Hollands Mittelfeldspieler Georginio Wijnaldum Heimlich weltklasse

Ob beim FC Liverpool oder in der niederländischen Nationalelf, Georginio Wijnaldum ist zum Topspieler gereift. Dabei galt er lange als durchschnittlich begabt - bis Jürgen Klopp ihm zum Durchbruch verhalf.

Im letzten EM-Quali-Spiel traf Wijnaldum dreifach gegen Estland
REUTERS/Piroschka Van De Wouw

Im letzten EM-Quali-Spiel traf Wijnaldum dreifach gegen Estland

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Es gibt Fußballer, die in jungen Jahren nicht besonders talentiert wirken, aber fast unbemerkt verbessern sie sich von Woche zu Woche. Sie hören zu, lernen, arbeiten hart.

Weil sie konzentriert und mental stabil sind, spielen sie selten schlecht. Saison für Saison sammeln sie mehr Pflichtspiele. Und wenn sie dann ihre Blüte erreichen - ihre späten Zwanziger - stellt man plötzlich fest, dass sie zu Weltklassespielern gereift sind.

So war es bei Frank Lampard und Virgil van Dijk. Aber so war es auch bei einem Spieler, den man vielleicht nicht sofort in die Kategorie 1A einsortieren würde: Georginio Wijnaldum, Virgils 29 Jahre altem Teamkollegen beim FC Liverpool und der niederländischen Nationalmannschaft.

In der vergangene Saison gewann Wijnaldum mit seinem Klub die Champions League. Am Samstag hatten sich die Niederlande bereits für die EM 2020 qualifiziert, am Dienstag feierten sie einen 5:0-Sieg im abschließenden Quali-Spiel gegen Estland. Es ist die erste Turnierteilnahme seit der WM 2014 für Oranje. Holland hat sie zu einem großen Teil auch Wijnaldum zu verdanken. Acht Tore hat er in seinen vergangenen zwölf Länderspielen erzielt - drei davon beim Sieg gegen Estland. Und das als Mittelfeldspieler, der keineswegs als Star seines Teams gilt. Wer ist dieser Mann?

Geboren wurde Wijnaldum am 11. November 1990 als Sohn niederländisch-karibischer Eltern, die den Klang des Namens Jorginho mochten, Brasiliens Rechtsverteidiger bei der WM im selben Jahr. Ab dem Alter von fünf Jahren wuchs Wijnaldum bei seiner Großmutter in einem Migrantenviertel Rotterdams auf, das damals von Prostitution und Drogenhandel beherrscht wurde.

Die Angriffe stockten, wenn er den Ball bekam

Um ihn zu schützen, begleitete seine Oma den höflichen und bescheidenen Jungen jeden Tag auf dem 45 Minuten langen Fußweg zum Training bei Sparta Rotterdam. Georginio träumte zunächst davon, Turner oder Zirkusakrobat zu sein. Fußball interessierte ihn lange nicht so sehr. Seiner Großmutter aber sagte er: "Eines Tages werde ich mich um dich kümmern."

Mit 16 Jahren und 148 Tagen wurde Wijnaldum der jüngste Debütant in der Geschichte von Feyenoord Rotterdam. Er wollte ein Zehner werden, aber daraus wurde nichts. Acht Jahre spielte er in der Eredivisie, für Feyenoord und die PSV Eindhoven. Dort entwickelte sich Wijnaldum lediglich zu einem guten multifunktionalen Fußballer: fleißig, flink und geschickt. Bei der WM 2014 wurde er mit den Niederlanden Dritter. Doch die Angriffe des Teams verloren oft an Tempo, sobald der Ball bei Wijnaldum landete. In engen Räumen fehlte ihm die Übersicht.

Georginio Wijnaldum (r.) und Ryan Babel im Training der Niederlande
Reuters/Jason Cairnduff

Georginio Wijnaldum (r.) und Ryan Babel im Training der Niederlande

Als er sich mit 24 Jahren vor der Saison 2015/2016 Newcastle United anschloss, stieg der Klub direkt aus der Premier League ab. Gleichzeitig war Wijnaldum Teil einer kläglichen niederländischen Generation, die sowohl die EM 2016 als auch die WM in Russland vergangenes Jahr verpasste.

Jürgen Klopp gehörte zu den wenigen Menschen, die damals in ihm etwas Besonderes sahen. "Wir haben gelacht und nicht nur über Fußball gesprochen", erinnert sich Wijnaldum an die erste Begegnung mit dem Liverpool-Trainer: "Er war nicht nur am Fußballer Wijnaldum interessiert, sondern auch am Menschen Wijnaldum." Im Juli 2016 zahlte Liverpool 29 Millionen Euro Ablöse für den Spieler.

Wijnaldum merkte, dass jede einzelne von Klopps Trainingseinheiten darauf ausgelegt war, Spieler zu verbessern. "Er wird nur dann wütend, wenn man seine Stärken nicht ausspielt", sagte Wijnaldum. In seinem Fall waren es die Läufe in den freien Raum. Wenn er den Ball verlor, regte sich Klopp nie auf.

Das Barcelona-Spiel als Wendepunkt

Trotzdem ging ihm Klopp manchmal auf die Nerven. "Es ist ein Stück weit eine Hassliebe", beschrieb Wijnaldum der niederländischen Zeitung "Het Parool" seine Beziehung zu seinem Vereinstrainer. "Er will das Beste für alle seine Spieler, das merkt man andauernd. Aber manchmal ist man komplett im Spiel und dann macht dir auch noch der Trainer von der Seitenlinie Dampf. Manchmal kocht es dann über."

Als Klopp ihn im Mai zunächst nicht für das Rückspiel gegen den FC Barcelona in der Champions League in die Startelf stellte, war Wijnaldum "wütend und enttäuscht". Wie der Zufall es wollte, verletzte sich Andrew Robertson während der Partie, Klopp wechselte Wijnaldum zur zweiten Hälfte ein - und der erzielte zwei Tore beim 4:0. An jenem wundersamen Abend von Anfield trat Wijnaldum ein in die 1A-Kategorie. Liverpool erreichte sensationell das Finale - und gewann es.

Beim 4:0 des FC Liverpool gegen Barcelona im Mai traf Wijnaldum (l.) doppelt
Phil Noble/REUTERS

Beim 4:0 des FC Liverpool gegen Barcelona im Mai traf Wijnaldum (l.) doppelt

Allmählich haben auch die Liverpool-Fans Wijnaldums Wert bemerkt. Sie besingen ihn. Er ist diese seltene Art von Mittelfeldspieler, die die Fitness, das Tempo und die Beweglichkeit besitzt, das gesamte Spielfeld abzudecken. Ein Box-to-Box-Spieler, der das Gegenpressing einer Mannschaft anführt, nur selten den Ball verliert - und der gelernt hat, seine Läufe in den Strafraum auf die Sekunde genau zu timen. Zudem ist Wijnaldum auch noch torgefährlich geworden. Beim 4:2 mit Oranje gegen Deutschland im September traf er einmal selbst und bereitete ein weiteres Tor vor.

Es war der frühere Bayern-Stürmer Roy Makaay, für kurze Zeit Wijnaldums Teamkollege bei Feyenoord, der ihm beibrachte, sich vor dem Abschluss Zeit zu nehmen und zu schauen, wo der Torwart steht. Georginio Wijnaldum hörte genau zu, lernte. Und dann wurde er immer besser.



insgesamt 2 Beiträge
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smajl11 19.11.2019
1. Kloppo hat zufällig auch ...
aus Coutinho einen Top10 Spieler der Welt gemacht... wo ist jetzt Couthino ohne Kloppo? und damals halbe Dortmundermanschaft zu Topspieler und sie gewannen sogar Deutschemeisterschaft. Aus Sallah einen der Top-5 der Welt gefort usw. Einige Spieler übernahm er beim Liverpol (Milner, Lallana usw), die spieler weiterhin. Kloppo hat nicht wie Guardiola einfach die besten der Welt gekauft und eine neue Manschaft gemacht. Kloppo hat für nur ca. 42 den Sallah kaufen lassen und auch aus einigen anderen bessere Spieler gemacht - wirklich der beste Trainer der Welt. Darum, Hut ab - es lebe Kloppo, der beste Trainer der Welt.
Mr. Fakt 21.11.2019
2. Heimlich Weltklase
Klopp hat seit er bei Liverpool auch für die Transfers verantwortlich ist in den knapp 4 Jahren in den https://www.transfermarkt.de Saisons 2016/17 plus 2017/18 plus 2018/19 plus die laufende Saison knapp 150 Millionen Euro investiert wenn man die Transfer Ausgaben gegen die Transfer Einnahmen aufrechnet. Hier kann dies jeder nachvollziehen: https://www.transfermarkt.de Und man erkennt sofort das Klopp bei Liverpool wirklich sehr seriös unter dem Strich inverstiert hat. Im Vergleich z.B. zu Man City, wo einige hundert Millionen mehr im selben Zeitraum ausgegeben wurden. Klopp hat einfach nur großen Transfererlöse wie z.B. dem von Coutinou wieder sinnvoll in passende Spieler wie z.B. Van Dyke und Allison reinvestiert. Und Klopp hat halt in den knapp 4 Jahren seiner Tätigkeit in Liverpool den Verein incl. den Zuschauern zu einer tollen Einheit geformt. Das ist ihm ja auch schon in Mainz und Dortmung gelungen.
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