Fußballrechte DFL droht mit Kirch mit Kündigung

Weil die insolvente KirchGruppe ihren vertraglich vereinbarten Zahlungen nicht nachkommt, verliert die Deutsche Fußball-Liga langsam die Geduld. Sogar über eine Kündigung des TV-Vertrages wird beim Ligaverband nachgedacht.


Frankfurt am Main - Die außerordentliche Kündigung der bis 2004 laufenden Fernsehvertrages mit der KirchMedia sei jedoch das letzte Mittel, ließ die DFL am Freitag nach einer Sitzung mit den 36 deutschen Proficlubs im Vorfeld des DFB-Bundestages in Frankfurt am Main verlauten. In der kommenden Woche sollen noch einmal Gespräche mit KirchMedia stattfinden.

"Ende nächster Woche wissen wir definitiv, ob wir den Vertrag mit KirchMedia erfüllen oder aber kündigen und in konkrete Verhandlungen mit einem neuen Partner gehen. Es gibt zwei Kündigungsgründe: Zahlungsverzug und Nichtzahlung trotz erbrachter Leistung", sagte DFL-Boss Werner Hackmann, "unsere weitere Vorgehensweise hängt vom Verlauf der Gespräche ab."

Die DFL ist nach wie vor fest davon überzeugt, dass die TV-Rechte im Falle einer Kündigung wieder an die Liga zurückfallen und damit mit anderen Partner neu verhandelt werden könne. "Das ist und bleibt unsere Rechtsauffassung", erklärte Hackmann.

Zahlungen für die kommenden Jahre sehr unsicher

Die insolvente KirchGruppe hatte an die DFL zuletzt nur 24 Millionen Euro gezahlt. Vertaglich vereinbart ist jedoch eine Rate von 103 Millionen Euro für die Fernsehrechte. Deshalb werde der Ligaverband den Clubs mit rund 40 Millionen Euro unter die Arme greifen, teilte die DFL mit. Ob die Liga in der nächsten Saison 360 Millionen Euro und in der Spielzeit 2003/04 460 Millionen Euro erhält, bleibt aber höchst zweifelhaft.

Die 40 Millionen, die die Vereine von der DFL erhalten, stammen aus dem so genannten "Kautionstopf" der DFL, in den die Clubs in den vergangenen Jahren im Zuge des Lizenzierungsverfahrens als Rücklagen eingezahlt hatten. Mit der finanziellen Unterstützung solle die Liquidität der Vereine nach dem Ausbleiben der vollen Kirch-Rate gesichert werden, betonte DFL-Präsident Werner Hackmann. "Mit diesem Geld, dem Betrag aus dem Kautionstopf und anderen individuellen Hilfen können alle Vereine die Saison zu Ende bringen", sagte Hackmann.

Finanzielle Reserven werden angegriffen

"Die Vereine können aus diesem Topf jedoch nur den Anteil in Anspruch nehmen, den sie vorher auch eingezahlt haben", betonte DFL-Geschäftsführer Wilfried Straub. Offenbar sind allerdings die großen Clubs wie Bayern München, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen oder Hertha BSC Berlin durchaus zu finanziellen Zugeständnissen bereit, um die drohende Insolvenz einiger finanzschwächerer Profivereine zu verhindern.

Die Liga fühlt sich in einer starken Verhandlungsposition und will offenbar keine gravierenden finanziellen Abstriche bei den Verhandlungen mit KirchMedia machen. "Wir haben ein hervorragendes Produkt, das sehr gefragt und interessant für andere Partner ist. Ich sehe die ganze Situation weniger emotional als rational", sagte Straub.

Konflikt mit Bayern und Bayer

Hackmann, der mit einer umstrittenen TV-Boykott-Drohung in der vergangenen Woche heftige Proteste beim FC Bayern und Leverkusen ausgelöst hatte, betonte die volle Rückendeckung der Vereine: "Auch Bayern und Bayer tragen unsere strategische Linie mit."

Der Vorstandsvorsitzende der Bayern München AG, Karl-Heinz Rummenigge, erklärte jedoch nach dem Liga-Entscheid: "Da halte ich mich mit Kommentaren zurück." Zur möglichen außerordentlichen Kündigung des Kontraktes sagte er: "Das muss die DFL entscheiden. Alles ist in den Statuten bereits festgelegt." Leverkusens Manager Reiner Calmund rechnet mit langen Verhandlungen. "Die Entscheidung fällt erst in ein paar Wochen."



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