Fußballskandal in Italien Staatsanwalt wirft Clubs Absprachen vor

Täglich neue Skandalmeldungen um den italienischen Fußball: Der zuständige Staatsanwalt glaubt, dass Serie-A-Clubs Ergebnisse ihrer Spiele vorher untereinander abgesprochen haben. Beweise dafür kann er allerdings noch nicht vorlegen. 
Festgenommener Ex-Profi Signori (Mitte): Der 43-Jährige streitet alle Vorwürfe ab

Festgenommener Ex-Profi Signori (Mitte): Der 43-Jährige streitet alle Vorwürfe ab

Foto: Mario Carlini / Iguana Press/ Getty Images

Hamburg - Die Betrugsaffäre im italienischen Fußball droht sich zu einem Erstliga-Skandal auszuweiten. Die zuständige Staatsanwaltschaft Cremona vermutet Ergebnisabsprachen zwischen Clubs der obersten Spielklasse. "Mein Eindruck ist: Es gibt große Probleme in der Serie A. Dort werden Spiele manipuliert. Aber dabei geht es weniger um Wetten, als vielmehr um Ergebnis-Absprachen zwischen den Clubs", sagte Staatsanwalt Roberto Di Martino nach den Verhören am Dienstagabend. Der Ermittler räumte allerdings ein, "noch keine Beweise" für seine These zu haben, es handele sich lediglich um "seine Eindrücke".

Sollten tatsächlich Erstligavereine die Liga durch Ergebnisabsprachen manipuliert haben, könnten der diesjährige Titelgewinn des AC Mailand, die Qualifikationen für die Europacup-Wettbewerbe und die Abstiegsentscheidungen in Frage gestellt werden. "Das ist ein Schock" titelte der "Corriere dello Sport". Die "Gazzetta dello Sport" spricht von einer "Sensation".

Di Martino äußerte sich nach einem siebenstündigen Verhör des vermeintlichen Drahtziehers Marco Pirani. Pirani, ein Zahnarzt, sprach von rund 30 manipulierten Spielen in den drei Top-Ligen. Bislang war nur von 18 Partien die Rede. Die Ermittler suchen nun nach demjenigen, der die Ergebnis-Absprachen mit den Spielern oder Clubs traf und diese dann gegenüber den mutmaßlichen Wettbetrügern garantierte.

Bei der Staatsanwalt Cremona laufen die Ermittlungen zusammen, auch die Staatsanwaltschaft Neapel nahm erneut Ermittlungen in Bezug auf ein Erstliga-Spiel zwischen Neapel und Palermo aus dem Jahr 2010 auf. In der Vorwoche war der frühere Nationalspieler Giuseppe Signori unter dem Verdacht festgenommen worden, in den Skandal verwickelt zu sein. Der 43-Jährige bestreitet alle Vorwürfe.

aha/dpa
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