der Gruppenphase ist zunächst einmal makellos. Ab dem Achtelfinale darf dann auch noch zielstrebiger gespielt werden.

Klara Bühl, Giulia Gwinn und Alexandra Popp können durchatmen
Sebastian Gollnow DPA

Klara Bühl, Giulia Gwinn und Alexandra Popp können durchatmen

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Szene des Spiels: In der 40. Minute lief es einmal so, wie es sich Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg wohl schon für das gesamte Turnier vorgestellt hat. Ein schneller, präziser Angriff landete bei Giulia Gwinn. Die flankte punktgenau auf den Kopf von Alexandra Popp, die wuchtig das 3:0 erzielte. So stand es genauso im Lehrbuch. Szenen dieser Qualität gab es in der Vorrunde zu wenige.

Ergebnis des Spiels: 4:0 (3:0) gegen Südafrika, der Gruppensieg ist perfekt. Vier verschiedene Treffer, vier verschiedene Schützinnen: Melanie Leupolz (14. Minute), Sara Däbritz (29.), Alexandra Popp (40.), Lina Magull (58.). Dazu kamen noch zwei Abseitstore. Der detaillierte Spielbericht ist hier zu finden, der Livekommentar hier.

Die erste Halbzeit: Bis zum ersten deutschen Tor nach einer knappen Viertelstunde hatten die Südafrikanerinnen ein einziges Mal und nur für sehr kurze Zeit die deutsche Hälfte betreten. Von einem Spiel auf Augenhöhe war also vom Anpfiff an keine Rede. Die Dominanz des DFB-Teams war mit dem 3:0-Pausenstand auch angemessen gespiegelt. Es hätte da schon weit höher stehen können, müssen. Dass Popp aus vier Metern den Ball übers leere Tor schießt, passiert ihr im weiteren Turnierverlauf aus deutscher Sicht hoffentlich nicht mehr.

Die zweite Halbzeit: Mit dem sicheren Gruppensieg im Gefühl hätte man in der zweiten Hälfte ein erheblich befreiteres deutsches Spiel warten können. Ein bisschen mehr Kür, ein bisschen mehr Champagner. Allerdings war es auch noch am frühen Abend in Montpellier recht warm, und ans Limit musste die Elf beileibe nicht mehr gehen. Lina Magull traf noch zum 4:0. Ansonsten schossen die DFB-Offensivspielerinnen Andine Dlamini, die Torfrau Südafrikas, dermaßen warm, dass sich am Ende keiner mehr an ihren kruden Fehler aus der ersten Hälfte, der zum 2:0 durch Däbritz führte, erinnerte.

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Deutschlands Sieg gegen Südafrika: Vier Treffer und viele Fragezeichen

Spielerin des Spiels: Magull war von der Bundestrainerin im Vergleich zum Spanienspiel neu in die Startelf beordert worden, und die 24-Jährige Münchnerin machte das, was Profis des FC Bayern meistens tun: Sie übernahm gleich das Kommando im Mittelfeld, war in der etwas nervösen Anfangsphase die Beste und belohnte sich mit einem Tor. Der Konkurrenzkampf im Mittelfeld fürs Achtelfinale hat einen Namen mehr.

Zahl des Spiels: Die Null. Die Gruppenphase ist vorbei, und Torfrau Almuth Schult wartet noch auf das erste Gegentor. Es gab mal eine deutsche Torhüterin, die hat sogar das komplette WM-Turnier überstanden, ohne einen einzigen Treffer zu kassieren. Nadine Angerer wurde 2007 dann auch Weltmeisterin. Man darf vielleicht behutsam daran erinnern. Mit aller gebotenen Zurückhaltung.

Tipper des Spiels: DFB-Direktor Oliver Bierhoff war nach Montpellier gekommen, um selbstredend zu betonen, wie wichtig die Frauen dem Deutschen Fußball-Bund sind. Sein 3:0-Tipp vor der Partie war ähnlich wie das Spiel des deutschen Teams: Nicht schlecht, aber auch nicht perfekt.

Erkenntnis des Spiels: Drei Spiele, drei Erfolge. Gruppenerste. Zwar geht das Turnier jetzt erst so richtig los. Aber auch die Vorrunde zu überstehen, ist nicht jedem DFB-Team gegeben.

Südafrika - Deutschland 0:4 (0:3)
0:1 Leupolz (14.)
0:2 Däbritz (29.)
0:3 Popp (40.)
0:4 Magull (58.)
Südafrika: Dlamini - Ramalepe, van Wyk, Matlou, Vilakazi - Biyana (89. Smeda), Jane, Makhabane - Mthandi (46. Mulaudzi), Fulutudilu (46. Kgatlana), Ndimeni
Deutschland: Schult - Gwinn, Doorsoun, Hegering, Schweers (46. Simon) - Leupolz, Magull - Huth (59. Dallmann), Däbritz - Popp, Bühl (66. Schüller)
Gelbe Karten: Ramalepe, Vilakazi, Mulaudzi / Magull
Schiedsrichterin: Sandra Braz (Portugal)

insgesamt 9 Beiträge
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snigger 17.06.2019
1. glückwünsche
an dieser stelle zum erreichen der KO-Runde ...
clift 18.06.2019
2. Frauen "dürfen"?
"...darf dann auch noch zielstrebiger gespielt werden." Dieser Satz würde so nie über einer Männerteam geschrieben werden. Männer machen, Frauen dürfen?
skywalkerffm 18.06.2019
3. Bei den Männer...
würden jetzt schon alle vom Titel träumen. Bei den Frauen heist es nach drei zu-0-Spielen 'geht so'. Oh man...
sapiens-1 18.06.2019
4. @# 2 clift
Frauen "dürfen"? "...darf dann auch noch zielstrebiger gespielt werden." Dieser Satz würde so nie über einer Männerteam geschrieben werden. Männer machen, Frauen dürfen? Sie insinuieren da ne latente herablassende Haltung gegen Frauen? Ich glaube, sie haben da weder die Ironie des Satzes verstanden noch die implizite Beißhemmung gegenüber der Leistungen von Frauen mitbekommen. Eine Spielerin hat wohl nach dem Spiel gesagt, die deutsche Mannschaft habe "einfach deutlich besser Fußball gespielt" So kann man es auch ausdrücken, ich würde dazu sagen "deutlich besser" heißt aber noch lange nicht gut. Ebenso wurde nicht die Qualität des Gegners berücksichtigt, die Südafrikanerinnen waren mit Abstand der schlechteste Gruppengegner. Der Autor wollte einfach ausdrücken, daß er, trotz des klaren Sieges, immer noch größere Defizite im Spiel der Mannschaft sieht und da hat er meiner Meinung nach recht. Bei Frauen, das ist die Beißhemmung, wird Kritik, aus Angst in die Misogynie-Falle zu tappen, eben nicht deutlich ausgedrückt... Übrigens: Ich habe solche Kritik auch schon an Männermannschaften adressiert gehört. Da der der gemeine Fußballfan aber eher weniger was mit Ironie anfängt kommt das doch seltener vor, da sei konzediert.
Ventil4tor 18.06.2019
5. Top
Deutschland wird ohne Gegentor Gruppenerster bei der Fussball WM. Da baden die Frauen mit grandioser Leistung den Mist vom letzten Jahr aus und es gibt nicht einen Autokorso?! Ehrlich... was ist das?? Die ballern 4 Tore und rennen wie der Teufel bei 30 Grad, aber es bleibt grauer Alltag im Land. Muss man alles nicht verstehen. Ich finde, die WM 2019 ist der Punkt, an dem Frauen in diesem Sport endlich auch vom letzten Hater akzeptiert werden sollten! Mir gefällt das deutlich mehr was dort zu sehen ist, selbst von einer abgezockten Mannschaft wie Thailand. Danach U21 EM Spiel gesehen. Gott war das langweilig und dann lieber zu den Frauen umgeschaltet. Ich weiß ja nicht wie es anderen geht, aber ich vermisse seit mehreren WM's und EM's den schönen Fussball bei den Herren. Alles nur noch riesen PR Show und auf dem Platz sind selbst Stars wie Messi und Ronaldo zum einschlafen. Keine starken Dribblings, nichts. Bei den Frauen in jedem Spiel. Werd glaube nur noch dort einschalten, das macht mehr Spaß.
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