Fußballernamen Der Hacker mit dem Klingbeil

Im Fußball hält nicht jeder Name, was er verspricht. Hätten es sonst Christian Kotzbau, Albert Streit oder René Klingbeil so weit gebracht? Manchen Spielern sieht man jedoch die große Kunst schon am Namen an - wie beispielsweise Herrn Benedetto Muzzicato.

Von Oliver Lück


Aufstellungen von Fußballmannschaften habe ich schon immer gerne gelesen. Die Namenskolonnen lassen meiner Fantasie freien Lauf. Auch heute noch. Ich lese die Namen der Spieler und stelle mir die Gesichter dazu vor. Patrick Milchraum, Amadeus Wallschläger, Björn Ziegenbein, Jan-Ingwer Callsen-Bracker. Ich überlege mir was Christian Essig, Marco Stier, Robert Stark, Michael Niedrig und Florian Dick für Typen sind. Ob Albert Streit, Florian Stahl und Mirko Dickhaut fair spielen oder hinter dem Rücken des Schiedsrichters wild um sich treten.

HSV-Profi Klingbeil: Netter Kerl
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HSV-Profi Klingbeil: Netter Kerl

Guido Hacker zum Beispiel ist Manndecker in Schleswig-Holstein beim Verbandsligisten FT Eider Büdelsdorf. Als Mittelstürmer hätte ich große Angst vor einem Gegenspieler der Hacker heißt. Hacker klingt kompromisslos, nach Narben im Gesicht, nach jemandem, der in jeden Zweikampf hackt, ohne mit der Wimper zu zucken. Nach jemandem, der sich traut, "Hattrick" als After Shave zu benutzen. Nach gnadenloser Brutalität. Sag mal Schatz, wie heißt der neue Nachbar von gegenüber? Guido, glaube ich, Guido Hacker. Um Gottes Willen, pack nur das Nötigste zusammen, wir müssen sofort die Stadt verlassen!

Benedetto Muzzicato klingt anders. Nach schwarzen Haaren, die in Pomade schwimmen, nach Dreitagebart und Hackentrick. Nach einem Virtuosen, der muzzicatomäßig den Ball berührt. Ein Name, der ein eigenes Straßenschild verdient. In Oberneuland bei Bremen – dort spielt Muzzicato in der Oberliga – könnte sich niemand beschweren, würde er im Benedetto-Muzzicato-Weg wohnen. Gerne würde man dort Besuch empfangen: Komm doch zu mir, Benedetto-Muzzicato-Weg 12.

Christian Kotzbau hört sich dagegen an, wie Günther Netzer aussieht. So als wenn er nie irgendwo eingeladen wird, er aber trotzdem kommt und sich am Büffet bedient, ohne ein Geschenk dabei zu haben. Niemand würde auf die Idee kommen, eine Straße nach Christian Kotzbau zu benennen. Einen Schnauzbart trägt der Oberliga-Torhüter aus Sachsen, beim FC Eilenburg aktiv, allerdings nicht.

Rotzbremsen passen schon seit vielen Jahren nicht mehr in die Gesichter, die ich mir zu den Namen vorstelle. Sie sind von den Fußballplätzen beinahe komplett verschwunden. Der letzte Schnauzer der Bundesliga war Ali Daei, der Iraner, der mal beim FC Bayern und mal für die Berliner Hertha stürmte. In den Achtzigern war das noch anders. Da trugen viele Fußballer Oberlippenbärte und einfache Namen, die bis heute nicht weniger im Gedächtnis geblieben sind. Dirk Hupe. Bernd Krumbein. Rolf Blau, Willi Weiss. Oder natürlich Roman Geschlecht – ein Name, den man nie mehr vergisst.

Beim Hamburger SV gab es in den vergangenen Jahren jemanden namens René Klingbeil. Auch er spielt eher in der Defensive. Wie der Name schon sagt, zerlegt er die gegnerischen Angreifer gerne fachgerecht in Stücke und verkauft sie nach dem Abpfiff lächelnd ans Publikum. So stellte ich mir René Klingbeil zumindest vor, bis ich ihn an einem Wochenende spielen sah. Die Wirklichkeit hinter dem Klingbeil sieht anders aus. Nun ja, er ist ein fairer Spieler, der ohne blutige Fouls auskommt. Keine Schlachtervisage. Keine mit einem Klingbeil zugefügte Narbe. Nein, er hat blonde Haare und blaue Augen, er würde sicher jeder Schwiegermutter die Tür aufhalten. Ich glaube, René K. ist ein richtig netter Kerl.



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