SPIEGEL-Umfrage Große Mehrheit für einen Boykott der Fußball-WM in Katar

Heute beginnt für die Nationalelf die WM-Qualifikation für Katar 2022. Eine SPIEGEL-Umfrage zeigt: Eine große Zahl der Befragten lehnt das Turnier im Emirat ab und fordert mehr Engagement vom DFB.
Fifa-Präsident Gianni Infantino, Katars Emir Tamim bin Hamad Al Thani in Doha (2019)

Fifa-Präsident Gianni Infantino, Katars Emir Tamim bin Hamad Al Thani in Doha (2019)

Foto: Anadolu Agency / Getty Images

Deutlicher geht es kaum: Eine übergroße Mehrheit hält die Austragung der Fußball-WM 2022 in Katar für falsch, mehr als zwei Drittel der Deutschen befürworten zudem einen Boykott der WM vonseiten des DFB. Das sind die Ergebnisse einer bevölkerungsrepräsentativen Civey-Umfrage unter Deutschen ab 18 Jahren, die der SPIEGEL anlässlich des Starts der WM-Qualifikation in Auftrag gegeben hat.

Demnach halten 83 Prozent die Vergabe des Turniers an Katar grundsätzlich für falsch, nur 6,0 Prozent sind anderer Ansicht und finden es richtig, dass das Emirat die WM austragen darf.

Auch bei der Frage, ob der DFB weitergehen und die WM boykottieren solle, ist das Stimmungsbild ähnlich eindeutig: 68 Prozent sind für einen Boykott, hier ist eine Minderheit von 21 Prozent der Meinung, Deutschland solle trotzdem an dem Turnier teilnehmen.

Wie halten es die Deutschen selbst mit ihrem Fußballkonsum, was die WM anbetrifft? Oft ist es so, dass viel über Boykott geredet wird, es dann aber doch nicht geschieht. Zumindest aktuell zeigen sich die Deutschen überzeugt: Eine klare Mehrheit würde sich das Turnier auch nicht aus der Ferne vor dem eigenen TV anschauen. Immerhin 65 Prozent sagen, Stand März 2021: Wir gucken dabei nicht zu.

Mehr Engagement wünschen sich die Deutschen auch vom Verband: Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) solle viel lauter als bisher auf die Menschenrechtsverletzungen in Katar hinweisen – das sagen 81,6 Prozent. Nur 9 Prozent finden, dass dies jetzt schon angemessen geschieht.

Aus dem Fußball hört man oft das Argument, der Sport trage durch die Ausrichtung von Großereignissen in Regionen wie Katar dazu bei, die Menschenrechtslage zu verbessern, das Land offener zu machen. Daran glaubt die Mehrheit der Umfrage nach nicht: 87,8 Prozent halten eine solche Erwartung für unrealistisch.

Noch sind es fast 20 Monate bis zum Start der Winter-WM in Katar – aber wenn sich das Meinungsbild nicht grundlegend ändert, wird dies vermutlich die unbeliebteste sportliche Großveranstaltung, die es bisher gab.

aha