Fußball-Bundestrainer Hansi Flick »Dass in Katar beim Thema Menschenrechte, beim Thema Nachhaltigkeit vieles nicht stimmt, ist ja offensichtlich«

In bisher ungekannter Schärfe hat Hansi Flick die Vergabe der Fußball-WM an Katar kritisiert. Auch bei der Beschreibung der Zustände in dem Golfstaat wurde der Bundestrainer deutlich.
Hansi Flick (am 7. Juli)

Hansi Flick (am 7. Juli)

Foto: IMAGO/Kirchner/Marco Steinbrenner / IMAGO/Kirchner-Media

In zwei Monaten rollt der Ball, in Katar beginnt dann die Fußballweltmeisterschaft (20. November bis 18. Dezember). Im Vorfeld hatte es bereits hitzige Debatten über die Vergabe und die Verhältnisse in dem Land gegeben. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) übte dabei einen Spagat zwischen Vorfreude und Kritik. Nun hat sich Bundestrainer Hansi Flick klar geäußert.

Die Frage nach der Richtigkeit des WM-Zuschlags für Katar »hätte schon viel früher beantwortet werden müssen – und zwar mit einem Nein!«, sagte Flick in einem Interview mit der »Süddeutschen Zeitung«.

An seiner Unterstützung für Kritik an den Bedingungen im Land der WM-Gastgeber und der Entscheidung des Weltverbandes Fifa für die Ausrichtung des Turniers in dem Wüstenstaat ließ der 57-Jährige keinerlei Zweifel bestehen: »Dass in Katar beim Thema Menschenrechte, beim Thema Nachhaltigkeit vieles nicht stimmt, ist ja offensichtlich.«

So eindeutig wie nun Flick hat sich in den jahrelangen Debatten über die WM-Endrunde am Golf beim DFB noch kein Mitglied gegenüber den Gastgebern positioniert. Geschäftsführer Oliver Bierhoff verpackte seine Skepsis zuletzt in der Frage »Wie konnte die Fifa die WM in dieses Land vergeben?«.

Verbandschef Bernd Neuendorf bezeichnete vor seiner für Oktober mit Bundesinnenministerin Nancy Faeser geplanten Katarreise das Vergabeprozedere als »fragwürdig«. Zuletzt hatte er angekündigt, bei seiner Reise die Verbesserung der Menschenrechtslage im Gastgeberland nochmals anmahnen zu wollen.

Auch Flick hatte sich bis zu Wochenbeginn erst an die Thematik herangetastet und erst noch im August bedauert, »dass dieses Turnier keine WM für die Fans wird«. Er habe viele Bekannte, sagte Flick vor Monatsfrist zur Begründung seiner Haltung, »die gerne nach Katar fliegen würden, es aber aus vielerlei Gründen unterlassen«. Sie könnten sich die Preise nicht leisten, die Situation etwa für Homosexuelle sei inakzeptabel, es gebe Menschenrechtsverletzungen, weil Minderheiten ausgegrenzt würden.

Verantwortung für Todesfälle auf Baustellen

Bei einem Kongress zum Thema »Sport und Menschenrechte« auf dem Campus des Deutschen Fußball-Bunds in Frankfurt am Main war am Wochenende auch die Rolle des DFB und der Fifa hinterfragt worden.

Konkret forderte die Gewerkschaft Bau- und Holzarbeiter Internationale (BHI) von der Fifa die Einrichtung eines Entschädigungsfonds in Höhe von 440 Millionen US-Dollar für die Angehörigen von Arbeitern, die auf WM-Baustellen gestorben sind oder verletzt wurden.

Geschäftsführer Christian Mihr von »Reporter ohne Grenzen« beschrieb Katar bei der Veranstaltung als »absolute, autokratische Monarchie«, die durch ihre Investitionen in Sport sowie Medien die kritische Lage hinsichtlich von Presse- und Meinungsfreiheit »verschleiern« möchte.

Das Land, das in der Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 119 (von 186) liegt, unterbinde unabhängigen Journalismus und investiere in Internetüberwachung.

jok/sid
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