Fußballregeln "Gewissenlose, üble Kerle"

Fußball wird durch Regeln erst richtig schön. Ballumfänge, Platzabmessungen, Verwarnungen und Stollenlängen - alles ist genau festgelegt. Den Anfang nahm die Regulierung des Kicks vor fast 160 Jahren. Das Magazin "11 FREUNDE" hat die besten Anekdoten zusammengestellt.

Die ersten Fußballregeln wurden von Studenten der Universität Cambridge im Jahre 1848 verfasst. Die Kommilitonen hielten damals wenig vom "11 FREUNDE"-Prinzip, vorgesehen waren 15 bis 20 Spieler pro Mannschaft. Das erste Regelheft kam schmal daher. Und kaum einer der Verfasser hätte wohl geahnt, dass heute allein der Pflichtenkatalog der Champions League stolze 88 Seiten umfasst. Mit wunderbaren Regeln wie dieser hier: "Treffen zwei Vereine im Wettbewerb aufeinander, die denselben Sponsor haben, darf der Heimverein mit seinem regulären Sponsor antreten. Der Gastverein darf nur für ein Produkt dieses Sponsors werben."

Die Weltmeisterschaft 1970 brachte Neuerungen für den Weltfußball: Feldverweise gab es schon vorher, doch in Mexiko führte die Fifa Gelbe und Rote Karten ein. Die zweite gravierende Änderung erwies sich später als Segen für den deutschen Fußball: Bei Gleichstand nach Verlängerung bringt das Elfmeterschießen statt eines Münzwurfes die Entscheidung.

Regeln und ihre psychologischen Komponenten: Bei Europapokalspielen müssen die Stadionuhren nach 90 Minuten angehalten werden, damit der Druck der Zuschauer auf den Schiedsrichter, das Spiel endlich abzupfeifen, nicht zu groß wird.

Als 1891 der Elfmeter eingeführt wurde, fühlte sich einer der bekanntesten Kicker jener Zeit, der Engländer Fry, in seiner Ehre verletzt. "Es ist eine Beleidigung des Ansehens von Sportsleuten, wenn sie unter einer Regel spielen müssen, die unterstellt, dass die Spieler ihrem Gegner absichtlich ein Bein stellen, treten oder schlagen und sich benehmen wie üble Kerle der gewissenlosesten Sorte." Kein Vorfahre von Vinnie "Der Axt" Jones, nehmen wir an.

Bis zum Jahr 1983 durften Verteidiger enteilte Stürmer in höchster Not umhauen, ohne dafür vom Platz zu müssen, seither gibt es zwangsläufig für Notbremsen die Rote Karte. Nach britischem Vorbild führte die Bundesliga zur Saison 1995/1996 die Drei-Punkte-Regel ein. Diese wurde Kaiserslautern in jener Saison auch gleich zum Verhängnis. Nach 18 Unentschieden stieg Lautern am Ende ab. Nach der alten Zwei-Punkte-Regel hätten die Pfälzer die Klasse gehalten.

Ihren eigentlichen Zweck hat die Drei-Punkte-Regel allerdings klar verfehlt, nämlich für mehr Tore zu sorgen. Unser Leser Markus Wolf hat ausgerechnet: "Weder gibt es in der 1. Bundesliga weniger 0:0-Unentschieden als zuvor noch werden mehr Treffer erzielt. Lag die durchschnittliche Trefferquote in der Saison 1994/1995 bei exakt 3,0 so sank sie just im ersten Jahr der Drei-Punkte-Regel auf 2,72. Der Schnitt von 3,0 Treffern pro Spiel konnte seither nie mehr erreicht werden."

Seit 1903 darf der Torwart den Ball nur noch im Strafraum mit der Hand spielen. Bis dahin war es ihm in der gesamten eigenen Hälfte gestattet, der Keeper musste das Leder jedoch nach maximal zwei Sekunden wieder loslassen. Die "Jenaer Regeln" von 1896 legen fest, dass in Deutschland die Spielfelder frei von Bäumen und Sträuchern sein müssen. Von Bächen und Hügeln war allerdings nicht die Rede.

Sage niemand, es werde keine Rücksicht auf regionale Bedingungen genommen: Laut Fifa-Reglement sind die Färöer der einzige Fußballverband weltweit, der beim Elfmeter die Anwesenheit eines dritten Spielers erlaubt. Der darf allerdings nicht herumhampeln und den Torwart irritieren, sondern soll bei den Färöer-üblichen ordentlichen Windstärken den Ball festhalten, damit das Spielgerät nicht vom Elfmeterpunkt weht.

Die Geburtsstunde des Jokers: Auswechslungen sind erst seit 1969 gestattet. Vorher wurde dezimiert weiter gekickt oder die verletzten Spieler bissen halt die Zähne aufeinander. Bis 1995 durften dann zwei Spieler pro Mannschaft ausgewechselt werden, seither sind es drei. Der Torwart ist der einzige Spieler, der nach Ablauf der Verlängerung noch ausgetauscht werden darf. Allerdings nur, wenn das Wechselkontingent noch nicht erschöpft ist.

Der Ball ist rund, heißt es im Volksmund, die offizielle Regel spricht lieber von der Kugelform. Dass der Ball aus Leder sein muss, ist seit der WM 1986 in Mexiko Geschichte. Der "Azteca" war der erste vollsynthetische Spielball, der Vorgänger "Tango" hatte zuvor durch seine versiegelten Nähte bereits die Wasseraufnahme deutlich verringert.

Lesen Sie morgen im zweiten Teil, was die Juniordetektive der "Drei ???" mit Fußball zu tun haben und wieso die Abseitsregel eigentlich ganz einfach ist.

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