Fußball-WM England spaziert ins Viertelfinale

Im Achtelfinale traf England auf die in der Vorrunde überraschend starken Dänen. Doch wer auf ein spannendes und ausgeglichenes Spiel gehofft hat, wurde enttäuscht. Die Engländer machten bereits in der ersten Halbzeit alles klar.


Klare Sache: David Beckham feiert mit Michael Owen (r.) das 2:0
AP

Klare Sache: David Beckham feiert mit Michael Owen (r.) das 2:0

Niigata - Auf dem Weg zum zweiten WM-Triumph nach 1966 hat England eine weitere Hürde genommen. David Beckham und Co. feierten einen überraschend ungefährdeten 3:0 (3:0)-Sieg im Achtelfinale gegen Dänemark und zogen damit erstmals seit 1990 wieder in die Runde der letzten Acht ein. Dort winkt am Freitag in Shizuoka (8.30 Uhr MESZ) ein Viertelfinale gegen Rekord-Weltmeister Brasilien, der sich vorher mit Belgien auseinander setzen muss.

Vor 40.582 Zuschauern, darunter 8500 englischen Schlachtenbummlern, im Stadion Big Swan von Niigata besiegelten Rio Ferdinand in der 5., Michael Owen in der 22. und Emile Heskey in der 44. Minute schon im ersten Durchgang den Sieg über die konsternierten Dänen, die gleich zu Beginn der Begegnung kalt erwischt wurden und durch einen schweren Fehler ihres Torwarts Thomas Sörensen in Rückstand gerieten. Schiedsrichter Dr. Markus Merk aus Kaiserslautern hatte mit der Leitung des Spiels keinerlei Probleme.

England ging mit derselben Startformation wie im letzten Gruppenspiel gegen Nigeria (0:0) ins Spiel, bei den Skandinaviern rückte wieder der Schalker Ebbe Sand ins Team. Der Stürmer, neben Thomas Gravesen bester Däne auf dem Platz, hatte gegen Frankreich (2:0) aus taktischen Gründen pausieren müssen. Auch die angeschlagenen Jon Dahl Tomasson (Leiste) und Stig Töfting (Fuß) durften von Beginn an auflaufen.

Der Anfang vom Ende: Rio Ferdinand köpft aufs Tor, Thomas Sörensen lässt anschließend den Ball durch die Finger gleiten
AFP

Der Anfang vom Ende: Rio Ferdinand köpft aufs Tor, Thomas Sörensen lässt anschließend den Ball durch die Finger gleiten

Noch am Morgen hatten die englischen Boulevard-Zeitungen den eigenen Anhang auf das 15. Aufeinandertreffen mit den Dänen, die den letzten und bis dato einzigen Sieg am 21. September 1983 in Wembley (1:0) gefeiert hatten, eingeschworen. "Heute werden Hagar's Jungs ausgestopft", titelte die "Sun", und der "Daily Mirror" schrieb: "Nach dem Frühstück gibt es Danish Bacon zum Lunch."

Der frühe Angriffswirbel der Engländer, die in Ashley Cole, Danny Mills und Trevor Sinclair ihre besten Kräfte besaßen, erwischte die Dänen auf dem völlig falschen Fuß. Als David Beckham in der 5. Minute eine präzise Ecke vor das Tor schlug und Ferdinand köpfte, lenkte Sörensen den Ball, den er schon gefangen zu haben schien, über die eigene Torlinie. Auch dem zweiten und dritten Treffer gingen schwere Abwehrfehler der Dänen voraus. Erst in der Schlussphase kamen die Dänen noch zu einigen Möglichkeiten, der eingewechselte Claus Jensen scheiterte mit der größten in der 85. Minute an Schlussmann David Seaman.

"Wir haben unseren Fans ein schönes Wochenende bereitet", frohlockte Englands Trainer Sven-Göran Eriksson. "Vielleicht haben wir heute ein wenig Glück gehabt durch das frühe Tor. Vor allem haben wir eine sehr gute Verteidigung gespielt. Die Dänen haben zwar oft den Ball gehabt, aber nichts daraus gemacht und keine großen Chancen heraus gespielt. Wir sind jetzt erst im Viertelfinale, in dem ich mit Brasilien rechne. Jetzt haben wir sechs Tage Zeit, um uns vorzubereiten und Verletzungen auszuheilen." Bei den Engländer laboriert Michael Owen an einer Leistenverletzung, Paul Scholes schmerzt es im Sprunggelenk.

Dänemarks Coach Morten Olsen war zwar enttäuscht über die Art und Weise, wie sich seine Mannschaft gegen England präsentiert hat, aber insgesamt zufrieden mit dem Abschneiden seiner Mannschaft bei dieser WM. "Wir haben gar nicht schlecht gespielt, aber zu viele Fehler gemacht", so Olsen. "Der frühe Rückstand war natürlich fatal. Danach haben wir aber gut reagiert. Aber als wir wieder durch einen Fehler kurz vor der Pause das dritte Tor kassierten, war das Spiel vorbei. Denn gegen eine so starke englische Abwehr ein 0:3 aufzuholen, ist unmöglich."

Dänemark - England 0:3 (0:3)
0:1 Sörensen (4., Eigentor)
0:2 Owen (22.)
0:3 Heskey (44.)
Dänemark: Sörensen - Helveg (6. Bögelund), Henriksen, Laursen, Niclas Jensen - Töfting (58. Claus Jensen), Gravesen, Tomasson - Rommedahl, Sand, Grönkjaer
England: Seaman - Mills, Campbell, Ferdinand, Ashley Cole - Beckham, Butt, Scholes (49. Dyer), Sinclair - Owen (46. Fowler), Heskey (69. Sheringham)
Schiedsrichter: Merk (Kaiserslautern)
Zuschauer: 40.582
Gelbe Karten: Töfting - Mills



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