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28. November 2013, 21:09 Uhr

Gastarbeiter in Katar

Rückkehr des gefangenen Fußballers

Von , Paris

Mehr als eineinhalb Jahre saß der französische Fußballprofi Zahir Belounis gegen seinen Willen in Katar fest. Jetzt durfte er in die Heimat zurückkehren - und zahlt dafür einen hohen Preis.

Die Rückkehr des Fußballers in seine Heimat wird begleitet von einem Blitzlichtgewitter. Als Zahir Belounis am Donnerstag um 19.23 Uhr in der Ankunftshalle des Terminals eins am Pariser Flughafen Roissy-Charles de Gaulle seiner Mutter und seinem Bruder in die Arme fällt, geschieht das Wiedersehen unter den Scheinwerfern und Kameras der internationalen Medien.

Das Interesse gilt jedoch nicht einem Spitzensportler und seinem Triumph. Nach langem Kampf gegen das Emirat Katar ist Belounis wieder zu Hause. "Ich bin froh, wieder hier zu sein, ich bin stolz auf mein Land", sagt er sichtlich bewegt. "Ich danke meiner Frau, die die ganzen schweren Monate zu mir gestanden hat, jetzt wünsche ich mir nur Ruhe für meine Familie."

"Wir haben gewonnen, Belounis ist frei", jubelt sein Freund und Mitstreiter Abdeslam Ouaddou, der ebenfalls in Katar festsaß. "Es ist ein Sieg für die Freiheit. Für ihn geht ein Alptraum zu Ende. Gewonnen ist damit aber nur die erste Halbzeit."

Belounis unterschrieb offenbar eine "rückwirkende Kündigung"

Denn die Freilassung, für die sich der internationale Fußballverband, Medien und sogar Frankreichs Präsident François Hollande einsetzten, ist teuer erkauft. Belounis erreichte seine Ausreise nur, weil er alle Ansprüche gegenüber seinem ehemaligen Arbeitgeber aufgab. Er unterschrieb, so berichten Freunde in Paris, eine "rückwirkende Kündigung", mit der rechtliche Schritte gegen den katarischen Sportclub al-Jaish beinahe ausgeschlossen sind.

In der Verzichtserklärung musste sich der 33-Jährige sogar für seine Vereinswohnung bedanken. Ein bitteres Happy End für einen Fußballprofi, der gehofft hatte, in Katar seine Karriere zu vergolden.

Das Emirat, das 2022 den Gastgeber der Weltmeisterschaft geben will, investiert bereits seit Jahren in Stadien, Straßen, Hotels. Ehemalige internationale Stars werden angeheuert, kickende Gastarbeiter, die das Image als moderne Sportnation aufpolieren sollen. Auch Belounis träumte vom "Jackpot", wie er im SPIEGEL berichtete.

"Das ist moderne Sklaverei"

Der Stürmer, der früher einmal in der Schweiz gespielt hatte, unterschrieb 2010 einen Fünfjahresvertrag mit dem Verein der katarischen Armee - kein Glamour-Club, sondern eine Mannschaft der zweiten Liga. Belounis wurde als "Senior Civil Technician" eingestellt. Er hatte Erfolg, als Kapitän führte er seine Elf zum Aufstieg, die sich danach neue Spieler einkaufte.

Für den Sportler begann damit der Abstieg. Weil immer nur vier Ausländer in den Teams spielen dürfen, wurde Belounis ausgemustert und einem anderen Zweitligisten überstellt. Doch spielen durfte er dort nicht, prompt wurden die Gehaltszahlungen eingestellt, das Dienstauto gestrichen - der Verein schuldet ihm 74.000 Euro.

Belounis klagte und wollte das Land verlassen. Doch in Katar gilt das sogenannte Kafala-System: Gastarbeiter - Fußballer, Bauarbeiter oder Putzhilfen - bedürfen eines Bürgen, um auszureisen - meist der Arbeitgeber. Und Belounis' Verein stimmte einer Ausreise nicht zu, bevor er nicht auf seine Forderungen verzichtet hatte. "Das ist moderne Sklaverei in einem Staat, der 1952 diese Form der Leibeigenschaft gesetzlich abgeschafft hat", sagt Abdeslam Ouaddou.

"Zahir Belounis ist nur ein Beispiel für die rund 1,3 Millionen Menschen, die diesen Praktiken in Katar ausgeliefert sind", sagt Sharan Burrow vom Internationalen Gewerkschaftsverband ITUC, der den Fußballer am Flughafen erwartete. Und die Generalsekretärin setzt hinzu: "Es gibt keine Gewinner."

Sicher ist: Belounis steht nach dem Kampf gegen die Willkür seines Vereins vor dem Neuanfang. "Die Katarer haben mich teilweise zerstört, psychisch war ich angeschlagen, aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende", sagt der 33-Jährige trotzig. Mit seinem Anwalt will er gegen den Ex-Arbeitgeber vor Gericht vorgehen. "Die werden teuer dafür bezahlen."

Einfach wird das nicht. Belounis müsse sein Leben erst wieder aufbauen, sagt sein Freund Ouaddou. Er braucht einen Job und weitere Unterstützung. "Es wird eine lange zweite Halbzeit."

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