Reaktionen auf WM-Sieg der USA "Das ist wahre Macht"

Nach ihrem WM-Sieg werden die US-Fußballerinnen mit Lob überschüttet. Donald Trump und seine Amtsvorgänger sind sich ausnahmsweise einig. Trainerin Jill Ellis verärgert ihre Mutter. Und selbst die CIA gratuliert.

Die US-Fußballerinnen nach ihrem WM-Sieg: "Es war sehr schwierig, den Titel erneut zu gewinnen"
Alex Grimm/ Getty Images

Die US-Fußballerinnen nach ihrem WM-Sieg: "Es war sehr schwierig, den Titel erneut zu gewinnen"


Was für ein Triumph! Die US-Amerikanerinnen haben die Fußballweltmeisterschaft in Frankreich gewonnen, sie besiegten die Niederlande 2:0 und holten sich damit nach 1991, 1999 und 2015 den vierten WM-Titel. "Herzlichen Glückwunsch an die US-Frauenfußballmannschaft zum Gewinn der Weltmeisterschaft!", schrieb der amerikanische Präsident Donald Trump bei Twitter (mehr zu seinem Zwist mit US-Fußballstar Megan Rapinoe erfahren Sie hier). Es sei ein "großartiges und aufregendes" Spiel gewesen. "Amerika ist stolz auf euch alle!"

Auch Trumps Amtsvorgänger Barack Obama gratulierte den "Rekordbrecherinnen" bei Twitter. "Ein unglaubliches Team, das sich - und den Rest von uns - immer dazu drängt, noch besser zu werden." Er liebe dieses Team. Obamas Amtsvorgänger Bill Clinton veröffentlichte vor Anpfiff des WM-Finales ein 20 Jahre altes Foto mit dem damaligen US-Team. Nach Abpfiff gratulierte er den Weltmeisterinnen, er sei sehr stolz auf sie, schrieb er.

Stolz gab sich auch der US-Geheimdienst CIA. Es sei ein spannendes Spiel gegen die herausragenden Niederländerinnen gewesen.

Der Präsident des Gastgeberlandes Frankreich, Emmanuel Macron, gratulierte den US-Spielerinnen ebenfalls. "Unsere Blauen haben nicht gesiegt, aber wir alle zusammen feiern den Erfolg dieser großartigen Weltmeisterschaft, auf deren Organisation Frankreich stolz ist", schrieb er bei Twitter. Der französische Fußballverband, aber auch die Bürger der Austragungsorte Lyon, Paris, Nizza, Rennes, Montpellier, Le Havre, Valenciennes, Reims und Grenoble hätten das schönste Gesicht Frankreichs gezeigt.

"Das Niveau im Frauenfußball ist insgesamt sehr gestiegen seit der letzten WM. Es war eine große Herausforderung, und die Niederlande hat es uns sehr schwer gemacht. Deshalb bin ich unglaublich stolz auf mein Team", sagte US-Trainerin Jill Ellis auf einer Pressekonferenz - als ihr Handy plötzlich laut klingelte. "Das ist wahrscheinlich meine Mutter", sagte sie, schaute auf das Display und drückte das Gespräch kurzerhand weg. "Es ist meine Mutter. Aber ich habe jetzt keine Zeit, mit ihr zu plaudern. Sie wird schön angepisst sein", sagte die 52-Jährige unter dem Gelächter der internationalen Presse.

Megan Rapinoe erzielte einen der beiden Treffer im Finale, sie wurde außerdem als beste Spielerin der WM und beste Torschützin geehrt. "Megan ist geboren für solche Erfolge, wir brauchen solche Spielerinnen und Vorbilder", sagte Trainerin Ellis. Rapinoe selbst sagte, sie sei besonders stolz auf die jungen Spielerinnen: "Es war sehr schwierig, den Titel erneut zu gewinnen. Wir hatten viel Druck und auch viele enge Matches."

Die US-Frauen hätten nicht auf ihren Moment gewartet, schrieb "Washington Post"-Kolumnistin Sally Jenkins. "Sie haben ihn gefordert, und das ist wahre Macht." US-Moderatorin Ellen DeGeneres wandte sich via Twitter an die Spielerinnen und erklärte, sie seien jederzeit in ihrer Show willkommen. "Ich bin so glücklich. Diese Frauen sind das Beste von dem, wofür unser Land steht."

Tennisstar Serena Williams schrieb, sie freue sich mit jeder einzelnen Spielerin und sei stolz. Dazu retweetete sie die Nachricht von ihrer ehemaligen Kollegin Billie Jean King: "Diese Athletinnen haben dem Frauensport mehr Aufmerksamkeit, Unterstützung und Stolz beschert als wohl jede andere Mannschaft in der Geschichte." Und Nancy Pelosi, Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, appellierte: "Das Frauen-Nationalteam hat uns seine Größe gezeigt - jetzt gebt ihnen das Geld."

aar/dpa

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radbodserbe 08.07.2019
1. Was hätte wohl erst George Washington zu diesem Erfolg getwittert ?
Der Erfolg geht vollkommen in Ordnung. Wer u. a. Schweden, Spanien, Frankreich, England und die Niederlande bei einem Turnier schlägt und dabei immer 2 Tore (wirkt schon ein wenig zu uhrwerksmäßig) erzielt, ist wohl verdient Weltmeister. Natürlich war auch das nötige Glück mit dabei und nicht alle Schiedsrichterentscheidungen während der Spiele habe ich nachvollziehen können (der Elfer gestern war OK, wenn auch für die Niederländerinnen ohne Frage sehr unglücklich). Zudem konnten sie dem Deutschen Team durch die Gruppenkonstellation im Achtelfinale aus dem Wege gehen. Schön war aber auch zu sehen, das die US-Amerikanerinnen bei aller Klasse des gesamten Teams (auch das Defensivverhalten war schon beeindruckend) in allen KO-Spielen richtig gefordert wurden und mancher Gegner nah an ihnen dran bzw. sogar teilweise auf Augenhöhe war.
kajoter 08.07.2019
2.
Sie waren mehr als nur eine sehr gute Fußballfrauschaft, sie waren Botschafterinnen des "anderen" Amerikas. Auch wenn Sport unpolitisch sein sollte, in solchen Ausnahmezeiten kann er es eben nicht mehr sein. Und das spürte man bei jeder Gelegenheit, denn selten wurde den amerikanischen Frauen so viel Sympathie entgegengebracht wie bei dieser WM. Und dass Rapinoe & Co. diese Sympathie und Popularität ausnutzten, um sich als Botschafterinnen - auch in eigener Sache - zu präsentieren, ist ein Zeichen dafür, dass sie intellektuell in der Lage sind, sich und ihren Sport in einen größeren Kontext zu stellen. Ich habe de facto kein einziges Interview mit den Spielerinnen gehört, das von der stumpfen Schlichtheit geprägt war, wie man sie z.B. von deutschen Fußballern gewohnt ist. Wenn sie nun noch ihre Klage gegen den amerikanischen Verband gewinnen, dann haben sie Meilensteine für sich und ihren Sport gesetzt.
Nandiux 08.07.2019
3. Die beliebteste Mannschaftssportart bei den Frauen.
Deshalb kann man davon ausgehen, dass noch einige Titel folgen werden. In den USA wird der Frauenfußball sehr stark gefördert, man hat sehr professionelle Strukturen.
treime 08.07.2019
4. Und in good old Germany...
...wird noch amateurhaft gefördert. Unser Team kann froh sein, eben nicht gegen England oder gar die USA im 1/8 Finale antreten zu müssen. Es wäre eine Blamage geworden. England wird über die Jahre besser werden, dort stecken die Top-Herren-Teams massiv Geld in die Frauenmannschaften. Ein weiterer Markt, der abzugrasen ist! In Deutschland weigern sich die meisten Bundesligisten ja auf den Zug aufzuspringen, Langeweile hier mit den Dauermeistern aus Wolfsburg...
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