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USA vor WM-Spiel gegen Deutschland Klinsmann kopiert sich selbst

Zwei Spiele, vier Punkte: Die USA sind eine der großen Überraschungen dieser WM. Jetzt will Trainer Klinsmann einen Sieg gegen Deutschland - mit einer Taktik, die er so ähnlich schon 2006 erfolgreich anwendete.

90 Minuten lang hatte Jürgen Klinsmann keine Ruhe gegeben, er war an der Seitenlinie auf- und abgelaufen, hatte wild gestikuliert und Anweisungen über den Platz gebrüllt. Doch plötzlich erstarrte sein Gesicht.

Mehrere Sekunden bewegte sich gar nichts mehr. 2:1 hatte Klinsmanns US-Team im WM-Gruppenspiel gegen Portugal geführt, das Achtelfinale schien schon sicher. Bis Silvestre Varela 30 Sekunden vor dem Ende den Ausgleich erzielte.

"Hätten wir vor der WM gesagt, dass wir nach zwei Spielen vier Punkte haben, wären wir ziemlich froh gewesen. Aber wenn du eigentlich schon sechs Punkte hast und dann wird es doch nichts, ist das eine kleine Enttäuschung", sagte Klinsmann. Nach dem Abpfiff ging er dennoch zu den mitgereisten Fans und bedankte sich für ihre lautstarke Unterstützung an diesem Abend in Manaus.

Das Ende des Spiels sei sehr emotional und aufwühlend für das ganze Team gewesen, sagte der 49-Jährige, "doch damit müssen wir leben. Das ist abgehakt. Jetzt reden wir nicht mehr über Portugal, sondern über Deutschland".

Deutlich gab Klinsmann den Anwesenden zu verstehen, dass die nun anstehende Aufgabe, das letzte Gruppenspiel gegen Deutschland am Donnerstag (18 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), oberste und einzige Priorität habe. "Alles andere ist unwichtig", sagte er, "wir wollen gegen Deutschland einen Sieg, nicht weniger."

"Jetzt können wir es perfekt machen"

Dabei würde den USA - ebenso wie Deutschland - bereits ein Unentschieden zum Weiterkommen reichen, sie hätten den zweiten Gruppenplatz dann sicher. Und allein das hielten vor der WM nur wenige für möglich, galt doch Portugal neben Deutschland als aussichtsreichster Kandidat für das Achtelfinale. Alle hätten von der Todesgruppe gesprochen, kaum einer hätte ihnen eine Chance eingeräumt, sagte Torwart Tim Howard, der nach mehreren starken Paraden zum "Man oft the Match" gewählt wurde: "Jetzt können wir es perfekt machen."

Jürgen Klinsmann heute und im "Sommermärchen": Jubeln, fast wie damals

Jürgen Klinsmann heute und im "Sommermärchen": Jubeln, fast wie damals

Foto: DPA; Getty Images

Klinsmann schien genau das besonders zu genießen: Dass er mit seiner Mannschaft bei diesem Turnier für Überraschungen sorgt und die Gegner beginnen, Respekt vor den USA zu haben - einer Nation, in der Fußball nur eine Randsportart ist. Es gefällt Klinsmann, weil es vor allem sein Verdienst ist, der Lohn von drei Jahren intensiver Arbeit.

Als er im Juli 2011 das Amt des Nationaltrainers antrat, sorgte er mit seinen Plänen, den US-Fußball europäischer zu machen, bei manchem für Stirnrunzeln. Klinsmann wolle sich mit der Spielweise an den Topteams Europas orientieren, um "diese irgendwann auch zu schlagen", sagte er damals. Er suchte nach Spielern, die im europäischen Fußballbetrieb aufgewachsen waren, aber einen US-amerikanischen Pass hatten, und berief Timothy Chandler, Fabian Johnson, Jermaine Jones, Daniel Williams, Terrence Boyd und Julian Green.

Mutig und offensiv

Ihnen versuchte er einen Fußball beizubringen, der dem Deutschlands bei der Weltmeisterschaft 2006 ähnelt: mutig, einfallsreich, offensiv. Vergleichen lassen sich diese beiden Teams nicht, dafür sind die Spieler zu unterschiedlich. Doch die Grundidee war auch an diesem Abend gegen Portugal erkennbar. Mit hoher Laufbereitschaft und schnellem Umschaltspiel stellten die USA das Team von Trainer Paulo Bento vor erhebliche Probleme.

Zwar fehlte es gerade im Abschluss häufig an Präzision, weshalb Clint Dempsey oder Fabian Johnson es immer wieder aus der Distanz versuchten. Doch "aufschlitzen und ausnehmen" ließ die Mannschaft sich nicht, wie Torhüter Howard es formulierte. Und beinahe hätte sie tatsächlich ein europäisches Topteam geschlagen.

USA - Portugal 2:2 (0:1)
0:1 Nani (5.)
1:1 Jones (64.)
2:1 Dempsey (81.)
2:2 Varela (90.+5)
USA: Howard - F. Johnson, Cameron, besler, Beasley - Beckerman, J. Jones - Bradley - Bedoya (72. Yedlin), Zusi (90. Gonzales) - Dempsey (87. Wondolowski)
Portugal: Beto - Joao Perira, Ricardo Costa, Bruno Alves, André Almeida (46. Carvalho) - Miguel Veloso - Joao Moutinho, Raul Meireles (69. varela) - Nani, C. Ronaldo - Postiga (16. Eder)
Schiedsrichter: Pitana (Argentinien)
Zuschauer: 40.000
Gelbe Karten: Jones / -

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