Krisenklub Hoffenheim "Es gelingt keinem was"

1:3 in Mainz: Die TSG Hoffenheim steckt nach fünf Spieltagen im Tabellenkeller fest. Das Selbstvertrauen fehlt, die Offensive lahmt. Ausgerechnet gegen den Tabellenführer soll nun die Trendwende her.

Krisenklub Hoffenheim: "Wir brauchen schnellstmöglich ein Erfolgserlebnis"
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Krisenklub Hoffenheim: "Wir brauchen schnellstmöglich ein Erfolgserlebnis"

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Hoffenheims Eugen Polanski versteckte nach dem Schlusspfiff sein Gesicht hinter den Händen. Der polnische Nationalspieler hatte soeben im fünften Saisonspiel die vierte Niederlage hinnehmen müssen. 1:3 (1:1) gegen Mainz 05 - für die Ansprüche der TSG viel zu wenig. Selbst die frühe Führung durch Jonathan Schmid (13. Minute) brachte der Mannschaft von Trainer Markus Gisdol keine Sicherheit. Schon gegen die Top-Teams aus Leverkusen und München lagen die Hoffenheimer früh vorne, anschließend verlor man beide Partien 1:2.

"Uns fehlt momentan das Quäntchen Glück, aber wir lassen auch viel zu viele Torchancen zu. Irgendwie fehlt es zur Zeit an Selbstvertrauen, es gelingt keinem was", sagte Kevin Volland. Momentan fehlt es in der Tat an fast allem.

Die traditionell schwache Defensive ist auch in dieser Saison die Problemzone im Spiel der TSG. Zehnmal musste Torhüter Oliver Baumann, der seit seinem Wechsel zur TSG 2014 wenig überzeugend spielte, schon hinter sich greifen. Doch auch auf die Offensive, die lange Zeit das Prunkstück bildete, ist kein Verlass mehr. Ihr fehlte es in den bisherigen Auftritten an Durchschlagskraft. Vier Tore erzielte Hoffenheim in fünf Spielen. Gegen den Aufsteiger aus Darmstadt trennte man sich torlos.

Firmino-Abgang wiegt schwer

Spricht man über die schwächelnde Offensive der Hoffenheimer, kommt man an einer Personalie nicht vorbei: Roberto Firmino. Der brasilianische Nationalspieler, der im Sommer für 41 Millionen Euro zum FC Liverpool wechselte, erzielte in der abgelaufenen Saison sieben Tore und bereitete zehn weitere vor. Ein Jahr zuvor kam er gar auf 27 Scorerpunkte. Firmino bildete zwei Jahre lang mit Volland eines der erfolgreichsten Duos in der Bundesliga.

Dass es schwer werden würde, ihn zu ersetzen, war den Verantwortlichen klar. Um das Vakuum in der Offensive zu schließen, verpflichtete man Eduardo Vargas vom SSC Neapel (6,5 Millionen Euro Ablöse) und Kevin Kuranyi von Dinamo Moskau (ablösefrei). Beide blieben bislang hinter den Erwartungen zurück.

Trendwende gegen den Tabellenführer?

Nach dem Spiel wurde Markus Gisdol erstmals in seiner mehr als zweijährigen Amtszeit in Hoffenheim gefragt, ob er sich um seinen Job sorgt. Der 46-Jährige sagte, dass er sich noch keine Sorgen mache. Noch.

Das könnte sich allerdings schnell ändern. Am kommenden Mittwoch empfängt der Krisenklub den aktuellen Tabellenführer aus Dortmund. Der BVB, der alle zehn Pflichtspiele unter Neu-Trainer Thomas Tuchel gewinnen konnte, dürfte unter diesen Umständen nur schwer zu schlagen sein. "Das ist definitiv beunruhigend. Und Dortmund wird natürlich nicht leicht", sagte Volland. "Aber wir werden uns alle zerreißen, um gemeinsam da rauszukommen. Wir brauchen schnellstmöglich ein Erfolgserlebnis."

Aufbauen lässt sich vor dem Topspiel gegen den BVB vor allem auf der Leistung gegen den Rekordmeister aus München. Da lag man bis zur 41. Minute in Führung, in der Schlussphase vergab Eugen Polanski die große Chance auf den Sieg, als er einen Elfmeter an den Pfosten setzte. Symptomatisch für die derzeitige Situation war dann, dass Bayerns Robert Lewandowski in der 90. Minute den Siegtreffer für die Münchner erzielte.

Ein Sieg gegen Dortmund könnte die Trendwende herbeiführen. Bei einer weiteren Niederlage müsste man sich wohl langfristig mit einem Thema beschäftigen, das derzeit noch niemand ansprechen will: Abstiegskampf.



insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
GueMue 19.09.2015
1. Hoffenheimabstieg ist gut
Andere sollen folgen, dann entfernt sich evtl die Usurpation des Fussballs durch SAP, VW, Audi, Bayer und weitere. Was hat England und der Fussballfan von den Milliarden aus Russland und Arabien? Sie scheiden frueh bei WM und EM aus und spielen schlecht. arsenal hat mal ohne einen Englaender gespielt.
axelmueller1976 19.09.2015
2. Wieder ein junger hoffnungsvoller Trainer
Diese Saison scheint für die so hochgelobten jungen Trainer zur Bewährungs-Probe zu werden .Auch Weinzierl hat gewaltige Probleme von Favre ganz zu schweigen.Wie sind nach den Hochs der letzten Saison diese Einbrüche zu erklären? Ging der Aufstieg zu schnell oder war das Training zu hart und deshalb der Einbruch .Bei Dortmund hatte man zu Schluß ja ähnliche Einbrüche. Verfolgt man dazu Darmstadt mit seinem außergewöhnlichen Aufstieg, dazu noch mit Spielern wie Rausch,Rosenthal,Heller und Niemeyer welche bei anderen BL-Vereinen ausgemustert wurden und jetzt unter Trainer Schuster einen 2. Frühling erleben kann man sich nur wundern.Vermutlich wird in der nächsten Saison oder schon in der Rückrunde der Einbruch bei Darmstadt erfolgen.
FlorBa 19.09.2015
3. Entschuldigung,
aber ein Abstieg des Milliardärspielzeugs würde ich begrüßen. Ein Plastikclub weniger, welcher nur die Stadien leerspielt und sowieso kaum jemanden interessiert.
Freifrau von Hase 19.09.2015
4. München
Nein, das Spiel gegen Bayern macht alles andere als Mut. Ja,Hoffenheim hätte glücklich gewinnen können. Aber gut gespielt haben sie nicht, allenfalls noch gut verteidigt. Spielgestaltung, Torchancen fanden nicht statt. Sich nur hinten rein stellen und auf den Lucky Punch hoffen ist aber zu wenig.
Milkshake 19.09.2015
5.
Wenn im Gegenzug kein anderer Retortenverein aufsteigt, kann Hoffenheim gern absteigen.
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