SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

29. Mai 2011, 19:49 Uhr

Fußballzauber

Auch Ferguson verzweifelt am Barça-Code

Aus London berichtet Cordt Schnibben

Das Champions-League-Finale war mehr als der Sieg einer Mannschaft und die Niederlage der anderen. Es war der Triumph eines Spielsystems, das der FC Barcelona kreiert und perfektioniert hat. Geometrische Methoden der Spielanalyse zeigen das Geheimnis dieses perfekten Fußballs.

Nach jedem großen Fußballspiel steigt in den Katakomben des Stadions die dritte Halbzeit, in der Mixed Zone müssen die Spieler beider Mannschaften an TV-Kameras, Fotografen und Printjournalisten vorbei zu ihren Bussen. Samstagnacht war die Mixed Zone des Wembley-Stadions so lang wie wohl noch nie, und was da geboten wurde, hätte eine Live-Übertragung verdient gehabt. Verlierer sind immer niedergeschlagen, Gewinner immer gut gelaunt; die Spieler von Manchester United allerdings flüchteten entgeistert durch den endlosen Gitterweg der Abfahrt entgegen, sie sahen in ihren grauen, taillierten Designeranzügen so leer, zerschlagen und traumatisiert aus, als wüssten sie nicht mehr, was sie zukünftig auf dem Spielfeld zu suchen haben, wie sie spielen sollen, um Barcelona zu schlagen.

Die meisten zogen wie Wayne Rooney kopfschüttelnd an den Hunderten Journalisten vorbei, nur Torwart Edwin van der Sar blieb oft stehen, es war sein letztes Spiel, und er wollte nicht wortlos gehen; mit kraftlosem Gesicht, spitz wie eine hungrige Maus, versuchte er zu erklären, was über seine Mannschaft hinweggerollt war in den 90 Minuten.

Barcelonas Xavi, Iniesta und Villa schlenderten in Trainingshose und T-Shirt an den unterwürfig Fragenden vorbei, verteilten bescheidene Sätze und umarmten so manchen katalanischen Sportreporter. Aus Lautsprechern waren die Trainer beider Mannschaften zu hören, auf Bildschirmen waren ihre Gesichter zu sehen, immer wieder, wie in Endlosschleife kommentierten sie, was die Zuschauer und sie gesehen hatten. Ferguson war ehrlich genug, die Diskrepanz zwischen dem Spiel seiner Mannschaft und dem Spiel Barcelonas einzuräumen, sein Gesicht sagte noch mehr als alle traurigen und lobenden Sätze. Vor dem Spiel hatte er prophezeit, gegen jeden Gegner und jeden Spieler gebe es ein Mittel, nun gestand er ein, sie nicht gefunden zu haben, und er klang so, als könne man sie wohl nie finden gegen dieses Barcelona, "das beste Team, das uns je gegenüberstand."

Was seine Mannschaft und Barcelona unterscheidet, war schon am Vortag des Spiels zu sehen, im Abschlusstraining der beiden Teams, normalerweise nur ein Termin, um TV-Sendern und Fotografen ein paar Bilder zur Einstimmung auf das Match zu liefern und die Spieler am Rasen schnüffeln zu lassen. Ferguson ließ seine 24 Spieler auf der Hälfte des Wembley-Rasens gegeneinander spielen, quer, zwei Tore hatten seine Assistenten an die Seitenlinien gestellt. Es war ein schnelles Spiel, mit allem, was jedes gute Spiel zu bieten hat.

Barcelona spielte danach ohne Tore, auf noch engerem Raum, nur auf der Hälfte der Hälfte stritten 22 Spieler um den Ball, sie liefen, sie kreuzten, sie tanzten umeinander, jagten sich den Ball ab. Acht trugen graue Shirts, acht trugen gelbe Shirts, und drei hatten sich blaue übergestreift, sie wechselten immer in die Mannschaft mit Ballbesitz, ein rasend schnelles Hin und Her, kreuz und quer, lang und kurz, mit keinem anderen Ziel, als den Ball über den Rasen zu bewegen, zu behaupten, zu erkämpfen, ein Ballett zwischen Mensch und Ball, kreativ, packend, torlos.

So lassen Barcelonas Spieler den Ball auch in den 90 Minuten gegen Manchester laufen, sich allerdings manchmal daran erinnernd, dass sie den Ball en passant auch mal ins Tor lenken müssen, um das Spiel und den Titel zu gewinnen und die Siegprämie zu kriegen. Dem haben Fergusons Spieler wenig entgegenzusetzen, die ersten zehn Minuten wollen sie Barcelona niederrennen, dann aber ist von einem Matchplan Fergusons nichts mehr zu sehen, sein Team ist weit davon entfernt, eine Idee davon zu haben, wie man Barcelona schlagen kann, seine Spieler wirken so ratlos wie Ferguson später auf der Pressekonferenz.

Der Versuch, das Spiel zu perfektionieren

Von José Mourinho wollte sich Ferguson Rat holen, der war, das muss man sagen, in dieser Saison der Trainer, der am nächsten dran war, den Barça-Code zu knacken, wenn auch mit hässlichen Mitteln. Seit Menschen Fußball schauen, lieben sie das Unberechenbare des Spiels, die Überraschung eines Flankenlaufs, eines Weitschusses, eines Spielzugs. Seit Menschen Fußball spielen, wollen sie das Spiel berechenbar machen, trainieren sie den perfekten Flankenlauf, den perfekten Weitschuss, die perfekte Ballstafette. Seit Pep Guardiola Trainer beim FC Barcelona ist und José Mourinho bei Real Madrid, erleben die Menschen, die gern Fußball schauen, wie zwei Mannschaften auf gegensätzliche Weise versuchen, das Spiel zu perfektionieren.

Beide Mannschaften erzielen gleich viele Tore, im Schnitt 2,4 pro Spiel; beide spielen offensiv, schön und kunstvoll; beide dominierten die spanische Meisterschaft und stürmten durch die Spielrunden der Champions League.

Und so war es ein historisches Geschenk für alle Menschen, die gern Fußball schauen, dass sie innerhalb von drei Wochen vier Spiele dieser bis dahin wohl besten Mannschaften der Welt erleben konnten. Ein Ligaspiel, ein Pokalendspiel und zwei Spiele im Halbfinale der Champions League. Es wurde kein rauschendes Fest, es entwickelte sich eine Schlacht über 390 Minuten, die alles erzählt, was über modernen Fußball zu sagen ist, und warum Manchester United so hilflos wirkte im Finale.

Man könnte schwärmen von Messis Slalomlauf vor dem 2:0 in Madrid, von dem Spielzug, der über Reals Spieler Di María zum Kopfballtor von Cristiano Ronaldo führte, vom Kombinationszauber Barcelonas zwischen der 30. und 40. Minute im Halbfinalrückspiel. Könnte man.

Die wahre Geschichte dieser Spiele erzählen jedoch Zahlen. Wer begreifen will, warum Barcelona ins Finale der Champions League einzog, Manchester United zerlegte und spanischer Meister wurde, und warum Real Madrid nur der Pokalsieg blieb, der muss sich mit Mathematik und Geometrie beschäftigen, mit Winkeln und Diagonalen, der muss das tun, was viele Fußballtrainer inzwischen vor dem Spiel und nach dem Spiel machen, manche auch in der Halbzeit.

José Mourinho ist besessen von der modernen Spielanalyse wie viele Trainer in Spanien und England. Seit er bei Chelsea war, vertraut er der Firma Amisco, auch danach bei Inter Mailand und nun bei Real Madrid lässt er sich von dem Unternehmen mit Daten beliefern, das in 60 Stadien Europas über Sensoren jede Zuckung jedes Spielers auf dem Spielfeld registriert und auswertet.

Bis zu 3000 Ereignisse hält das Tracking-System fest, das seinen Ursprung in militärischer Forschung hat und aus jedem Spiel 4,5 Millionen Daten saugt. In der Vorbereitung auf die vier Duelle gegen Barcelona kannte Mourinho deshalb das übliche Bewegungsprofil jedes Spielers des Gegners, ihre Sprintdaten, ihre Ausdauerwerte, ihre Verletzungswahrscheinlichkeit; er hatte Tausende Daten über die Ballstafetten, mit denen Barcelona spielstarke Mannschaften in Trance versetzt; er konnte seinen Spielern die Laufwege von Xavi, Messi und Co. mit 2-D-Animationen vorführen.

Und er hatte natürlich all das Wissen aus der fürchterlichen 0:5-Niederlage im Hinrundenspiel der Primera División, im November vergangenen Jahres in Barcelona. Er entwickelte daraus eine Matchstrategie, die für ihn typisch ist, für den stolzesten Verein auf dem Planeten allerdings dem spielerischen Ruin gleichkommt. Mourinho ordnete an, den Rasen des Bernabéu-Stadions weder zu mähen noch zu wässern, um das Spielfeld stumpf und die Kombinationen langsam zu machen, er überließ Barcelona den Ball - Madrid hatte in der ersten Halbzeit nur 23 Prozent Ballbesitz - und errichtete vor dem eigenen Strafraum eine doppelte Viererkette. So spielen normalerweise Absteiger.

Erst als Barcelona nach überlegenem Spiel seltsamerweise nur 1:0 führte und die Madrider einen Spieler durch Platzverweis verloren, wechselte Mourinho Spielmacher Mesut Özil ein, ließ offensiver spielen und kam noch zum 1:1-Ausgleich. Was die Madrider Spielerlegende Alfredo di Stéfano nicht davon abhielt, nach dem Spiel seine Mannschaft als "Maus" zu bezeichnen, die gegen einen "Löwen" gespielt habe.

Nach Auswertung der Daten aus diesem Defensivdrama lässt Mourinho seine Mannschaft vier Tage später im Pokalfinale in Valencia noch weiter vorn verteidigen. Wann immer das Spielmacher-Trio Xavi, Iniesta, Messi sein Passspiel aufziehen will, erstickt das Madrider Defensivtrio Pepe, Xabi Alonso, Khedira den Ballfluss bereits in der Hälfte Barcelonas.

Eine Halbzeit lang geht diese Strategie auf, Barcelona schafft es nicht, das Karussell der Kurzpässe, für das die Mannschaft berühmt ist, in Schwung zu bringen. Xavi, 1,70 Meter groß, schmächtig, ist der Mittelpunkt dieses Karussells; Iniesta, 1,70 Meter groß, noch schmächtiger, blass, spielt links versetzt etwas vor ihm; Messi, mit Wachstumshormon auf 1,69 Meter gebracht, spielt etwas rechts versetzt vor ihm. Xavi passt in jenem Spiel weit über hundertmal, jeweils ein Viertel davon zu einem der beiden. Dieses Dreieck spielt sich vom Mittelkreis aus bis an den Strafraum, nach hinten abgesichert vom defensiven Mittelfeldmann Busquets, rechts auf der Außenbahn unterstützt vom sehr offensiven Außenverteidiger Dani Alves.

Der Ball wandert oft über 30 Stationen

Xavi ist es, der von den anderen vier immer wieder gesucht wird, ein Drittel ihrer Pässe enden bei ihm. Xavi läuft viel, meist einen Kilometer mehr als seine Mitspieler, aber er bewegt sich fast nur im Mittelkreis und um ihn herum, hin und wieder verschiebt er sich Richtung Strafraum.

Um das intensive Passspiel, mit nur wenigen Fehlpässen, beneiden viele Mannschaften und viele Trainer den FC Barcelona. In seiner Präzision, in seiner Leichtigkeit, in seiner Schönheit zelebriert die Elf Fußball wie wenige Mannschaften vor ihr. Arsène Wenger, Trainer des FC Arsenal, hat dies zu der Aussage getrieben, der FC Barcelona sei "die beste Mannschaft der Welt". Wie meint Wenger das? Jede Mannschaft, die den Ball schnell und über viele Spieler laufen lässt, bis sie zum Torschuss kommt, bietet den Zuschauern eine Choreografie zwischen Mensch und Ball, man kann mit jedem Pass, mit jeder Ballstafette bewundern, wie Mensch und Ball zueinanderfinden, ohne dass der Gegner die Chance hat, an den Ball zu kommen. Experten erkennen diese Qualität, aber gerade auch Laien genießen diese artistische Kreativität. Bei Barcelona kommt es vor, dass der Ball zwischen den Spielern 20-, manchmal 30-mal hin- und herläuft, bevor der Gegner oder ein Torschuss dem Schauspiel ein Ende macht. Das meint Wenger. In einem gewöhnlichen Bundesliga-Spiel ist meist nach dem fünften oder sechsten Pass Schluss.

Spätestens von der 60. Minute des Pokalfinales an steht Real Madrid wie eine Handballmannschaft um den eigenen Strafraum, der Ballzirkulation Barcelonas ausgeliefert. Kurze Bewegungen reichen den Spielern, um auf einem 38 Meter tiefen und 70 Meter breiten Streifen zwischen Mittellinie und gegnerischem Strafraum immer neue Winkel zu schaffen, in denen der Ball sie erreichen kann, in Dreiecken, Vierecken, Fünfecken verschaffen sie sich fließend immer wieder Überzahlkonstellationen.

Dieses wie automatisiert wirkende Passspiel basiert auf einer in Tausenden Trainingsstunden eingeübten Ordnung; egal ob Barcelona gegen Real Madrid, den FC Kopenhagen oder Arsenal spielt, die Summe aller in 90 Minuten gespielten Pässe - vom Tracking-System zu Papier gebracht - ergibt immer das gleiche Bild, dicht wie ein Ölgemälde, identisch wie ein Fingerabdruck. Der Mittelkreis immer als vernetztes Zentrum der Pässe, nach vorn das Bild einer Zange, die den Gegner verschlingt. Andere Mannschaften hinterlassen nach 90 Minuten immer wieder andere Spuren, ihr Passspiel ist zufälliger. Real Madrid malt mal ein Passgeflecht, das links dichter als rechts ist, mal umgekehrt, mal besonders dicht vorm Strafraum, je nach Gegner und Taktik.

Die geometrische Grundordnung ist die eine Konstante im Spiel von Barcelona, die Unordnung des Straßenfußballs die andere. Nach minutenlangem routiniertem Passspiel kann die Mannschaft urplötzlich Spielzüge kreieren, die unberechenbar sind wie das Spiel von Kindern. Fußballer, die gegen Barcelona auf dem Platz standen, berichten davon, wie wenig greifbar ihre Gegenspieler waren, wie ansatzlos ihr Abspiel ist und wie still sie sind.

Sie kommunizieren über ihre Pässe, jeder Pass spricht zu den Mitspielern. "Unsere Ordnung stimmt nicht", sagt ein Ball, den ein angespielter Xavi sofort wieder zum Passgeber abprallen lässt. "Abwarten", "Jetzt stehen wir richtig", "Lauf in dieses Quadrat", "Achtung, gleich stürmen wir los", "Attacke!" - so reden sie miteinander, wenn sie Querpässe spielen, Rückpässe, scharfe Pässe, diagonale Pässe, vertikale Pässe.

Im Wechsel zwischen Geometrie und Anarchie liegt der Reiz ihres Stils, und da die Mannschaft ihn spielerisch austobt, wirkt auch die Wiederholung der immer gleichen Passfolgen unterhaltsam. Die Gefahr allerdings lauert genau in diesen locker-leicht abgespulten Ballstafetten. Eigentlich sollen sie den Gegner mürbe achen, ihn zum Hinterherlaufen zwingen, ihn durch "negatives Laufen", wie Trainer es nennen, demotivieren. Wenn Barcelona allerdings auf eine Mannschaft trifft, die diesen Psychoterror aushält, weil deren Trainer der bessere Psychoterrorist ist, dann kann die Absicht, den Gegner in eine Art Trance zu spielen, die ihn wehrlos macht gegen den überfallartigen Ausbruch aus der Passroutine, dann kann diese Absicht umschlagen in Selbsthypnose.

Genau das passiert im Pokalendspiel in der zweiten Halbzeit. Barcelona passt und passt, baut Winkel um Winkel, lässt den Ball laufen, kreiert Torchancen, schießt auch ein Abseitstor, aber je länger das Spiel dauert, desto mehr wirkt das wunderschöne Passspiel wie ein zielloses Beschäftigungsprogramm.

Die Spieler von Madrid scheinen diesmal immun gegen die Verhöhnung durch die langen Ballstafetten, gegen den Chor der Barcelona-Fans, die jeden Pass bejubeln, als wäre Barcelona der elegante Torero und Madrid der blöde Stier. Mourinhos Spieler stehen eng beieinander, verschieben sich gemeinsam, als wären Seile zwischen sie gespannt, und foulen nicht - wie sonst gegen Barcelona - so wild, dass einer von ihnen in die Kabine muss.

Mourinho verachtet das endlose Pass-Spiel

Mourinho hat ihnen Verachtung gegenüber diesem endlosen Passspiel eingebläut. Ballbesitz zählt für ihn gegen Barcelona nicht, als Trainer von Inter Mailand hat er im letztjährigen Halbfinale der Champions League vorgemacht, wie man das Passkarussell ins Leere laufen lässt. Lasst sie spielen, bis ihre Ballstafetten sie schwindlig machen, dann macht die Tore.

Wenn man Mourinho fragt, was seine Idee vom schönen Fußball ist, dann nimmt er einen Zettel und malt vier dicke Striche von Grundlinie zu Grundlinie. Vertikal, horizontal, vertikal, horizontal. Tor. So haben der FC Porto,Chelsea und Inter Mailand gespielt, so ist er als Trainer sechsmal Landesmeister geworden und zweimal Champions-League-Sieger, und so fällt in der Verlängerung des Pokalspiels das 1:0 für Real Madrid. Vertikal, horizontal, vertikal, horizontal. Und dann Ronaldo mit dem Kopf.

Konterfußball und Dominanzfußball, das sind die beiden großen Systeme im Weltfußball, spielerisch starke Mannschaften wollen über Ballbesitz und Passfolgen den Gegner besiegen, die anderen lassen spielen, lauern auf den Fehler und den schnellen Vorstoß.

Real Madrid, wenn nicht Barcelona der Gegner ist, hat in Ligaspielen und in der Champions League rund 60 Prozent Ballbesitz. Gegen Barcelona lässt Mourinho seine Mannschaft auf Konter spielen, akzeptiert die spielerische Unterlegenheit, entfacht aber vor und nach den Spielen in den Medien eine Debatte darüber, dass Barcelona zu Siegen gegen Madrid und andere Top-Mannschaften nur kommt, weil die Schiedsrichter, die Uefa und auch der Werbepartner Unicef dafür sorgen.

Mourinho schürt den Hass - so muss man es nennen - zwischen den Vereinen vor dem Champions-League-Halbfinal-Hinspiel in Madrid, indem er prophezeit, Barcelona habe nur dann eine Chance gegen Madrid, wenn wieder mal ein Spieler seiner Mannschaft vom Platz fliege.

Es trifft in der 61. Minute, nach einem hässlichen Foul, Pepe, den Innenverteidiger, der als Spielzerstörer auf der Spielmacherposition agiert; bis dahin hat Madrid 144 gelungene Pässe gespielt und 56 Fehlpässe, Barcelona 467 gelungene Pässe und 56 Fehlpässe. Aber: Barcelona hat nur fünf Torchancen, Madrid durch Konter drei. Trotz 70 Prozent Ballbesitz ist Barcelona bis dahin nicht torgefährlicher als Madrid, ihr Spiel allerdings wirkt so drückend überlegen, dass die Madrider Zuschauer, ein verwöhntes Operettenpublikum, jeden gelungenen Befreiungsschlag ihrer Mannschaft, selbst wenn er ins Seitenaus geht, bejubeln.

Barcelona hat bis zur 61. Minute genauso gespielt wie immer, das Karussell der Pässe läuft besser als in der ersten Halbzeit des Pokalfinales, was daran liegt, dass sie sich aggressiver wehren gegen die Madrider Erstickungsversuche, sie suchen mehr körperliche Zweikämpfe, dafür sind sie sich sonst zu schade. Sie foulen in diesem Spiel sogar mehr als Mourinhos Spieler.

Barcelona fügt dem psychologischen Terror ihrer Passstafetten körperliche Härte hinzu und raubt so der Mannschaft Madrids, die im Pokalfinale noch mit stoischer Gelassenheit die Angriffswellen überstanden hat, die Selbstgewissheit.

Besonders Xavi geht ihnen auf die Nerven. Er ist 144-mal am Ball, spielt 127 Pässe, von denen nur elf nicht ankommen, spielt den Ball 41-mal zurück und 26-mal quer, hetzt seine drei Gegenspieler Pepe, Xabi Alonso und Diarra hin und her. Pepe rastet in der 61. Minute aus, fliegt, fortan hat Xavi mehr Platz nach vorn.

Das 1:0 für Barcelona fällt wie ein Tor aus dem Lehrbuch für Barcelona-Tore. Andere Mannschaften kreieren Torchancen vor allem aus Spielsituationen rund um den Strafraum, Barcelonas Tore entstehen - wenn das Team gegen starke Gegner spielt - meist schon um den Mittelkreis. Dort ertönt der stumme Schrei zum Angriff, nur von Barcelonas Spielern zu verstehen; oft ist es Messi, der das Signal gibt, er schaltet aus dem gepflegten Passspiel-Modus in den Straßenfußball-Modus, erhöht abrupt die Laufgeschwindigkeit, wird angespielt und bringt drei, vier Abwehrspieler dazu, sich ihm entgegenzuwerfen wie früher in der Knabenmannschaft.

Entweder Messi schafft so Platz für Villa, Iniesta, Pedro oder Alves, die er dann anspielt, oder er schließt seinen Slalomlauf mit einem Tor ab, oder er dribbelt sich fest, wie an diesem Abend in Madrid.

Ausgangspunkt des Angriffs ist Xavi im Mittelkreis, umringt von drei Madrider Spielern. Er spielt auf Messi, der beschleunigt Richtung Strafraum, fünf Spieler kreisen ihn ein, zwei blockieren seinen Schuss, der prallt Richtung Mittelkreis. Messi reagiert schneller, spielt ihn zurück auf Xavi. Diese schnelle Balleroberung nach dem Ballverlust beherrscht keine andere Mannschaft so intuitiv; schon beim Torschuss antizipieren die Spieler in Ballnähe die beste Position für die Rückeroberung; im Training wird ihnen beigebracht, immer an den übernächsten Pass zu denken.

Xavi steht so, als wolle er nach links zur Außenlinie spielen, acht Madrider Abwehrspieler verschieben sich dorthin. Xavi dreht aber ab, Richtung Mittelkreis, wiegt die Abwehrspieler in Sicherheit, steht mit dem Rücken zum Tor, dreht plötzlich nach links, passt auf den durch die Verschiebung der Abwehr freistehenden Afellay an der rechten Außenlinie. Barcelona macht das Spielfeld gern breit durch Außenstürmer oder Außenverteidiger, die so weit außen stehen wie Linienrichter. Afellay umspielt den herbeistürmenden Verteidiger, passt in den Torraum, Messi hat sich an drei Abwehrspielern vorbeigeschlängelt, schlenzt den Ball dem Torwart durch die Beine. Drei Spieler haben durch zwei Dribblings und drei Pässe acht Gegenspieler ausgeschaltet.

Messis Tor zum 2:0 elf Minuten später ist keine Mannschaftsleistung, sondern das Attentat eines Straßenfußballers auf die Deckungsarbeit Mourinhos. Messi schnappt sich am Mittelkreis den Ball und lässt fünf Abwehrspieler Madrids aussehen wie Kellner auf einem Stehempfang.

Real und Barcelona - mehr als Fußballvereine

Nach Spielschluss versucht Alfredo di Stéfano, 84 Jahre alt, in der Nähe des Stadions im Restaurant De María seine Enttäuschung hinunterzukauen, murmelt müde Sätze vor sich hin, wieder hat sein großes Real ausgesehen wie eine Maus im Kampf gegen einen Löwen. Den Argentinier wollten 1953 Real und Barcelona verpflichten, Real siegte und gewann mit ihm achtmal die spanische Meisterschaft. 20 Jahre später stritten beide Vereine um Johan Cruyff von Ajax Amsterdam, den komplettesten aller Spielmacher, das war immer so, Madrid und Barcelona stritten um den besten Fußball und die besten Fußballer. Cruyff entschied sich für Barcelona und prägte den Verein als Spieler fast so wie Di Stéfano Real. Als Trainer, von 1988 bis 1996 auf der Bank, legt er die Grundlage für den totalen Fußball, den Barcelona heute spielt.

Die holländische 4-3-3-Formation wird zum Spielsystem des FC Barcelona und all seiner Jugendmannschaften, ein Internat soll aus 13- und 14-Jährigen den Spielertyp formen, den eine so offensive Spielweise braucht: alle zehn Feldspieler technisch stark genug, um sich in Eins-gegen-eins-Situationen durchzusetzen; die gesamte Mannschaft verteidigt, die gesamte Mannschaft stürmt; bei Ballverlust sofort Pressing, bei Ballgewinn totale Offensive; ballsichere Mittelfeldspieler, die über 90 Minuten ein verwirrendes Kurzpassspiel aufziehen können und Ballbesitz garantieren.

Vor allem aber, und das ist der wahre Befreiungsakt: die Entdeckung des kurzen Mannes in kurzen Hosen. Bis dahin waren viele junge Fußballer von Jugendtrainern nach Hause geschickt worden, weil sie zu klein und schmächtig seien für diesen Männersport.

Cruyff, als Jugendlicher ein zarter Bursche, wusste um den Vorteil kleiner Jugendspieler: technisch versessener, weil sie sich immer gegen körperlich Überlegene durchsetzen mussten; wendiger, weil ihr Schwerpunkt tiefer liegt; kreativer, weil ihr Kopf näher am Ball ist. In seinen acht Trainerjahren holt Cruyff 29 Talente aus dem Internat La Masía in den Profisport, im aktuellen Kader von Barcelona kommen 15 Spieler aus dieser Zwergenplantage, natürlich auch Xavi, Iniesta und Messi.

Cruyff, der von Spielern mal als "Maschine zur Produktion von Fußball" sprach, wurde im letzten Jahr von der Vereinsführung zum "geistigen Vater" des heutigen Erfolgsstils gekürt. Jeden Montag spricht er in einer katalanischen Sportzeitung vom Olymp herab über die Taktik und Spielweise des Trainers Pep Guardiola, der unter ihm ein zentraler Spieler seiner Mannschaft war.

Für Mourinho hat Cruyff nur Verachtung. Der Verrückte habe seine Mannschaft, die in Ligaspielen wunderschönen Fußball zeige, mit "Barcelonitis" infiziert, die Angst vor Barça und dessen Stil habe ihn dazu gebracht, Madrid wie einen Antikörper auftreten zu lassen, nicht wie eine Mannschaft, die Fußball gestalten und die Zuschauer begeistern will. Zudem habe er mit seinen Verschwörungsphantasien nach dem ersten Halbfinalspiel in Madrid die traditionellen Werte Reals verraten.

Real und Barcelona seien mehr als Fußballvereine, meint Cruyff, und wer in Barcelona durch das Museum im Stadion Camp Nou zieht, versteht, was der "Lenin des Fußballs" ("The Observer") meint. Zwischen den Dutzenden blitzenden Pokalen hinter Glas, zwischen alten Trikots großer Spieler und Fotos legendärer Teams ist auf Schrifttafeln von "Demokratie" zu lesen, von "Menschenrechten" und vom Kampf gegen die Franco-Diktatur. Sich dem spanischen Tyrannen entgegengestemmt, die Kultur der Katalanen verteidigt zu haben, das rechnet sich der FC Barcelona bis heute an, Duelle gegen Real Madrid sind deshalb noch immer Demonstrationen gegen den Zentralstaat. Und darum wird im Museum auch ausgestellt, dass eigentlich Katalonien Europameister wurde im Jahr 2008 und Weltmeister im vergangenen Jahr, acht Spieler der spanischen Elf sind vom FC Barcelona, alle Tore Spaniens bei der WM schossen sie, und das Spielsystem der Nationalmannschaft ist sowieso das des FC Barcelona.

"Wir spielen linken Fußball"

Ein Fußballverein als Widerstandsgruppe, ein Fußballverein als Entwicklungshelfer - die clubeigene Stiftung fördert Kinder aus Entwicklungsländern und Unicef - und ein Fußballverein im Besitz von mehr als 170 000 Mitgliedern, aus dieser Einzigartigkeit ziehen die weltweit mehr als 57 Millionen Anhänger des FC Barcelona den Glauben, nicht nur die besseren Fans zu sein, sondern wohl auch die besseren Menschen. Die Illusion vom Triumph des linken über den rechten Fußball, sie schwingt mit, wenn Barcelona auf Madrid trifft. "Wir spielen linken Fußball", sagt Guardiola, "alle machen alles." Madrid ist weltweit der Prototyp des marktwirtschaftlichen Vereins: alles kaufen, was gut und teuer ist, und daraus eine Mannschaft formen, die unbedingt Erfolg haben muss. Barcelona steht für den planwirtschaftlichen Weg: eine Idee vom besseren Fußball zu haben, eine Mannschaft aus jungen Spielern zu formen, die dem Plan möglichst nahekommt. Also Chelsea, Inter Mailand, Bayern München auf der einen Seite, Arsenal, Ajax Amsterdam, Borussia Dortmund auf der anderen Seite. Ökonomisch sind Planwirtschaft und Marktwirtschaft im Fall von Barcelona und Madrid allerdings ähnlich erfolglos - beide Vereine sind hochverschuldet.

Dass in einem planwirtschaftlich denkenden Verein der kreativste Fußball produziert wird, liegt an einem Trainer, der mal Objekt dieses Plans war und nun Subjekt ist, Pep Guardiola. Sein Training folgt der Idee, dass man spielt, wie man trainiert, und deshalb mischt er Ordnung mit Unordnung, Reißbrettfußball mit Straßenfußball. Es wird viel gespielt, nie ohne Ball trainiert, nur ein paar Sprints, keine Ausdauerläufe, alles, was die Spieler an Fitness brauchen, holen sie sich spielerisch; wer sich zu wenig belastet im Training, wird durch seine physischen Daten überführt und entsprechend nachbearbeitet.

Gespielt wird im Training immer nur in einer Spielhälfte, um die Enge zu imitieren, die im Match üblich ist; in 16 Quadrate ist die Hälfte unterteilt, die Spieler verteilen sich und halten ihre Position, bis der gespielte Ball ihnen befiehlt, ins nächste Quadrat zu laufen.

Vieles, was Guardiola im Training macht, kommt aus Sportarten, die beim Training wissenschaftlicher vorgehen. Barcelonas Handballer sind ähnlich erfolgreich wie die Fußballer, auch gute Basketball-, Hockey- und Rugbymannschaften hat der Verein. Wer sich manche von Barcelonas Spielzügen gegen Madrid genauer anschaut, erkennt Angriffsformationen aus dem Handball und dem Basketball, sieht typische Hockey- und Rugbyspielzüge oder manchmal gar diagonale Pässe wie im American Football vor einem Touchdown. Es sind Sportarten, die mit der Hand gespielt werden, der Mensch ist geschickter mit der Hand als mit dem Fuß. Die Spieler von Barcelona, das ist das Ziel ihres Trainings, sollen sich dieselbe Ballsicherheit mit dem Fuß erarbeiten.

Das Training bei Spitzenteams im Profifußball basiert auf den Daten, die während der Spiele von Firmen wie Amisco/ MasterCoach, Opta oder Impire ermittelt werden. Opta, seit Jahren Hauptdatenlieferant in der englischen und spanischen Liga, wertet auch die Bundesliga und die Champions League aus, insgesamt Daten aus 30 Sportarten in 70 Ländern. Impire hat von der Deutschen Fußball Liga den Auftrag, von der nächsten Saison an alle Spiele der ersten und zweiten Bundesliga zu erfassen, in allen Stadien werden ihre Tracking-Systeme installiert und so die Mathematisierung des Fußballs auf eine neue Stufe gehoben.

Allen Trainern sind diese Daten dann zugänglich, jede Mannschaft wird jedes Wochenende geröntgt, jeder Spieler steht unter Sonderbewachung, seine Leistung auf dem Platz wird noch berechenbarer als bisher. Nicht nur sein Trainer, auch die Medien können kritischer oder lobender mit ihm umgehen. Einen Vorgeschmack bietet die App "Total football" von Opta, mit ihr dürfen iPhone- und iPad-Besitzer alle Spiele der Champions League so durchleuchten, wie Pep Guardiola und José Mourinho es tun.

In das vierte Spiel gegen Barcelona geht Mourinho mit einer offensiveren Aufstellung als in den drei Spielen davor, er muss den 0:2-Rückstand aus dem Hinspiel des Champions-League-Halbfinales egalisieren.

In den ersten 15 Minuten rechnen Xavi und Kollegen die Madrider aus, sie spielen 43 Querpässe und 55 Rückpässe, nur 57 Pässe nach vorn, sie studieren, wie sich der Gegner verschiebt, testen die Laufwege der neuen Formation, das Abwehrverhalten, die Konteransätze. Zwischen der 30. und 40. Minute ziehen sie dann Kombinationen auf, die zum Schönsten gehören, was im Fußball je gespielt wurde. 121 Pässe in zehn Minuten, Madrid spielte im Hinspiel innerhalb von 90 Minuten 179 Pässe; 29-mal landen die Pässe im Spielfelddrittel vor Madrids Tor, ein ständiger Wechsel zwischen Dreiecken und Vierecken, Dribblings, langen Pässen, kurzen Pässen, hohem Tempo, langsamen Bällen, und dies alles mit einer Präzision, als würden dort unten Figuren aus einem Computerspiel die programmierten Abläufe abspulen. Madrid schlägt in diesen zehn Minuten 16 Pässe, die schnell zum Ballverlust führen und die nächste Angriffswelle einleiten. Wenn Madrid nach Ballverlust kurz in Unordnung ist, warten Xavi, Messi und die anderen gnädig, bis die Spieler sich wieder orientiert haben, um sie dann lustvoll auszukombinieren. Diese Momente, in denen das Spiel einzufrieren scheint, in denen alle Spieler und Zuschauer darauf starren, was Xavi oder Messi gleich mit dem Ball machen werden, sind Momente knisternder Ruhe.

Fünf Torchancen erspielt sich Barcelona in diesen zehn Minuten, Madrids Torwart hält alles, verteidigt die Unberechenbarkeit des Sports. Das 1:0 für Barcelona, auch das ist das wunderbar Irrationale am Fußball, fällt dann auf Mourinho-Art. Vertikal (Torwart auf Alves), horizontal (Alves auf Iniesta), vertikal (Iniesta auf Pedro), Torschuss. Drei Pässe, in 13 Sekunden übers ganze Spielfeld gejagt, ein Tor. Spricht das gegen die Mathematik, spricht das gegen all die Versuche, Fußball berechenbar zu machen? Nein, es spricht dafür, dass die Variablen auf dem Spielfeld immer mächtiger sein werden als die Konstanten.

Der Barça-Code

Barcelonas Über-Ich Cruyff schwärmt nach Schluss dieses beispiellosen Vier-Spiele-Zyklus von der "Hegemonie in der Fußballwelt", von "wundervoller Tyrannei", von der "Kulmination eines Projektes", das er so beschreibt: "Immer im Angriff, immer dominieren, immer die Zuschauer begeistern, nicht nur die eigenen." Bleiben drei Fragen.

Was unterscheidet diesen perfekten Fußball von dem perfekten Fußball, den Ajax Amsterdam und Dynamo Kiew in den siebziger Jahren, den AC Mailand in den späten achtziger und frühen neunziger Jahren gespielt haben - was ist der Barça-Code? Der Barça-Code, das ist ein Torwart, der Torchancen einleitet; das sind zwei Innenverteidiger, die Spieleröffner sind; zwei Außenverteidiger, die mehr stürmen als verteidigen; ein defensiver Mittelfeldspieler, der 70 Prozent seiner Zweikämpfe gewinnt und mehr als hundert Pässe zum Mitspieler schlägt; zwei Spielmacher, möglichst klein, es können auch mal fünf werden; zwei Außenstürmer, die fast jeden zweiten Zweikampf gewinnen; ein Mittelstürmer, der nicht Mittelstürmer ist, sondern Messi. Macht mehr als 800 Pässe pro Spiel, Ballbesitz über 70 Prozent, im Schnitt 2,4 Tore.

Können andere Mannschaften den Barça-Code kopieren? Viele versuchen es, stellen kleine Spieler ins Mittelfeld, setzen auf viel Ballbesitz. Was ihnen fehlt, sind Ballsicherheit, Tempo und Xavi. Und Messi.

Wie können Mannschaften gegen Barça gewinnen? Real Madrid hat es mit sieben Defensivspielern im Mittelfeld versucht, im Pokalfinale hat es geklappt, weil Barcelonas Passkarussell irgendwann heißlief. Der FC Arsenal, auch eine dieser passgeilen Ballbesitzmannschaften, wenn auch mit mehr Zug zum Tor, spielt Barça in der zweiten Halbzeit des Champions-League-Achtelfinales aus durch zwei schnelle Ballstafetten.

Barcelonas Pass-Software erlebt hin und wieder für ein paar Minuten einen Systemabsturz, das wäre die Chance für Manchester United gewesen im Finale am Samstag. Aus einer Kontermannschaft hat Trainer Alex Ferguson in den letzten zwei Jahren eine Dominanzelf gemacht, sie spielt durchschnittlich 580 Pässe in jedem Spiel, zwar 240 weniger als Barcelona, aber die viertmeisten in der Champions League.

Arsenal und Real Madrid haben sich nicht getraut, ihrem Stil treu zu bleiben gegen Barcelona, aus Furcht davor, im Passgewitter zu ersticken. Ferguson ließ in Wembley furios beginnen, Barcelona brauchte zehn Minuten, um die Laufwege und Passlinien zu lesen, dann begann sich Xavis Karussell zu drehen. 136 Pässe hatte er am Ende gespielt, nur zwölf Fehlpässe; zwischen 20 und 30 Pässe spielten die Mittelfeldspieler Manchesters, davon ein Drittel Fehlpässe. Sie wirkten ängstlich, paralysiert besonders dann, wenn sich Xavi und Messi die Bälle zuschoben.

Welche Mannschaft wird in der nächsten Saison den Weg finden, diesem todsicheren Fußball zu trotzen? Wer den Spielern aus Manchester und ihrem Trainer nach den 90 Minuten von Wembley in die Gesichter sah, kann nicht daran glauben, dass United das gelingen kann.

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung