Gala-Auftritt gegen die USA Rosicky beweist seine Klasse

Dass er großes Talent besitzt ist unbestritten. Dass er nicht immer davon Gebrauch macht, auch. Zum WM-Auftakt der Tschechen gegen die USA zeigte Tomas Rosicky wieder einmal, was er kann. Nur die Verletzung von Jan Koller trübte das tschechische Fest.


Gelsenkirchen - In Dortmund hatten sie vergeblich gewartet. Bei der Borussia spielte Rosicky selten die Art von Fußball, der die Dortmunder Verantwortlichen im Jahr 2000 dazu veranlasste, knapp 15 Millionen Mark für einen 19-Jährigen an Sparta Prag überwiesen. Selten durchzog er in der Folge das Mittelfeld so spielerisch, schoss so präzise oder passte so genau wie zuvor in seiner Heimat.

Konstant gut war er eigentlich nur im Trikot der tschechischen Nationalmannschaft. Dann stellte er mitunter sogar seinen Mannschaftskollegen Pavel Nedved, Star von Juventus Turin, in den Schatten. So einen Tag, auf den sein Verein in Dortmund oft vergebens wartete, hatte Tomas Rosicky gestern.

Mit zwei Toren führte der inzwischen 26-Jährige sein Team gegen enttäuschende US-Amerikaner zu einem ungefährdeten 3:0 (2:0) vor 52.000 Zuschauern in der ausverkauften Gelsenkirchener WM-Arena. Zu keiner Zeit konnte die USA einer nüchtern und effektiv auftretenden tschechischen Elf auf Augenhöhe gegenübertreten.

Bereits nach fünf Minuten ließen die US-Boys Jan Koller im Strafraum frei zum Kopfball kommen. Das Geschenk nahm die Neuerwerbung des AS Monaco gerne an und köpfte zur frühen Führung ein. Neben den amerikanischen Abwehrspielern konnte sich Koller bei Zdenek Grygera für eine perfekt gesetzte Flanke bedanken.

Und weil die US-Amerikaner (Verteidiger Gregg Berhalter: "Wir sind von der eins bis zur 23 besser besetzt als 2002") nie zielgerichtet auf den Ausgleich drängten, brachten sie das Tor der Tschechen, ausgenommen den Pfostenschuss von Kapitän Claudio Reyna (28.), nicht in Gefahr.

Aufgrund der verschwindend geringen Gegenwehr bekam Rosicky immer mehr Spaß an diesem Spiel ("Ich hatte Anlaufschwierigkeiten"). In der 36. Minute legte der beste Mann auf dem Platz den Ball aus 25 Metern ins rechte Eck, nach 75 Minuten verwertete ein Zuspiel von Nedved eiskalt. Es hätte noch besser kommen können. Kurz vor seinem zweiten Treffer traf Rosicky nur die Latte. Nichtsdestotrotz stand das Publikum herkunfts- und blockübergreifend auf und applaudierte als er in der 86. Minute das Feld verließ.

Eine Stunde früher war Rosickys Mannschaftskollege Koller vom Platz getragen worden. Ohne Einwirkung seines Gegenspielers zog sich der 2,02 Meter große Angreifer eine schwere Zerrung im hinteren Oberschenkelmuskel zu (Trainer Karel Brückner: "Sehr ernst"). Dass er möglichst bald wieder ins WM-Geschehen eingreifen kann, sei insbesondere ihm, aber auch seiner Mannschaft gewünscht, die es ohne die gesetzten Stürmer - Kollers Sturmpartner Milan Baros saß aufgrund einer Fersenverletzung nur auf der Bank - schwer haben dürfte, in jedem Spiel eine derart starke Leistung zu bieten.

Noch größere Sorgen muss man sich um die Mannschaft der USA machen. Uninspiriert und ohne Konzept präsentierte sich das Team um Keeper Kasey Keller von Borussia Mönchengladbach. "Ich bin total unzufrieden über unseren Start in dieses Turnier und unseren Auftritt", sagte US-Coach Bruce Arena, der nun auf Siege in den verbleibenden Spielen gegen Ghana und Italien hoffen muss.

Arena wusste, wer Hauptschuld hatte an dieser Enttäuschung: "Rosicky hat eine phantastische Vorstellung geboten." Auch beim FC Arsenal in London werden sie die Leistung aufmerksam registriert haben. Der Verein freut sich schon auf seinen neuen Spieler, für den er mehr als 10 Millionen Euro an Dortmund gezahlt hat. Man könnte sagen, der FC Arsenal wartet - wie damals Borussia Dortmund. Vielleicht kann Rosicky dieses Mal alle Hoffnung erfüllen.

USA - Tschechien 0:3 (0:2)
0:1 Koller (5.)
0:2 Rosicky (36.)
0:3 Rosicky (76.)
USA: Keller - Cherundolo (46. Johnson), Pope, Onyewu, Lewis - Reyna, Mastroeni (46. O'Brien), Beasley, Convey - Donovan, McBride (77. Wolff)
Tschechien: Cech - Grygera, Rozehnal, Ujfalusi, Jankulovski - Galasek - Poborsky (82. Polak), Rosicky (86. Stajner), Nedved, Plasil - Koller (45. Lokvenc)
Schiedsrichter: Amarilla (Paraguay)
Zuschauer: 52.000 (ausverkauft) 
Gelbe Karten: Onyewu, Reyna / Rozehnal, Lokvenc, Rosicky, Grygera



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