Reaktionen zum US-Sieg gegen Iran »Sie haben es geschafft!«

US-Präsident Biden zeigt sich nach dem WM-Sieg über Iran beschwingt. In Teheran wurde das Ergebnis teils mit Schadenfreude gegenüber der Regierung aufgenommen: »War wohl nichts.«
Joe Biden (am 29. November)

Joe Biden (am 29. November)

Foto: Yuri Gripas / POOL / EPA

Es war eine Partie mit klaren politischen Untertönen. Am Ende bejubelten die USA bei der Fußball-WM in Katar einen 1:0-Sieg gegen Iran und den Einzug ins Achtelfinale. Für den Gegner ist das Turnier hingegen beendet.

US-Präsident Joe Biden gab sich angemessen euphorisch ob des hart erkämpften Erfolgs der Mannschaft. Nach einem doppelten »USA, USA«-Ruf und mit zur Faust geballter Hand berichtete Biden am Rande einer Rede zu seiner Wirtschaftspolitik in Michigan von einem Gespräch mit dem Team im Vorfeld und schloss: »Sie haben es geschafft!« Man müsse die Mannschaft einfach lieben. Zuvor war er erneut ans Rednerpult getreten und hatte gesagt: »US eins, Iran null. Das Spiel ist aus!«

Das 1:0 sicherte den USA Rang zwei in der Gruppe und die Qualifikation fürs Achtelfinale. Dort geht es am Samstag gegen die Niederlande. Die USA sind in vier Jahren gemeinsam mit Mexiko und Kanada Gastgeber der nächsten Fußball-Weltmeisterschaft.

In der iranischen Hauptstadt Teheran haben Autofahrer nach der WM-Niederlage vereinzelt ihre Schadenfreude ausgedrückt. An belebten Plätzen riefen Menschen in der Nacht zu Mittwoch etwa: »War wohl nichts mit Eurem Nationalteam«. Sie spielten damit auf die hohen politischen und sportlichen Erwartungen an das Team an.

Die Spieler standen angesichts der landesweiten Proteste durch den heimischen Fußballverband stark unter Druck. Politiker hatten sich einen Sieg gegen den Erzfeind USA und dadurch Rückendeckung in der Innenpolitik erhofft. Irans Führung habe viel politischen Druck vor dem Spiel ausgeübt, erklärte ein Sportjournalist in Teheran.

Auch Frust war auf den Straßen zu vernehmen, wie Augenzeugen berichteten. In sozialen Medien wurden Videos verbreitet, in denen Protestslogans von Balkonen der Wohnviertel zu hören waren. Menschen riefen darin »Tod dem Diktator« – als Anspielung auf das geistliche Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei.

Bereits nach Anpfiff hatten viele Iraner im Netz die Aufmerksamkeit genutzt, die jüngsten Todesopfer im Rahmen der Proteste beim Namen zu nennen. »Nun freuen sich die Revolutionäre über eine Niederlage des Teams der Islamischen Republik«, schrieb die bekannte iranische Sozialaktivistin Atena Daemi auf Twitter.

Protest gegen Iran im Stadion

Während des Spiels hatten Aktivistinnen der russischen Punk-Gruppe auf der Tribüne für Frauenrechte in Iran protestiert. Sie trugen im Al-Thumama Stadion in Doha T-Shirts mit der Aufschrift »Woman Life Freedom« (»Frau Leben Freiheit«) und dem Logo des iranischen Fußballverbands. Einige von ihnen hatten zudem bunte Sturmhauben auf dem Kopf, wie auf Bildern zu sehen war.

Ein Sprecher von Cinema for Peace bestätigte der Nachrichtenagentur dpa, dass es sich um Mitglieder von Pussy Riot handelte. Einem Bericht der Nachrichtenagentur AP zufolge skandierten die Frauen auch den Slogan der Protestbewegung in Iran.

Iran wird seit Wochen von schweren Protesten erschüttert. Auslöser war der Tod der iranischen Kurdin Jina Mahsa Amini Mitte September. Sie starb in Polizeigewahrsam, nachdem sie wegen Verstoßes gegen die islamischen Kleidungsvorschriften verhaftet worden war. Nach Einschätzungen von Menschenrechtlern wurden seitdem mindestens 450 Demonstranten getötet und rund 18.000 Protestteilnehmer verhaftet.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben die Übersetzung von Joe Bidens Äußerung angepasst und paraphrasiert. Im Original sagte der US-Präsident: »God love 'em!«

jok/dpa
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